Bundeswehr

Neuer Wehrdienst: So läuft die Musterung ab

Ab Januar 2026 erhalten junge Männer einen Pflicht-Fragebogen zur Wehrdienstbereitschaft. Ab 2028 kommt die verpflichtende Musterung. Wozu sie dient und wie sie abläuft.

Ab 2028 sollen alle 18-jährigen Männer zu einer verpflichtenden Musterung.

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Ab 2028 sollen alle 18-jährigen Männer zu einer verpflichtenden Musterung.

Von Jelena Maier

Der neue Wehrdienst kommt: Es ist ein Rechtsrahmen, der eine Wehrerfassung junger Männer einführt. Zunächst wird aber auf Freiwilligkeit und einen attraktiveren Dienst, zum Beispiel durch einen höheren Sold, gesetzt.

Zielgruppe des neuen Wehrdienstmodells sind junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Ab Januar 2026 erhalten alle männlichen Jugendlichen ab dem Geburtsjahrgang 2008 einen verpflichtenden Fragebogen, in dem sie Angaben zu ihrer Wehrdienstbereitschaft und persönlichen Daten machen müssen. Für Frauen ist die Teilnahme an der Befragung freiwillig.

Ab 2028 ist die Musterung verpflichtend

Abgefragt werden soll dabei das Interesse am Dienst in der Bundeswehr. Geeignete Kandidaten werden dann zur Musterung eingeladen. Bei falschen Angaben im Fragebogen oder zur Gesundheit sowie beim Nichtausfüllen kann es rechtliche Konsequenzen geben.

Ab 2028 sollen dann alle 18-jährigen Männer zu einer verpflichtenden Musterung - auch wenn sie sich gegen den freiwilligen Wehrdienst entscheiden. Ziel ist es nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium, eine Einschätzung über die gesundheitliche Eignung deutscher Männer im wehrfähigen Alter zu erstellen.

Denn im Spannungs- oder Verteidigungsfall würde die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht nach aktueller Rechtslage automatisch wieder in Kraft treten.

Was passiert bei einer Musterung und wie läuft sie ab?

Für die Bundeswehr ist die Musterung das Instrument, um die geistige und körperliche Tauglichkeit eines möglichen Soldaten für den Wehrdienst festzustellen. Die Musterung ist nur ein Schritt zur Erfassung potenziellen Personals, keine Verpflichtung zum Dienst selbst.

Die Kandidaten erhalten bei der Musterung einen Fragebogen zur ihrer Gesundheit, Lebensweise und Motivation. Außerdem werden darin eventuell vorhandene Qualifikationen abgefragt, die für einen Einsatz bei der Bundeswehr bedeutend sein könnten: Sprachen gehören ebenso dazu wie IT-Kenntnisse.

Kandidaten müssen verschiedene Checks machen

Anschließend beginnt die medizinische Untersuchung. Zu den Untersuchungen gehören etwa:

  • Allgemeinuntersuchung: Größe, Gewicht, Blutdruck, Puls, Sicht, Hörvermögen
  • Blut- & Urintests: Gesundheitswerte, ggf. Drogenkontrolle
  • Internistische Checks: Herz, Lunge, Kreislauf
  • Orthopädische Checks: Haltung, Gelenke, Wirbelsäule
  • Impfstatus: Kontrolle, ob alle Schutzimpfungen vorhanden sind

Besonders, wenn es Hinweise auf psychische Vorerkrankungen oder Bedenken gibt, kann es auch ein psychologisches Gespräch geben.

Abschluss der Musterung und Tauglichkeitsgrade

Im Rahmen der Musterung unterscheidet die Bundeswehr zwischen den Tauglichkeitsgraden ‚wehrdienstfähig‘, ‚vorübergehend nicht wehrdienstfähig‘ und ‚nicht wehrdienstfähig‘.

Zudem wird die Wehrdienstfähigkeit weiter unterteilt in ‚voll verwendungsfähig‘ (T1) und ‚eingeschränkt verwendungsfähig für bestimmte Tätigkeiten‘ (T2).

Einer vorübergehenden Ausmusterung kommt der Tauglichkeitsgrad „T4“ bei der Musterung gleich. Er wird beispielsweise an Leute vergeben, bei denen aufgrund eines kürzlich erlittenen Unfalls die weitere gesundheitliche Entwicklung offen bleibt.

„T5“ bedeutet eine dauerhafte Ausmusterung. Sie gilt unbefristet – es wird also kein weiterer Wehrdienst erwartet oder später nachgeprüft.

Bundeswehr braucht 80.000 Soldaten mehr

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zeigt sich zuversichtlich, dass sein Wehrdienstmodell – gestützt auf Erfahrungen aus anderen Ländern und begleitende Maßnahmen – ausreichend attraktiv ist, um viele junge Männer und Frauen zur freiwilligen Teilnahme zu bewegen.

Die Bundeswehr benötigt etwa 80.000 zusätzliche, aktive Soldaten. Denn die Nato hält für Deutschland eine Größenordnung von 260.000 Männern und Frauen in der stehenden Truppe für erforderlich, um einem Angriff etwa Russlands standzuhalten.

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Erstellt:
29. August 2025, 13:04 Uhr

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