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Nachbar blockiert neues Restaurant

Andreas Brunold verbietet dem Bauherrn, ein Gerüst auf sein Grundstück zu stellen – Joe Peñas soll im Frühjahr eröffnen

Eigentlich wollte Heinz Lochmann das neue Joe Peñas am Murrufer schon im Herbst eröffnen, doch daraus wurde nichts. Jetzt peilt der Investor das nächste Frühjahr an, doch auch diese Prognose erscheint optimistisch. Denn Andreas Brunold, dem zwei Nachbarhäuser gehören, will das mexikanische Restaurant unbedingt verhindern. Deshalb untersagt er dem Bauherrn, ein Gerüst auf seinem Grundstück aufzustellen.

Heinz Lochmann und seine Tochter Lara halten an ihren Plänen fest. Archivfoto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Heinz Lochmann und seine Tochter Lara halten an ihren Plänen fest. Archivfoto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Wenn in Backnang in Flussnähe gebaut werden soll, ist Andreas Brunold in der Regel nicht weit. Der Professor, der im Vorstand der BUND-Ortsgruppe Backnanger Bucht sitzt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Stadtverwaltung Verstöße beim Hochwasserschutz nachzuweisen. Das ist ihm auch schon gelungen, zuletzt beim Bau des neuen Annonaygartens (wir berichteten).

Insofern ist es keine Überraschung, dass Brunold auch bei Heinz Lochmanns neuem Projekt auf den Plan tritt. Der Inhaber der Traumpalast-Kinos hat direkt neben der Aspacher Brücke ein denkmalgeschütztes Gebäude gekauft und saniert. Die fünf Mietwohnungen in den oberen Geschossen sind bereits fertig, im Erdgeschoss und einem Anbau plant Lochmann ein Restaurant. Pächter soll die Joe-Peñas-Kette werden, die mexikanische Küche anbietet und bereits in Schorndorf, Esslingen und Leonberg Mieter in Lochmanns Immobilien ist.

Diesmal tritt Andreas Brunold allerdings nicht als BUND-Vorstand auf, sondern als Nachbar. Denn er ist Teil einer Erbengemeinschaft, der die beiden angrenzenden Gebäude gehören. Auch seine 95-jährige Mutter wohnt im Nachbarhaus. Der ehemalige Stadtrat lässt keinen Zweifel daran, dass er das geplante Lokal um jeden Preis verhindern will. Denn er befürchtet Beeinträchtigungen durch Lärm, Gerüche und Verkehr. „Wieso sollen Bürger geschädigt werden, die seit Jahrzehnten hier wohnen?“, fragt Brunold, der erreichen will, dass anstelle des Restaurants wieder ein Ladengeschäft ins Erdgeschoss zieht.

Umstrittene Befreiungen

vom Bebauungsplan

Die Baugenehmigung, die Heinz Lochmann Mitte Oktober erhalten hat, hat der streitbare Professor deshalb genau studiert und meint dort gravierende Fehler gefunden zu haben. Die im Bebauungsplan festgelegte Baugrenze werde massiv überschritten und sogar im fünf Meter breiten Gewässerrandstreifen gebaut. „Dort besteht absolutes Bauverbot“, sagt Brunold. Außerdem wehrt er sich dagegen, dass der Müllplatz des Lokals direkt an der Grenze zu seinem Grundstück entstehen soll. „Da kommen doch die Ratten“, schimpft Brunold. Dass der Investor die zehn geforderten Stellplätze im Windmüller-Parkhaus nachweisen darf, missfällt dem Nachbarn ebenfalls: „Das ist viel zu weit weg. Die Leute werden nicht dort parken.“ Brunolds Fazit: „Das ganze Ding ist eine Fehlplanung.“ Deshalb hat er zusammen mit seiner Mutter Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt. Die Entscheidung liegt nun beim Regierungspräsidium in Stuttgart. Auch eine Petition beim Landtag hat Brunold eingereicht.

Der Widerspruch habe aber keine aufschiebende Wirkung, betont Helmut Wagner. Der Leiter des Backnanger Baurechtsamts räumt ein, dass man den Bauherrn von einigen Vorgaben des Bebauungsplans befreit habe. Das komme aber immer wieder vor und sei sachlich begründet. So sei etwa die Überschreitung der Baugrenze „vertretbar“, weil der geplante Anbau nur einstöckig sei. Für die wegfallende Überflutungsfläche müsse der Bauherr einen Ausgleich nachweisen und die erforderlichen zehn Stellplätze seien im Baulastenbuch eingetragen worden. Insofern sei alles rechtmäßig und der Investor habe einen Anspruch auf die Baugenehmigung.

Eine besondere Belastung für die Nachbarn kann der Amtsleiter nicht erkennen. Schließlich sei die Bewirtschaftung im Außenbereich auf 22 Uhr begrenzt und die Abluft aus der Küche werde über das Dach abgeführt. „Wir befinden uns im Kerngebiet. Wenn dort kein Restaurant zulässig sein soll, wo denn dann?“, fragt Wagner.

Andreas Brunold wird das nicht überzeugen. Er will notfalls vor Gericht ziehen und blockiert das Projekt aktuell, indem er ein Betretungsverbot für sein Grundstück ausgesprochen hat. Dort will der Bauherr nämlich ein Gerüst aufstellen. „Es geht nicht anders, weil der Anbau bis zur Grundstücksgrenze reicht“, erklärt Architekt Hardy Kögel. Brunold hat ihm aber bereits eine schriftliche Absage geschickt. Heinz Lochmann will das sogenannte Leiterrecht jetzt vor Gericht einklagen, was sein Projekt aber weiter verzögern dürfte.

Trotzdem ist der Eigentümer von neun Kinos und zahlreichen Immobilien optimistisch, dass das Joe Peñas im Frühjahr eröffnen kann. Sobald die Baufreigabe erteilt ist, rechnet er mit etwa vier Monaten Bauzeit. „Ich zahle jeden Preis, damit wir so schnell wie möglich fertig werden“, kündigt der Traumpalast-Chef an. Die Auseinandersetzung mit Andreas Brunold scheue er nicht, erklärt der Investor: „Wenn ich mit diesem Projekt scheitern würde, hieße es, dass er recht behält, und das kann nicht sein.“

Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes in der Schillerstraße ist schon weit fortgeschritten. Jetzt fehlt noch der einstöckige Anbau, in dem ein Teil des mexikanischen Restaurants Platz finden soll. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes in der Schillerstraße ist schon weit fortgeschritten. Jetzt fehlt noch der einstöckige Anbau, in dem ein Teil des mexikanischen Restaurants Platz finden soll. Foto: A. Becher

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Erstellt:
22. November 2018, 06:00 Uhr

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