Unfälle
Nach Zugunglück: Kran stürzt auf Schnellstraße bei Bangkok
Der Schock nach der Zugkatastrophe in Thailand sitzt noch tief, da stürzt schon wieder ein Baukran um. Diesmal trifft es eine Schnellstraße. Zwei Menschen sterben. Jetzt reagiert die Regierung.
© Arnun Chonmahatrakool/AP/dpa
Bereits zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden ist es in Thailand zu einem tödlichen Unglück mit einem Baukran gekommen.
Von dpa
Bangkok - Nur einen Tag nach dem tödlichen Zugunglück in Thailand durch einen herabstürzenden Baukran ist es nahe Bangkok erneut zu einem ähnlichen Unfall gekommen. Zwei Menschen kamen ums Leben und fünf weitere wurden verletzt, als ein Baukran am Morgen (Ortszeit) in Samut Sakhon plötzlich auf eine Schnellstraße stürzte. Teile des Stahlgerüsts hätten zwei Autos getroffen, zitierte die Zeitung "Bangkok Post" die Polizei.
Der Kran sei für den Bau einer Schnellstraßenbrücke eingesetzt worden, hieß es. Die Schnellstraße Rama 2 ist eine Hauptverkehrsader, die Bangkok mit dem Süden des Landes verbindet. Sie wird auch von Urlaubern gern genutzt, um etwa den Badeort Hua Hin zu erreichen. Was das neuerliche Unglück - das zweite in nur 24 Stunden - auslöste, ist bisher unklar.
Es war nicht der erste schwere Unfall auf der vielbefahrenen Strecke, über der gerade eine Express-Hochstraße entsteht: Im März vergangenen Jahres war bereits ein im Bau befindlicher Pfeiler zusammengebrochen und auf die Straße gestürzt. Sechs Menschen - darunter vor allem Arbeiter - kamen ums Leben, viele weitere wurden verletzt.
Suche nach Vermissten abgebrochen
Erst am Mittwoch war in der Provinz Nakhon Ratchasima, etwa 230 Kilometer nordöstlich von Bangkok, ein Baukran auf einen vollbesetzten Zug gestürzt, der daraufhin entgleiste und teilweise Feuer fing. Mindestens 32 Menschen kamen ums Leben, mehr als 60 weitere wurden teilweise schwer verletzt.
Die Suche nach drei noch vermissten Personen sei abgebrochen worden, berichteten Medien unter Berufung auf die Einsatzkräfte. Es seien lediglich Leichenfragmente geborgen worden, die zur forensischen Identifizierung eingeschickt worden seien.
Baufirmen vorgeladen
Die Ermittlungen zur Unglücksursache laufen derweil auf Hochtouren. Die Polizei sammle Beweise und habe Vertreter zweier beteiligter Baufirmen zur Vernehmung vorgeladen, betonte die Polizei. Bislang sei aber noch keine Anklage erhoben worden.
Der riesige Kran war für den Bau einer Eisenbahnbrücke für die thailändisch-chinesische Hochgeschwindigkeitsstrecke (HGV) eingesetzt worden, die Thailand in Zukunft über Laos mit China verbinden soll. Das Projekt ist Teil der riesigen chinesischen Infrastrukturinitiative "Neue Seidenstraße".
Die Bergung der völlig zerstörten Waggons gestaltete sich weiter als schwierig. Die wichtige Bahnstrecke in Richtung Nordosten von Thailand ist derzeit blockiert. Zahlreiche Züge mussten umgeleitet werden.
Minister ordnet Baustopp an
Thailands Verkehrsminister Phiphat Ratchakitprakarn hat derweil einen sofortigen Baustopp für alle Hochstraßen- und Hochbahnprojekte im Land angeordnet. Die Maßnahme gelte bis zu einer umfassenden Überprüfung der Sicherheitsstandards auf den Baustellen, sagte der Minister in einem Fernsehinterview. Phiphat kündigte für den Nachmittag ein Treffen mit allen beteiligten Bauunternehmen an, um über zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu beraten.
Der Präsident des thailändischen Verbands der Bauingenieure, Amorn Pimanmas, verwies auf unterschiedliche Ursachen der beiden Unglücke. Beim Schnellstraßen-Projekt sei der Kran in der Mitte V-förmig gebrochen, was auf fehlerhafte Bolzen oder Mängel bei der Montage hindeute. Beim Unfall auf der Bahnbaustelle habe dagegen die Kranbasis nachgegeben. Beide Vorfälle zeigten jedoch gravierende Defizite bei den Sicherheitsstandards großer Infrastrukturprojekte, die dringend behoben werden müssten.
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Zwei Menschen sind ums Leben gekommen, mehrere weitere wurden verletzt, als der Baukran auf eine Schnellstraße stürzte.
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Die Schnellstraße ist eine wichtige Hauptverkehrsader.
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Bei dem schweren Zugunglück kamen mindestens 32 Menschen ums Leben.
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Die Bergungsarbeiten nach dem Zugunglück gestalteten sich als schwierig.
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Der Passagierzug wurde von dem Kran voll erfasst.
