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Nato: Vorerst keine Truppenreduzierung in Afghanistan

dpa Brüssel. Was kaum jemand weiß: Der von den USA angestrebte Deal mit den Taliban sollte auch für die deutsche Truppenpräsenz in Afghanistan erhebliche Konsequenzen haben. Ist es besser, dass er vorerst nicht zustande kommt?

Die Bundeswehr beteiligt sich mit bis zu 1300 Soldaten an einem Ausbildungseinsatz in Afghanistan. Foto: Maurizio Gambarini

Die Bundeswehr beteiligt sich mit bis zu 1300 Soldaten an einem Ausbildungseinsatz in Afghanistan. Foto: Maurizio Gambarini

Für die deutschen Soldaten in Afghanistan hat das vorläufige Ende der US-Gespräche mit den Taliban größere Auswirkungen als bislang bekannt.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war vorgesehen, dass im Zuge eines Abkommens mit den radikalislamischen Aufständischen nicht nur die USA, sondern auch alle anderen Nato-Partner ihre Truppenpräsenz in Afghanistan deutlich reduzieren.

Hätten die USA zum Beispiel 30 Prozent ihrer Soldaten aus der Nato-Mission „Resolute Support“ abgezogen, hätten demnach auch Deutschland und andere Bündnispartner bis zu 30 Prozent ihrer Soldaten verlegt.

Die Bundeswehr beteiligt sich derzeit mit bis zu 1300 Soldaten an dem Ausbildungseinsatz für die Sicherheitskräfte der afghanischen Regierung. Diese Zahl hätte damit künftig wieder auf unter 1000 sinken können.

Ob die Planungen für eine Truppenreduzierung nach dem Abbruch der Gespräche durch US-Präsident Donald Trump vollständig aufgegeben werden, war bis zuletzt unklar. „Der Schwerpunkt unseres Interesses liegt momentan auf der Durchführung der Präsidentschaftswahlen in Afghanistan am kommenden Wochenende“, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Mittwoch in Berlin. „Wir wollen unser Engagement gemeinsam mit den USA fortsetzen und - wenn die Voraussetzungen gegeben sind - auch gemeinsam beenden.“

Trump hatte vor rund zwei Wochen gesagt, er betrachte die Verhandlungen mit den Taliban als „tot“. Kurz zuvor war erneut ein US-Soldat bei einem Autobombenanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul ums Leben gekommen.

Sowohl die USA als auch die Taliban hatten sich bis dato nach monatelangen Verhandlungen eigentlich zuversichtlich gezeigt, eine Einigung erreichen zu können, um den fast 18 Jahre dauernden Konflikt in Afghanistan politisch zu lösen.

Trump hatte bereits angekündigt, die Zahl der US-Truppen in dem Land solle im Fall eines Deals in einem ersten Schritt auf 8600 verringert werden. Nach Angaben des US-Sondergesandten für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, hätten die US-Streitkräfte innerhalb von 135 Tagen rund 5000 Soldaten von fünf Stützpunkten abgezogen.

Zurzeit sind schätzungsweise zwischen 13.000 und 14.000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert. Bis zu 8475 davon waren zuletzt an dem Nato-Ausbildungseinsatz beteiligt. Der Rest unterstützt unter anderem an der Seite der afghanischen Streitkräfte direkt den Anti-Terror-Kampf im Land.

Die Reduzierung der Nato-Truppen war vor allem als konstruktiver Beitrag zum Friedensprozess und als Zeichen des guten Willens an die Taliban gedacht. Diese sehen die internationalen Soldaten im Land als Besatzungskräfte an und weigern sich bislang, direkte Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung aufzunehmen. Letztere wird von den Aufständischen als Marionette des Westens angesehen.

Die exakte Zahl der deutschen Soldaten, die im Fall eines Deals abgezogen worden wären, war noch nicht bekannt. Nach Angaben aus Militärkreisen hätte die faktische Reduzierungsquote am Ende auch unter 20 Prozent liegen können. Dies liegt daran, dass die Mandatsobergrenze von 1300 Soldaten derzeit nicht ausgeschöpft wird. Vor Ort waren zuletzt rund 1180 deutsche Soldaten.

Begonnen hatte der derzeitige Konflikt in Afghanistan 2001 nach den Al-Kaida-Angriffen in New York und Washington. Damals hatten die USA mit internationaler Unterstützung eine Militärintervention gestartet, um die Taliban von der Macht in dem Land zu vertreiben, weil diese Al-Kaida-Chef Osama bin Laden beherbergt hatten.

In der Nato wird der Abbruch der US-Gespräche mit den Taliban unterdessen nicht nur negativ gesehen. Dort war unter anderem befürchtet worden, dass es im Fall eines schnellen Truppenabzugs wieder zu einer Destabilisierung des Landes und zu Rückschritten bei Demokratie und Menschenrechten kommen könnte. Als einer der Hauptgründe für das starke US-Engagement für einen Deal galt nämlich, dass US-Präsident Trump seinen Wählern versprochen hat, möglichst schnell viele amerikanische Soldaten nach Hause zu holen.

Der oberste Nato-Diplomat in Afghanistan versicherte den afghanischen Sicherheitskräften in einem am Mittwoch veröffentlichten Video, dass die Allianz sie nicht im Stich lassen will. Die Nato werde weiter sicherstellen, dass Afghanistan nicht von internationalen Terroristen als Basis genutzt werden könne, sagte Botschafter Sir Nicholas Kay. Ein Beitrag dazu sei auch, die afghanischen Truppen so auszubilden, dass sie die für Samstag geplante Präsidentenwahl sichern können.

An dem Nato-Einsatz zur Ausbildung der regierungstreuen Streitkräfte in Afghanistan waren zuletzt bis zu 17.150 Soldaten beteiligt. Neben den Truppen aus Deutschland und den USA zählten dazu zum Beispiel 1100 Soldaten aus Großbritannien und knapp 900 aus Italien. Die Resolute Support Mission (RSM) hatte Anfang 2015 die langjährige Vorgängermission ISAF abgelöst. Unter dem ISAF-Mandat hatten Nato-Soldaten in Afghanistan auch gekämpft - unter dem RSM-Mandat dürfen sie nur noch „trainieren, assistieren und beraten“. Beim Einsatz in Afghanistan sind bisher 58 deutsche Soldaten gestorben, die US-Streitkräfte zählen bereits rund 2400 Opfer.

Soldaten der Bundeswehr im Feldlager von Kundus. Foto: Kay Nietfeld/Arcjhiv

Soldaten der Bundeswehr im Feldlager von Kundus. Foto: Kay Nietfeld/Arcjhiv

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Erstellt:
25. September 2019, 15:43 Uhr

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