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Natur erleben – Gott begegnen

„Kirche im Grünen“ sind schöne Alternativen zu Gottesdiensten in Kirchengebäuden, bei denen es immer noch Einschränkungen gibt. Der Murrhardter Pfarrer Achim Bellmann kann auf dem Hof der Familie Sailer in Hinterbüchelberg viele Gläubige begrüßen.

Ein mit Kreuz, Ähren und Sonnenblumen geschmückter Altar und liebevoll gebundene Sommersträuße geben selbst dem schlichten Alltagsraum eine festliche Note. Und Pfarrer Achim Bellmann freut sich über Menschen aus den unterschiedlichen Ortsteilen. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Ein mit Kreuz, Ähren und Sonnenblumen geschmückter Altar und liebevoll gebundene Sommersträuße geben selbst dem schlichten Alltagsraum eine festliche Note. Und Pfarrer Achim Bellmann freut sich über Menschen aus den unterschiedlichen Ortsteilen. Fotos: J. Fiedler

Von Uta Rohrmann

MURRHARDT/BACKNANG. Singen verboten, zwei Meter Abstand, Plätze begrenzt, Anwesenheitsliste vorgeschrieben – Gottesdienste in Kirchengebäuden sind nach wie vor erheblichen Einschränkungen unterworfen. Gerade jetzt in der Sommerzeit liegt nahe, was viele Gemeinden tun: Wenn irgend möglich treffen sich die Gläubigen auf dem Hof vor der Kirche, im Pfarrgarten oder im örtlichen Park, wo das Ansteckungsrisiko weitaus geringer ist. Doch auch unabhängig von Corona: Gottesdienste unter freiem Himmel erfreuen sich großer Beliebtheit – auch bei Menschen, die Kirchen sonst eher meiden. „Kirche im Grünen“ gab es am Sonntag gleich an drei Orten im Raum Backnang und Murrhardt: von evangelischer Seite in Maubach am Place de Vernosc und im Murrhardter Ortsteil Hinterbüchelberg sowie ein ökumenisch gestaltetes Treffen auf dem Kirschenhardthof in Burgstetten.

Rund 1000 Freiluftangebote macht die württembergische Landeskirche jährlich, davon etwa 800 Gottesdienste im Grünen, schätzt Landesreferent Diakon Markus Munzinger – übrigens nicht nur im Sommer: „Die Saison beginnt an Ostern und dauert zunächst bis Oktober. Im November ist Pause, und im Dezember bis zum 6. Januar gibt es auch Gottesdienste im Freien, wie zum Beispiel Waldweihnacht.“

Die klassische Kirche im Grünen findet an beliebten Ausflugszielen statt – wie dem Monte Scherbelino in Stuttgart, am Ebnisee oder im Mainhardter Wald. Coronabedingt seien dieses Jahr etwa ein Drittel der ursprünglich geplanten Freiluftgottesdienste abgesagt worden, so Munzinger. Doch oft werden andere Möglichkeiten genutzt – ein Beispiel dafür ist die Kirchengemeinde Waldrems-Maubach-Heiningen, wo der Gottesdienst eigentlich in der Waldremser Dorfmitte im Rahmen des Biegelfestes, das nicht stattfinden konnte, geplant war und dann kurzfristig nach Maubach verlegt wurde.

Die Gläubigen wünschen sich auch Gottesdienste für Familien oder zur Begleitung in den Ferien.

Auch im katholischen Bereich sind Gottesdienste unter freiem Himmel im Kommen. Neben den klassischen Wallfahrten und Pilgerangeboten hätten Gottesdienste in Gärten und Kapellen eine gewisse Tradition, sagt Dekanatsreferent Marcel Dagenbach. „In fast jeder Seelsorgeeinheit gibt es zumindest einmal im Jahr einen Gottesdienst im Freien.“ Zunehmend gewünscht seien Gottesdienste für Familien, etwa zur Begleitung in die Ferien oder zum Schulstart, wie am 20. September im Römerkastell in Welzheim oder am 27. September auf dem Martinushof in Rudersberg.

Es war vor 20 Jahren, als die damalige Murrhardter Pfarrerin Engels mit ihrer Idee, einen Gottesdienst im Grünen zu veranstalten, auf Familie Sailer zukam, erinnert sich Beate Sailer aus Hinterbüchelberg. Auf dem großzügigen Grundstück inmitten idyllischer Natur versammelten sich seither immer wieder Menschen zum Gottesdienst und anschließendem geselligem Beisammensein. Ein Plus ist auch die Wetterunabhängigkeit: Bei Regen bietet die Feldscheuer ein Dach über dem Kopf, denn die Rinder sind im Sommer auf der Weide. „Findet das wieder statt? Ist doch schön, da freuen wir uns!“ Mit solchen Worten kämen auch Leute auf sie zu, die sonst nicht in die Kirche gingen, erzählt Beate Sailer, deren Gastfreundschaft nicht vor der Haustür endet. Denn jeden fünften Sonntag im Monat findet im Wohnzimmer von Beate und Traugott Sailer ein Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde Murrhardt statt, zudem an zwei Sonntagnachmittagen im Monat eine Bibelstunde der landeskirchlichen Hahn’schen Gemeinschaft, der die Familie dazu gehört.

