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Neuer Platz für Wochenmarkt gesucht

Marktbeschicker in Unterweissach und Gemeinderäte diskutieren – Rentabilität für Stände nicht mehr gesichert

Der Wochenmarkt in Unterweissach soll an einen neuen Standort verlegt und in seiner Attraktivität gestärkt werden. Unklar ist zurzeit aber noch, wohin: Sollen die Stände, die bislang immer freitags auf der Fläche zwischen Rathaus und Kirche stehen, auf den Marktplatz umziehen oder eher auf das ehemalige HL-Gelände in der Welzheimer Straße?

Der Weissacher Wochenmarkt findet seit Jahren immer freitags auf dem Platz hinter dem Rathaus statt. Er fristet dort allerdings, so der Eindruck der Marktbeschicker, ein Schattendasein, weil er dort kaum wahrnehmbar bleibt. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Der Weissacher Wochenmarkt findet seit Jahren immer freitags auf dem Platz hinter dem Rathaus statt. Er fristet dort allerdings, so der Eindruck der Marktbeschicker, ein Schattendasein, weil er dort kaum wahrnehmbar bleibt. Foto: J. Fiedler

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Anlass zu den Überlegungen gibt die Entwicklung des Marktgeschehens. Von Schwund ist die Rede, auch von einer Tendenz, dass der Ortskern verödet, wie Irmgard Hestler, Vorsitzende der SPD-Gemeinderatsfraktion, erklärt. Denn das Einkaufsgeschehen verlagert sich mit der Reaktivierung der Rombold-Brache und den Geschäften, die sich dort inzwischen versammelt haben, zusehends hinaus aus der Ortsmitte. Dorthin, wo die Konsumenten zwei Supermärkte, einen Drogeriemarkt, Apotheken, Ärzte und andere Gesundheitsdienstleister sowie weitere Geschäfte finden. Diese Konzentration in der äußeren Welzheimer Straße zehrt aber am Ortskern. Schon vor einiger Zeit hatte beispielsweise Bäckereichef Trefz senior darauf aufmerksam gemacht. Eindringlich warnte er vor einem Ausbluten der Backnanger und der Forststraße und forderte ein Gegensteuern.

Zu spüren bekommt den Trend auch der Wochenmarkt, der zunehmend ein Schattendasein führt – und dies nicht zuletzt auch wegen seiner Lage: Er befindet sich an einem von der Ortsdurchfahrt her kaum wahrnehmbaren, publikumsabgewandten Platz. Dort fällt es den Marktbeschickern schwer, neue Kunden zu gewinnen, die das altersbedingte Ausbleiben der treuen Stammkundschaft ausgleichen würden, wie etwa Silke Beck vom Obst- und Eierhof Bollinger sagt. Mithin schwindet die Rentabilität. „Wenn es so weitergeht“, warnt auch Wilhelm König, Fraktionsvorsitzender der UBL, „ist es das Ende vom Markt.“

Wechsel auf den Marktplatz wird schon seit Längerem diskutiert

Ein Wechsel hin auf den eigentlichen Marktplatz wurde schon im Kommunalwahlkampf vor einem Jahr diskutiert. Es handelt sich dabei primär um die Fläche zwischen dem Café Longobucco und dem Brüdenbach. Auch der Bereich vor dem neuen Domizil der Kreissparkasse gehört, zumindest dem Straßennamen nach, noch dazu. In die Überlegungen einbezogen wurde überdies der Bereich vor dem Rathaus am Bach.

Für SPD-Sprecherin Hestler ist wichtig, den Ortskern zu beleben. Unterweissach sei von alters her eine Marktgemeinde, ruft sie in Erinnerung, und anfangs, als der Wochenmarkt in der Ära von Bürgermeister Rainer Deuschle wiederbelebt wurde, sei das auch eine schöne Sache mit relativ vielen Marktbeschickern gewesen. Jetzt drohen aber Stände wegzubrechen. „Der Markt sollte auf dem Markt sein“, fordert sie und regt zugleich an, das Angebot wieder zu verbreitern und den Markt attraktiver zu machen, beispielsweise durch einen Fischstand als Frequenzbringer. Im Wieslauftal gebe es doch einen Anbieter.

