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Mutter und neunjährige Tochter getötet

Eine schreckliche Tat ist in der Nacht zum Sonntag in Allmersbach im Tal geschehen. Die Opfer: eine 41-jährige Frau und ihr Kind. Der mutmaßliche Täter hat sich inzwischen gestellt. Die Polizei geht von einer Beziehungstat aus.

Der Schauplatz des Tötungsdelikts befindet sich in der ansonsten beschaulichen Straße Im Wacholder in Allmersbach im Tal. Fotos: B. Beytekin

Der Schauplatz des Tötungsdelikts befindet sich in der ansonsten beschaulichen Straße Im Wacholder in Allmersbach im Tal. Fotos: B. Beytekin

Von Armin Fechter

ALLMERSBACH IM TAL. Die Straße Im Wacholder, in der sich in der Nacht zum Sonntag eine tödliche Tragödie ereignet hat, wirkt wie ein Idyll. Gepflegte Häuser, dekorierte Balkone, blühende Vorgärten, Spielgeräte auf der Wiese, in der nächsten Nachbarschaft das evangelische Gemeindezentrum und der Kirchturm, nicht weit davon die Sport- und Kulturhalle der Gemeinde und die Grundschule: Wenn da nicht die Einsatzfahrzeuge von Polizei und Rotem Kreuz und die rot-weißen Absperrbänder wären – keiner würde hinter dieser ruhigen, beschaulichen Szenerie eine schlimme Beziehungstat vermuten.

Und doch ist genau dies an genau diesem Ort passiert: In einem Haus in der Straße Im Wacholder wurden eine 41-jährige Frau und deren neunjährige Tochter getötet. Dem Allmersbacher Bürgermeister fehlen Ralf Wörner fehlen die Worte angesichts des furchtbaren Ereignisses: „Schrecklich, schlimm“, sagt er mit bebender Stimme. Die Familie hat er gekannt, sie lebte seit vielen Jahren in der Gemeinde, war gut verankert. Auch der frühere Ehemann der Frau, der Vater des Kindes, der heute in einer anderen Gemeinde lebt, hat sich in Allmersbach eingebracht. Seit 22 Jahren ist Wörner Bürgermeister dieser Gemeinde, sagt er erschüttert, aber in all den Jahren ist nichts Derartiges vorgefallen.

Verdächtiger benutzt ein rotes Auto mit VAI-Kennzeichen.

Am Sonntagvormittag gegen 10 Uhr, so schildert es Polizeipräsident Reiner Möller bei einer ad hoc angesetzten Pressekonferenz, und so steht es auch in der später verbreiteten gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Stuttgart und des Polizeipräsidiums Aalen, am Sonntagvormittag gegen 10 Uhr also wurde der Polizei mitgeteilt, dass ein 36 Jahre alter Tatverdächtiger womöglich seine Ex-Freundin sowie deren Tochter getötet habe. Die Nachricht soll von einer weiteren Bewohnerin des Hauses gekommen sein, in dem die Frau zusammen mit ihrer Tochter lebte.

Die Polizei rückt aus, nimmt die Örtlichkeit in Augenschein und entdeckt die 41 Jahre alte Frau und deren neunjährige Tochter. Für beide kam jede Hilfe zu spät, sagt Möller. Die Frau, so Bürgermeister Wörner, kannte eigentlich jeder, eine nette Frau. Und das Mädchen besuchte wohl die dritte Klasse der Grundschule.

Die Polizei geht von einer Beziehungstat aus und leitet am frühen Nachmittag die Öffentlichkeitsfahndung ein: Bei dem 36 Jahre alten Tatverdächtigen handelt es sich um einen Deutschen, der vermutlich mit einem roten Opel Astra mit dem amtlichen Kennzeichen VAI SH 99 unterwegs ist. Über seinen Aufenthaltsort ist zu diesem Zeitpunkt nichts bekannt.

Der Mann soll polizeilich bislang nicht in Erscheinung getreten sein, sagt Möller auf Nachfrage. Auch dass der Gesuchte tatsächlich wohl aus dem Ludwigsburger Raum stammen dürfte, wie das Kennzeichen VAI für Vaihingen an der Enz vermuten lässt, will der Polizeipräsident aus Aalen so nicht bestätigen. Ob der Mann also in dieser Richtung unterwegs ist, muss offen bleiben. Die Kriminalpolizei hat die Todesfallermittlungen in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart, die auch vor Ort vertreten ist, aufgenommen. Es befanden sich neben Kräften der Kriminalpolizei einige Streifenwagenbesatzungen sowie ein Polizeihubschrauber im Einsatz.

Unterdessen treffen vor Ort Spezialkräfte der Kripo ein, die sich in weißen Overalls Richtung Tatort begeben und die Spurensuche aufnehmen. Was genau ist in der Nacht vorgefallen? Gibt es Hinweise auf die Tatwaffe? Gibt es Informationen zum Motiv für die Tat? Möller verneint: Man könne nichts Genaues sagen, solange die Kriminaltechnik ihre Untersuchungen nicht abgeschlossen hat. So ist denn auch der genaue Tatzeitpunkt bislang nicht bekannt.

Polizeisprecher Holger Bienert bestätigt später aber, dass polizeiliche Maßnahmen im benachbarten Landkreis Ludwigsburg getroffen wurden.

Letztlich dann die Nachricht: Der 36-jährige Deutsche hat gegen 16 Uhr das Polizeirevier Böckingen im Landkreis Heilbronn selbst aufgesucht und sich gestellt. – Die Ermittlungen dauern an.

Spezialisten der Kriminalpolizei machen sich daran, den Tatort nach Spuren zu untersuchen.

© Benjamin Beytekin

Spezialisten der Kriminalpolizei machen sich daran, den Tatort nach Spuren zu untersuchen.

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Erstellt:
22. Juni 2020, 06:00 Uhr

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