Der Gottesdienst im Grünen beginnt – ausschlaffreundlich – um 11 Uhr. Die Veranstalter haben dem guten Wetter nicht ganz getraut und die Biergarnituren und Stühle vorsichtshalber in der nach zwei Seiten geöffneten Scheune aufgestellt. Ein mit Kreuz, Ähren und Sonnenblumen geschmückter Altar und liebevoll gebundene Sommersträuße geben dem schlichten Alltagsraum eine festliche Note. Es duftet nach den frischen Heuballen, die an einer Seite sauber bis nach oben aufgestapelt sind. „Ganz Murrhardt ist versammelt!“, freut sich Pfarrer Achim Bellmann in seiner Begrüßung über die Menschen aus den unterschiedlichen Ortsteilen. Auffallend ist auch, dass alle Generationen vertreten sind. Der jüngste Gottesdienstteilnehmer, Phileas Brehmer, ist anderthalb Jahre alt und kommt aus Welzheim, wo seine Mama Pfarrerin ist. Er findet vor allem die Kühe toll, die im Gottesdienst auch mal zu hören sind – an durchaus passender Stelle mit einem zustimmenden „Muh!“, nach dem Lied „Himmel, Erde, Luft und Meer“, in dem die Schöpfung bestaunt und der Schöpfer angebetet wird. Phileas’ Papa Jörg war jahrelang gemeinsam mit Traugott Sailer im Murrhardter Kirchengemeinderat – so ist die Verbundenheit mit den Gastgebern für die Familie Brehmer ein guter Grund, zu dem Freiluftgottesdienst nach Hinterbüchelberg zu fahren.

Ehepaar Schmidt-Lawrenz aus Murrhardt ist bereits 80 und 81 Jahre alt und körperlich in keiner guten Verfassung. So sind sie dankbar, eine Mitfahrgelegenheit bekommen zu haben. Solange sie konnten, haben sie früher auch an den Hausgottesdiensten bei Sailers teilgenommen – inzwischen besuchen sie nach Möglichkeit noch die Murrhardter Stadtkirche. Familie Sittart wohnt dagegen direkt in Hinterbüchelberg. Auch als Katholiken freuen sie sich über diese besondere Gottesdienstmöglichkeit direkt am Ort.

Unter der Leitung von Gottfried Mayer spielt der Murrhardter Posaunenchor draußen vor der Scheune alte und neue Lieder über Schöpfer und Schöpfung. Auch die Predigt ist etwas Besonderes. Sie stammt von verschiedenen Verfassern und legt in Reimform die Schöpfungsgeschichte aus. Der zeitliche Rahmen, über den erzählt wird, bewegt sich von Beginn der Geschichte bis in die heutige Auseinandersetzung mit Corona. Schwerpunkt ist dabei die Bestimmung des Menschen, als Ebenbild Gottes die Erde zu bebauen und zu bewahren, sein Versagen, das sich beispielsweise in Umweltzerstörung und Missachtung von Menschenrechten zeigt, aber auch die Chance, neue und kreative Möglichkeiten der Lebensgestaltung zu finden.

Bereits nach einer Dreiviertelstunde ist der Gottesdienst zu Ende. Das Wetter hält und so folgen viele der Einladung, Mitgebrachtes auf den Grill zu legen, wo das Feuer bereits brennt. Man begegnet sich, tauscht sich aus, junge Leute haben ein Wurfspiel aufgebaut. Gottesdienst im Grünen? Gerne wieder!

Während des Gottesdienstes brennt im Hintergrund schon der Grill. Wer möchte, der kann Mitgebrachtes auf den Rost legen.

© Jörg Fiedler

Während des Gottesdienstes brennt im Hintergrund schon der Grill. Wer möchte, der kann Mitgebrachtes auf den Rost legen.

Waldbaden mit Impuls

Ein besonderes Erlebnis bietet die Kirche im Grünen am kommenden Sonntag, 9. August, von 17 bis 19 Uhr am Ebnisee an: Natur neu erleben –Waldbaden Shinri yoku, Treffpunkt: Wanderparkplatz Kaisersbach. Förster Ulrich Seeger zeigt den Teilnehmern die Fauna und Flora. Das Waldbaden endet mit einem geistlichen Impuls. Mitbringen: Getränke, Sitzunterlage, dem Wetter angepasste Kleidung. Anzahl: Maximal 15 Personen. Die Veranstaltung ist kostenlos. Weitere Informationen und Anmeldung bei Markus Munzinger, Telefon 0152/33774952, oder per E-Mail an Markus.Munzinger@elk-wue.de.

Der nächste Gottesdienst im Grünen im Raum Backnang findet am 30. August um 10 Uhr in der Kiesgrube zwischen Steinbach und Sachsenweiler (bei Regen in der Petruskirche Sachsenweiler) statt. Anmeldung ist nicht erforderlich.

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Erstellt:
3. August 2020, 06:00 Uhr

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