Neues Freizeitangebot für Oberweissach?

Auf dem Spielplatz Kammerhofweg in Oberweissach müssten Geräte ausgetauscht werden. Die Gemeindeverwaltung hat nun einen Vorschlag in den Gemeinderat eingebracht, wonach stattdessen ein ganzes Naherholungsgebiet mit Spielorten entstehen könnte. Doch das ist nicht günstig.

Der geplante „Auenpark“ geht über den reinen Spielplatz hinaus. Angedacht sind Erlebniswege und Freiluft-Lernräume. Visualisierung: Roosplan

Der geplante „Auenpark“ geht über den reinen Spielplatz hinaus. Angedacht sind Erlebniswege und Freiluft-Lernräume. Visualisierung: Roosplan

Von Melanie Maier

Weissach im Tal. Warum nur Spielgeräte austauschen, wenn man stattdessen einen Naturpark mit Bach-Erlebnis-Weg, einem Schulbauernhof und naturnahem Spielplatz bauen kann? Oberweissach könnte 2022 zu einem Anziehungspunkt für Familien mit kleinen und großen Kindern aus dem Täle und darüber hinaus werden, falls umgesetzt werden sollte, was der Gemeindeverwaltung vorschwebt. „Auenpark“ heißt das Konzept, das Bürgermeister Ian Schölzel im Kopf hat und von dem Planungsbüro Roosplan aus Backnang ausgearbeitet wurde.

Die Idee kam auf, nachdem bei einer Kontrolle festgestellt worden war, dass das Gerät „Schiff“ auf dem Spielplatz Kammerhofweg in Oberweissach nicht mehr verkehrssicher war und abgebaut werden musste. Da allein für die Beschaffung eines adäquaten Ersatzes zwischen 80000 und 100000 Euro anfallen würden und noch weitere Spielgeräte ersetzt werden müssten, rechnet die Verwaltung damit, dass für die Spielplatzsanierung ungefähr 150000 Euro anfallen würden. Anlass genug, um die bisherige Planung im Bereich Pfotschwiesen, gegenüber dem Spielplatz, zu überdenken. Dort sollten die siedlungsnahen Bereiche ohnehin aufgewertet werden. Nun eben vielleicht eine Nummer größer.

Einen ersten Konzeptentwurf des „Auenparks“ haben der Roosplan-Geschäftsführer Jochen Roos und der Landschaftsarchitekt Daniel Bok in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgestellt. Die Fläche von rund zwei Hektar wollen die Planer grob in sechs Gebiete aufteilen. In einem sogenannten Sukzessionsgebiet soll die Natur sich selbst entwickeln, berichtet Bok. Trampelpfade, Steine, Totholz – die Fläche soll davon geformt werden, wo gespielt wird, ansonsten aber sich selbst überlassen werden. Auch eine Grillfläche könnte geschaffen werden.

Von der Sukzessionsfläche soll ein Bach-Erlebnis-Weg Richtung Kindergarten und Ganztagsgrundschule führen. Er soll den Däfernbach für die Besucher erlebbar machen, etwa mit Trittfelsen oder Pumpen. Dem Gemeinderat ist es schon lange ein Anliegen, die Gemeindebäche zugänglicher zu machen. Würde der „Auenpark“ realisiert werden, könnte der Däfernbach ein Stück weit renaturiert und auch nahbarer gemacht werden.

An den Bach-Erlebnis-Weg sollen sich eine Biotop-Fläche und ein naturnaher Spielplatz mit Bolzplatz anschließen. Denn auch genügend Spiel- und Kletterelemente sollen im „Auenpark“ vorhanden sein. Die Planer waren bereits mit der Leitung des Kindergartens Oberweissach und der Naturparkschule in Kontakt. Sie seien von der Idee begeistert, berichtete Bürgermeister Schölzel. Beide sollen direkten Zugang zu den Spielflächen und den Lernangeboten an der frischen Luft bekommen. Der geplante Schulbauernhof, in dem unter anderem Hühner ein Zuhause finden könnten, soll hinter der Grundschule entstehen.

