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Naturschutz kann auch schmecken

Angelsportverein Kirchberg veranstaltet Workshop: 30 Jugendliche fangen zahlreiche amerikanische Signalkrebse in der Murr

In der Murr leben Krebse, die ausgestreckt in voller Pracht bis zu 25 Zentimeter lang werden können. Essen kann man sie, und wer Krebse mag, wird sie mögen. Der amerikanische Signalkrebs, der sich seit Jahren in unseren Gewässern breitmacht, ist allerdings eine sogenannte „invasive Art“ – er wurde irgendwann eingeschleppt und verdrängt nun die einheimischen Arten.

Beim Kochen der Krebse wechselt die unattraktive schlammbraune Farbe der Panzer in ein kräftiges orangerot und sieht appetitlich aus. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Beim Kochen der Krebse wechselt die unattraktive schlammbraune Farbe der Panzer in ein kräftiges orangerot und sieht appetitlich aus. Fotos: A. Becher

Von Simone Schneider-Seebeck

KIRCHBERG AN DER MURR. Am vergangenen Samstag konnten an der Murr unterhalb von Kirchberg kleinere Grüppchen von Jugendlichen beobachtet werden, die eifrig mit Angeln beschäftigt waren. Der Angelsportverein Kirchberg hatte für die Fischereijugend des Landesfischereiverbands Baden-Württemberg den Workshop Krebsfischen initiiert. Etwa 30 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren waren mit ihren Jugendleitern angereist, etwa aus Künzelsau, Leimen-St. Ilgen und aus Benningen am Neckar, um einen Teil der Invasoren aus dem Fluss zu fischen.

Neben dem Vorsitzenden des ASV Kirchberg, Vlado Pajurin, waren auch die Vizepräsidentin des Landesfischereiverbands, Bettina Narr, sowie der Jugendleiter des LFVBW, Martin Gall, vor Ort. Gall hatte das Krebsfischen mit organisiert. Zunächst wurden die Angelscheine geprüft. Denn auch für das Krebsfischen ist eine Erlaubnis nötig. Wird man ohne Schein dabei erwischt, drohen aufgrund von Wilderei, Verstoß gegen das Lebensmittelrecht und weiterer Punkte empfindliche Geldbußen.

Schließlich verteilten sich die Grüppchen strategisch geschickt am Murrufer und legten los. An sogenannten Senkstöcken, die bis zu vier Meter ausgefahren werden können, werden die Krebsteller befestigt. Das sind Netze, die durch Rahmen stabil gehalten werden und beim Hochziehen eine Art Korb bilden.

Frischer Fisch dient als Köder und sitzt in der Mitte des Krebstellers

Die Tierchen sind größer als erwartet. Der Panzer glänzt olivbraun, die Unterseite der Scheren leuchtet rot und es sind blaue Punkte zu sehen, das Merkmal der amerikanischen Signalkrebse.

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Tierchen sind größer als erwartet. Der Panzer glänzt olivbraun, die Unterseite der Scheren leuchtet rot und es sind blaue Punkte zu sehen, das Merkmal der amerikanischen Signalkrebse.

In der Mitte des Krebstellers wird der Köder platziert – frischer Fisch. Gar nicht so leicht, den Krebsteller ins Wasser zu schwingen, denn die Konstruktion ist überraschend schwer. Sobald die Netze im Wasser sind, heißt es warten. Vom Ufer ist nicht zu erkennen, ob sich ein Krebs vom Futter angezogen fühlt. Alle paar Minuten sollte daher der Krebsteller hochgezogen und gecheckt werden.

Hauptsächlich Jungs sind dabei, doch „die Frauen sind im Kommen“, freut sich Vizepräsidentin Narr. „Besonders bei den Jugendgruppen merkt man, dass immer mehr Mädchen den Weg zum Angeln finden.“ Da scheint der ASV Leimen-St. Ilgen beispielhaft zu sein. In der Jugendgruppe sind drei Jungs und drei Mädchen aktiv und beim Krebsfischen an diesem Tag ist der 14-jährige Robin sogar der Hahn im Korb.

Essen die jungen Angler eigentlich auch so gern Fisch, wie sie beim Angeln eifrig dabei sind? Selina (12) lacht: „Bei uns isst nur meine Mutter gern Fisch.“ Dafür freuen sich dann die anderen Angler über die Beute, die weitergegeben wird. Selina ist über ihren Vater Rainer zum Angelsport gekommen, er ist der Jugendwart des ASV St. Ilgen. Leider ist das Wetter am Samstag nicht so optimal. Es ist kühl und bewölkt und zwischendurch nieselt es etwas. Dieses Wetter gefällt den Krebsen auch nicht so recht und so dauert es eine Weile, bis der erste Schrei ertönt: „Wir haben einen!“ Man merkt – sobald der erste Krebs im Netz ist, wird der Eifer erst so richtig angestachelt. Immer wieder ertönen Rufe wie „Wir haben schon zwei, wie viele habt ihr?“. Die gefangenen Krebse müssen aber zuerst mal aus dem Netz in den wartenden Eimer gesetzt werden.

Packt man sie mit zwei Fingern hinter den Scheren, kann gar nichts passieren. Aber das Zugreifen kostet erst einmal etwas Überwindung. Manche Krebse haben nur eine große Schere, die zweite ist klein und sieht verkümmert aus. Die wurde beim Kampf verloren und wächst nun nach, ist die Erklärung. Je mehr Krebse gefangen werden, desto eifriger werden die Kinder. Insgesamt gute zwei Stunden wird gefangen und langweilig war es den Jungfischern ganz sicher nicht.

Die nächste Station sind nun die beiden Seen des Angelsportvereins Kirchberg. Hier haben Vereinsmitglieder schon eine Stärkung vorbereitet und besonders im Blick ist der große Kochtopf. Denn der doch ganz beachtliche Fang soll zum Abschluss verzehrt werden. Die erste Ladung wird im kochenden Wasser versenkt und nach sechs Minuten sind die Krebse gegart. Die eher unattraktive schlammbraune Farbe der Panzer ist nun kräftig orangerot und sieht recht appetitlich aus. Wie kleine Hummer. Etwas abkühlen lassen und dann geht es ans Auspulen. Schade eigentlich – nur die Schwanzmuskeln und die Muskeln in den Scheren sind essbar. Und um da heranzukommen, ist einiges an Arbeit notwendig. Mit Dip oder etwas Zitrone schmeckt das zarte weiß-rote Fleisch delikat für den Krebsliebhaber. Vor den Jugendlichen sammeln sich bald die Panzerberge. Selina aus Leimen und ihren Angelkollegen Tamika (14), Chyda (12) und Robin hat der Tag bisher sehr gut gefallen und vor allem das Auspulen macht ihnen großen Spaß. „Für die Verwertung bin aber ich zuständig“, lacht Selinas Vater und Jugendwart Rainer.

Den Abschluss des erfolgreichen Workshops bildet ein Vortrag des Krebsspezialisten Achim Mägerle über den amerikanischen „Usurpator“. Auch wenn der Workshop nur ein Tropfen auf den heißen Stein war, um den heimischen Flusskrebs zu retten – viele Tropfen geben auch eine schöne Menge.

Info
Pasta mit Krebsfleisch

Vlado Pajurin, Vorsitzender des Angelsportvereins (ASV) Kirchberg, verrät sein Lieblingsrezept: Oliven mit Rosmarin und Knoblauch erhitzen, das gegarte Krebsfleisch darin erhitzen und alles mit frischer Pasta vermischen.

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Erstellt:
15. Juli 2019, 06:00 Uhr

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