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Negativzinsen schmälern das Ergebnis

Volksbank Backnang bleibt auf Wachstumskurs – Investitionen in digitale Technik, aber auch in die Geschäftsstellen

Es sind keine einfachen Zeiten für eine regionale Bank: Das traditionelle Filialgeschäft verliert an Bedeutung, die Digitalisierung erfordert hohe Investitionen und die Zinsen sind weiterhin im Keller. Trotzdem präsentierte der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Backnang, Jürgen Beerkircher, gestern erfreuliche Geschäftszahlen. Das Gesamtkundenvolumen ist im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent gewachsen.

Die Vorstandsmitglieder Jürgen Beerkircher und Jürgen Schwab (von links) im Kundendialogcenter Murrhardt. Hier nehmen die Mitarbeiterinnen bis zu 500 Anrufe am Tag entgegen. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Die Vorstandsmitglieder Jürgen Beerkircher und Jürgen Schwab (von links) im Kundendialogcenter Murrhardt. Hier nehmen die Mitarbeiterinnen bis zu 500 Anrufe am Tag entgegen. Foto: J. Fiedler

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Sowohl bei der Kreditvergabe als auch bei den Kundeneinlagen konnte die Volksbank Backnang im Jahr 2019 kräftig zulegen (siehe Infobox). Beim Kreditgeschäft profitierte die Bank dabei vor allem von der regen Bautätigkeit. „Die Dynamik hält an. Man sieht in der Region viele Kräne“, freut sich Jürgen Beerkircher. Das zeigt sich auch in einem boomenden Immobiliengeschäft: „Hier könnten wir noch deutlich mehr verkaufen, wenn es genügend Angebote gäbe.“

Das Wachstum bei den Kundeneinlagen sieht der Bankchef hingegen mit gemischten Gefühlen: „Einerseits freut es uns natürlich, dass die Kunden uns vertrauen, andererseits parken immer noch sehr viele ihr Geld in kurzfristigen Anlageformen“, erklärt Beerkircher. Das wird für die Bank zusehends zum Problem, weil sie für ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank Negativzinsen bezahlen muss, diese bisher aber nicht an ihre Kunden weitergibt. „Das reduziert unsere Marge“, sagt Beerkircher. Das Plus beim Gewinn fällt deshalb vergleichsweise mager aus: Die Volksbank beendet das Geschäftsjahr mit einem Betriebsergebnis von 15,8 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 14,8 Millionen.

Keine Strafzinsen für Privatkunden, aber vielleicht für Unternehmen

Trotzdem will die Genossenschaftsbank von Privatkunden auch künftig keine Strafzinsen verlangen. Für gewerbliche Kunden mit großen Vermögen könnte es allerdings bald so weit sein: „Wir denken darüber nach“, erklärt der Bankchef. Viel lieber wäre es dem Vorstandsvorsitzenden allerdings, wenn sich mehr Kunden für andere Anlageformen wie Fonds oder Aktien entscheiden würden. Davon hätte die Bank mehr und die Kunden in den meisten Fällen auch: „Langfristig war eine Geldanlage in Aktienfonds nie falsch“, erklärt Beerkircher. Allerdings könne man die Kunden zu einer Wertpapieranlage nicht überreden, sondern nur mit Argumenten überzeugen.

Auch deshalb spielt die Beratung bei der Volksbank Backnang weiterhin eine wichtige Rolle. Allerdings findet diese immer seltener am Bankschalter statt. Die Frequenz in den Filialen geht laut Beerkircher pro Jahr um rund zehn Prozent zurück. Gleichzeitig kontaktieren immer mehr Kunden ihre Bank per Telefon, E-Mail oder App. Darauf muss die Volksbank reagieren.

Das tut sie, indem sie zum Beispiel ihr Kundendialogcenter in Murrhardt erweitert. Die Mitarbeiter dort sind inzwischen so geschult, dass sie Standardgeschäfte bis hin zur Bewilligung eines Autokredits komplett am Telefon erledigen können. Das entlastet wiederum die Mitarbeiter in den Filialen, die dadurch mehr Zeit für komplexere Beratungen, etwa bei Baufinanzierungen, haben.

Filialschließungen sind zurzeit kein Thema

Jürgen Beerkircher geht davon aus, dass künftig noch wesentlich mehr Bankgeschäfte online erledigt werden, auch Beratungen per Video sind bei der Volksbank ein Thema. Damit verbunden seien allerdings erhebliche Investitionen in die Technik. An ihren 17 Filialen will das Kreditinstitut dennoch festhalten. Einige, darunter auch die Hauptstelle in der Backnanger Schillerstraße, sollen in diesem Jahr modernisiert werden.

Schließungen seien derzeit nicht geplant, erklärt Jürgen Beerkircher. Allerdings werde man „das Kundenverhalten weiterhin sensibel betrachten“. In den vergangenen Jahren hatte die Volksbank Backnang bereits drei kleine Filialen in Murrhardt, Fornsbach und Kleinaspach geschlossen und durch Automatenstandorte ersetzt sowie in einigen Geschäftsstellen die Öffnungszeiten reduziert.

Trotz dieser Entwicklungen ist das Geschäftsmodell der regionalen Genossenschaftsbanken für Jürgen Beerkircher keineswegs überholt. Unter jungen Leuten gewinne Regionalität sogar wieder an Bedeutung: „Wir treffen den Nerv der Zeit“, glaubt der Vorstandsvorsitzende. Allerdings müsse man sich auf die geänderten Kundenwünsche einstellen: Deshalb bietet die Volksbank inzwischen etwa Beratungstermine bis 20 Uhr abends an. Beerkircher: „Heute entscheidet der Kunde, wie er zu seiner Bank kommen möchte, und nicht wir.“

Die Volksbank Backnang in Zahlen Gesamtkundenvolumen2018: 3,56 Mrd. Euro2019: 3,92 Mrd. Euro Bilanzsumme2018: 1,86 Mrd. Euro2019: 2,02 Mrd. Euro Kundeneinlagen2018:1,39 Mrd. Euro2019: 1,53 Mrd. Euro Kundenausleihungen2018: 1,42 Mrd. Euro2019: 1,52 Mrd. Euro Mitglieder2018: 45.3692019: 46.119

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Erstellt:
30. Januar 2020, 06:00 Uhr

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