Was die Finanzierung angeht, hätte sich die Verwaltung – zu dem Zeitpunkt noch im Hinblick auf die Aufwertung des Spielplatzes – bereits um Fördermittel bemüht, so Schölzel. „Wir sind in der Förderkulisse drin.“ Die Bruttogesamtkosten für den „Auenpark“ liegen nach den Berechnungen der Firma Roosplan bei rund 689000 Euro. Vom Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald könnte mit Zuschüssen in Höhe von 265980 Euro gerechnet werden, vom Landschaftspark Region Stuttgart sei eine maximale Kofinanzierung von 263700 Euro zu erwarten – diese ist allerdings höchstens so hoch wie der Betrag, den die Kommune selbst für das Projekt aufwendet.

Schölzel sprach sich für den „Auenpark“ aus. „Wir wollen etwas ganz, ganz Tolles schaffen“, betonte der Rathauschef. „Und 150000 bis 180000 Euro müssten wir sowieso in die Erneuerung des Spielplatzes investieren.“ Auch die Nutzung der Flächen wäre kein Problem: „Sie gehören teils dem Hochwasserverband, teils der Gemeinde.“

Die Gemeinderäte zeigten sich angetan von dem Entwurf. Dietmar Schönberger (SPD) gefiel vor allem die Chance, den Bach zu renaturieren, sowie die Entwicklung von der „wilden“ Sukzessionsfläche hin zum „gezähmten“ Schulbauernhof. Er würde den Park gerne umgesetzt sehen, sagte er: „Ich finde den Ansatz toll.“ Luciano Longobucco (LWB) schloss sich ihm an: „Wenn das so kommt, dann ist das sicher ein Hotspot für Kinder aus dem ganzen Täle.“ Gleichzeitig äußerten die beiden auch Bedenken. Zum einen darüber, wie viele Fördergelder am Ende wirklich bereitstehen (Schönberger: „Das ist natürlich ein Mords-Wumms!“), zum anderen, wie es mit der Instandhaltung aussieht. Da zumindest konnte Jochen Roos abwiegeln. Der naturnahe Spielplatz müsste bewirtschaftet werden wie der bestehende Spielplatz auch – also vom Tüv überprüft und regelmäßig von Bauhofmitarbeitern gemäht werden. Zusätzliche Kosten würden keine entstehen, da bei den Gebieten am Bach die natürliche Entwicklung in den Vordergrund gestellt werden würde.

Carl Höfer (CDU/FWV) machte darauf aufmerksam, dass der Naturpark sicher nicht nur von den Oberweissachern genutzt würde. „Auch wenn der Spielplatz naturnah sein soll – da werden sicher viele mit dem Auto anreisen“, sagte er und erkundigte sich nach Parkmöglichkeiten sowie Sanitärräumlichkeiten. An einem Ort, an dem sich die Leute einen ganzen Tag aufhalten könnten, müsste es eine Toilette geben. Wie sich der Bau von Sanitäranlagen und vielleicht neuen Parkplätzen finanziell auswirken würde, darüber machte sich Thomas Heller (UBL) Gedanken. „Da kommen sicher nicht nur 150000 Euro, sondern 400000 bis 500000 Euro auf uns zu – dessen müssen wir uns auch bewusst sein“, mutmaßte er.

Bei der Abstimmung enthielt sich Heller. Die anderen Gemeinderäte stimmten dafür, den Plan weiter auszuarbeiten. Ein „Los!“ für den „Auenpark“ war das zwar noch nicht, doch es sieht nicht schlecht aus für das attraktive neue Freizeitangebot in Oberweissach. Die Gemeindeverwaltung hat nun den Auftrag erhalten, sich mit den beteiligten Behörden zu besprechen und den Plan den Fördergeldgebern vorzulegen, um herauszufinden, wie viele Mittel am Ende bereitstehen. Nach der Sommerpause soll der „Auenpark“ dem Gemeinderat erneut zur Abstimmung vorgelegt werden. Darauf könnte schon die Ausschreibung der Gewerbe folgen. Das Ziel sei es, den Park bis September oder Oktober 2022 in Betrieb zu nehmen, erklärte Schölzel.

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Erstellt:
17. Juli 2021, 06:00 Uhr

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