Einen anderen Standort favorisiert König. Er vertritt die Auffassung, dass der Parkplatz auf dem Gelände des ehemaligen HL-Markts geeigneter wäre. Da der Wochenmarkt dort nicht die ganze Fläche in Anspruch nähme – und das ohnedies nur für einige Stunden –, blieben auch noch einige Stellplätze übrig. Außerdem könnte der Wochenmarkt an diesem Platz quasi als Brücke zu Aldi, Rossmann und all den anderen Geschäften dienen – was dann zugleich hoffen lasse, dass künftig auch wieder mehr Leben in Richtung Ortsmitte kommt. Das sei schließlich das Ziel der Ortskernsanierung, bei der die Welzheimer Straße eine zentrale Rolle spielt.

Königs Plädoyer deckt sich mit den Erwartungen, die Silke Beck aus Sicht der Marktbeschicker ausspricht. „Die Unterweissacher sind tolle Kunden. Aber wir beleben mit ein paar Stunden Markt den Ortskern nicht“, sagt sie skeptisch. „Es geht steil bergab, es rechnet sich nicht mehr“, weist sie auf die Dringlichkeit von Veränderungen hin und macht zugleich deutlich: „Ein Markt lebt von der Aura.“ An den Ständen entlanggehen zu können, spreche die Leute an.

Die Unterweissacherin sieht die Zukunft des örtlichen Wochenmarkts auf dem HL-Standort. Dort werde das Angebot wahrgenommen, dort seien neue Kunden zu gewinnen, und dort könne man auch weitere Beschicker zu einem Engagement motivieren.

Wochenmarkt bietet den Charme eines kleinen Dorfes

„Die Stände gehören zusammen, sie bilden ein kleines Dorf“, schildert sie, was ihrer Meinung nach den Reiz eines Wochenmarkts ausmacht. Aber die Fläche vor dem Café Longobucco reiche nicht einmal aus, um den Stand, an dem sie selbst arbeitet, in seiner stattlichen Länge und Tiefe unterzubringen. Im Gegenteil: Womöglich ginge das auch auf Kosten der Außenbewirtschaftung des Cafés. Und das Marktgeschehen in zwei Teilbereiche aufzusplitten – diesseits und jenseits des Brüdenbachs –, lehnt sie ab.

Eine Belebung des Markts wünschen sich auch die anderen Ratsmitglieder, die das Thema neulich im Verwaltungs- und Umweltausschuss diskutierten. „Je früher, desto besser“, sagt auch Bürgermeister Ian Schölzel. Zugleich kamen Fragen nach den möglichen Kosten für die Gemeinde auf, wenn sie Leitungen und Anschlüsse bereitstellen muss. Fraglich scheint auch, ob bei einer Verlegung aufs HL-Gelände tatsächlich noch Stellplätze verfügbar blieben. Zudem will die Gemeinde dort auch im Rahmen ihrer E-Mobilitätskonzeption Ladesäulen errichten, und auch eine Station für Radfahrer ist anvisiert. Und überhaupt: Ist es denn sinnvoll, wie Carl Höfer (CDU/FWV) überlegt, den Wochenmarkt jetzt schon dorthin zu verlegen, wenn in absehbarer Zeit auch die Sanierungsmaßnahmen in der Welzheimer Straße mit den damit verbundenen Baustellen anlaufen? Wobei die ganzen Arbeiten sich, wie Schölzel schätzt, zwei, drei Jahre hinziehen – was für die Marktbeschicker eine gewisse Erschwernis bringen dürfte.

Das wiederum sieht Holger Kugler (UBL) als unproblematisch an. Wenn sich der Wochenmarkt erst einmal in der Welzheimer Straße etabliert hat und die große Baustelle kommt, dann könne man ein kurzfristiges Ausweichen im Nahbereich verkraften. „Das kriegen wir hin.“

Letzten Endes verständigte sich das Gremium darauf, dass die Gemeindeverwaltung beide Lösungen gemeinsam mit den Marktbeschickern prüfen soll. Bürgermeister Schölzel fasste dies so zusammen: „Uns allen ist der Markt in Unterweissach wichtig. Wir wollen dafür kämpfen, dass er bleibt.“

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Erstellt:
25. März 2020, 06:00 Uhr

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