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Mundraub erwünscht

Kirchberg an der Murr hat sich der Aktion „Pflück mich“ angeschlossen – Naschen von rot gekennzeichneten Obstbäumen erlaubt

Ein spätsommerlicher Spaziergang durch bunte Streuobstwiesen und nebenher noch einen frisch gepflückten Apfel genießen – dies ist in immer mehr Regionen offiziell erlaubt. Um Marbach am Neckar etwa weisen weiße Bänder mit dem Slogan „Pflück mich“ darauf hin, dass hier jeder, der gerade Appetit hat, sich an den vollen Obstbäumen bedienen darf. Kirchberg an der Murr hat sich der Aktion angeschlossen, weitere Kommunen im Kreis sollen folgen.

Sind von der Aktion „Pflück mich“ begeistert: Charlotte Klinghoffer, Sabine Rüger und Gudrun Senta Wilhelm (von links). Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Sind von der Aktion „Pflück mich“ begeistert: Charlotte Klinghoffer, Sabine Rüger und Gudrun Senta Wilhelm (von links). Foto: A. Becher

Von Simone Schneider-Seebeck

KIRCHBERG AN DER MURR. Einfach zugreifen – Kirchberg an der Murr macht bei der Aktion „Pflück mich“ mit. In der letzten Gemeinderatssitzung vor den Sommerferien wurde angeregt, auf der Gemarkung diejenigen Bäume, die abgenascht werden dürfen, mit roten Bändern zu kennzeichnen. Gudrun Wilhelm (Freie Liste Kirchberg) wies zudem darauf hin, dass eine ähnliche Aktion auch schon 2018 in Tübingen stattgefunden habe und so bestimmte gekennzeichnete Bäume für den „Mundraub-Verzehr“ zugänglich gemacht worden waren.

Hintergrund der Idee ist, dass manche Baumwiesenbesitzer manchmal einfach nicht dazu kommen, sich selbst um das reife Obst zu kümmern. Das verrottet dann auf den Bäumen oder im Gras, wenn es nicht rechtzeitig geerntet werden kann. Ohne Erlaubnis etwas mitzunehmen, ist jedoch seit den 70er-Jahren ein Straftatbestand – egal, ob man etwas aufliest oder abpflückt. Meistens wird hierbei zwar ein Auge zugedrückt, doch bei entsprechendem Strafantrag drohen, je nach Ausmaß, Geldbußen oder sogar Haftstrafen.

Seit August kann sich nun jeder Baumbesitzer, der etwas abgeben möchte, auf dem Kirchberger Rathaus rote Bänder mit der Aufschrift „Pflück mich“ abholen. Mit gutem Beispiel ist die Gemeinde bereits vorangegangen und hat die üppig wachsenden Trauben an der Kelter im Ortskern zum Naschen freigegeben. Und auch Sabine Rüger hat sich als erste Bürgerin an der Aktion beteiligt. Sie hat den Aufruf im örtlichen Mitteilungsblatt gelesen und sich gedacht: „Das machen wir doch gleich.“ Zurzeit kommt sie selbst nicht zum Abernten ihrer Obstbäume und wollte ihre Äpfel daher gern der Allgemeinheit abgeben. „Es wäre sonst schade drum, wenn alles auf dem Boden verfaulen würde“, findet sie. Sie würde sich freuen, wenn noch weitere Obstbaumbesitzer die Idee aufgreifen.

Gudrun Wilhelm hatte das Thema ebenfalls weiterhin beschäftigt, und so hat sie gemeinsam mit ihrer Kreistagskollegin Charlotte Klinghoffer von der Wi/Kli-Gruppe des Kreistags eine Anfrage beim Landratsamt zum aktuellen „Obst-Sharing“-Stand gestellt. Mit Hinweis auf den Landkreis Esslingen, wo sämtliche Initiativen zum Thema beim Landratsamt gebündelt und koordiniert werden, erkundigten sich die beiden Rätinnen, ob es ähnliche Aktionen im Rems-Murr-Kreis gebe. Sofern dies noch nicht geschehen sei, würden sie die Bildung einer entsprechenden Initiative des Landratsamts begrüßen, „um die leckeren Früchte 2019 an den Mann und die Frau zu bringen“.

Gerd Holzwarth, Dezernent für Forst, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Vermessung beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis, konnte umgehend die positive Auskunft erteilen, dass der Kreis sich bereits seit 2015 an der landesweiten Streuobstwiesenbörse beteilige. Allerdings ist diese Plattform etwas weiter gefasst. Wer Obst verschenken möchte oder etwa Pächter für seine Obstwiesen suche, kann seine Anfragen und Angebote hier wie bei einer normalen Tauschbörse einstellen. Aktuell finden sich neun Einträge aus den Gemeinden Korb, Winterbach, Schorndorf und Berglen. Allerdings wurde diese Börse bisher nicht breit beworben und somit ist das Potenzial bei Weitem nicht ausgeschöpft.

Es zeigt sich also: Nachhaltigkeit, das Teilen mit anderen, Besinnung auf die Früchte vor der Haustür sind Themen, die immer weitere Kreise ziehen. Am gestrigen Dienstag hat zudem das Bürgerforum Backnang mit seiner Vorsitzenden Charlotte Klinghoffer einen Antrag bei der Stadt Backnang eingereicht mit dem Inhalt, dass sich die Murr-Metropole ebenfalls an der „Pflück-mich“-Aktion beteiligen möge. Auch in Aspach ist man auf das Thema bereits aufmerksam geworden. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schopf wollte in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Montagabend wissen, ob die Möglichkeit bestünde, Bäume, die von ihren Eigentümern nicht mehr abgeerntet werden können, durch bunte Bänder zu kennzeichnen. Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff steht dem Thema grundsätzlich sehr offen gegenüber und möchte die Idee fürs kommende Jahr mitnehmen – auch für die gemeindeeigenen Flächen, wie sie sagte.

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Erstellt:
18. September 2019, 06:00 Uhr

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