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Neustart, Neubau und fordernder Alltag

Haus Hohenstein gehört neben drei weiteren Pflegeheimen in Murrhardt und Umgebung nun zur Doreafamilie. Einrichtungsleiter Jörg Kronmüller ist sich der wechselvollen Geschichte des Hauses bewusst und berichtet von den künftigen Zielmarken.

Der Neubau des Auguste-Haid-Hauses (Mitte) ist schon weit fortgeschritten. Im ersten Quartal 2021 soll er bezugsfertig sein. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Der Neubau des Auguste-Haid-Hauses (Mitte) ist schon weit fortgeschritten. Im ersten Quartal 2021 soll er bezugsfertig sein. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Als Jörg Kronmüller im April als neuer Pflegedienstleiter – es wurde nach langfristiger Krankheit jemand gesucht – ins Haus Hohenstein kam, befand sich die Coronapandemie in einer Hochphase, und in Pflegeeinrichtungen waren besondere Vorsicht und Schutzmaßnahmen geboten – auch wenn dies natürlich weiterhin ein Thema bleiben wird. „Ich habe die Mitarbeiter erst mal nur mit Maske kennengelernt“, erzählt er. Kronmüller bringt sechs Jahre Erfahrung in der Pflegedienstleitung mit, zuletzt war er in einem Heim in diakonischer Trägerschaft in Rosengarten-Vohrenstein tätig und suchte eine neue Herausforderung. Unerwartet gestaltete sich die als eine in doppelter Hinsicht. Denn als klar wurde, dass die Einrichtungsleitung durch den Weggang des Stelleninhabers neu besetzt werden musste, hat ihm die Dorea GmbH diese Position angeboten. Da Jörg Kronmüller im Vorfeld bereits eng mit der Leitung zusammengearbeitet und auch einen Trägerwechsel begleitet hatte, konnte er sich dies gut vorstellen und schlug ein.

Er weiß um die Umbrüche im und für das Haus in den vergangenen Jahren. Die Stichworte sind Zahlungsunfähigkeit des Pflegeheims, damals noch unter der Regie der anthroposophisch ausgerichteten Christengemeinschaft, Insolvenzverfahren 2014 und Übernahme durch den stationären Murrhardter Pflegedienstleister, der neben dem damaligen „Seniorenhaus Hohenstein“ die Einrichtungen „Eulenhöfle“ in Murrhardt, das „Rottaler Senioren- und Pflegeheim“ in Oberrot sowie das „Seniorenhaus Lautertal“ in Sulzbach an der Murr betrieb.

Die vier Häuser wurden dann vor rund zwei Jahren mit einem Zwischenschritt an den bundesweit aufgestellten Pflegedienstleister Dorea verkauft und übernommen (wir berichteten). Während dieser Wechsel befand sich das Haus Hohenstein in einem umfangreichen Neubau- und Sanierungsprozess, der auch noch nicht abgeschlossen ist und den nun Jörg Kronmüller mit zu begleiten hat. Das Pflegeheim umfasst neben dem Neubau am Fuße der Einrichtung, Haus Raphael, das Haus Brücke (betreutes Wohnen) und Haus Clara sowie das Auguste-Haid-Haus, das bis aufs Untergeschoss abgerissen und nun neu aufgebaut wird. Hintergrund ist die gesetzliche Vorgabe, dass es in der Pflege im Wesentlichen nur noch Einzelzimmer geben darf. „Der Rohbau ist abgeschlossen, nun sind die Fensterbauer da und der Innenausbau startet“, berichtet Kronmüller. Zudem ist die Anbindung der Infrastruktur – Wasser, Abwasser und Strom – zu regeln. Die Dorea GmbH hat für das Großprojekt eine spezifische Konstruktion: Der Neubau wird von der Murrhardt Care Immobilien I GmbH&Co. KG gestemmt, die gleichsam Eigentümer ist und das Haus wiederum an den Pflegedienstleister verpachtet.

Nach Umzug der Bewohner in andere Häuser und Platzreduktion betreut das Haus Hohenstein zurzeit 64 Menschen, berichtet der Leiter. Nach Fertigstellung des Neubaus werden es 98 Pflegeplätze sein. Im ersten Quartal 2021 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und diejenigen, die nun in Haus Clara untergekommen sind, in den Neubau umziehen, sodass auch dort Sanierungen in Angriff genommen werden können. Es sollen auch weitere Einheiten fürs betreute Wohnen hinzukommen.

Entlassungen habe es im Zuge der Übernahme nicht gegeben, so Kronmüller. Zurzeit umfasse das Pflegeteam ungefähr 30 Kräfte (nicht alle Vollzeit). Aber sobald der Neubau bezogen wird, braucht man wieder mehr Mitarbeiter und somit bleibt die Suche von Pflegekräften ein Thema. Die Dorea GmbH ist ein Pflegedienstleister, der 2015 gegründet wurde, und seither etliche Häuser übernommen hat. Mittlerweile betreut er rund 8300 Senioren und zeichnet für 77 stationäre und zehn ambulante Einrichtungen verantwortlich. Zur generellen Sorge außenstehender Beobachter, dass bei dieser Aufgabe vor allem die Wirtschaftlichkeit und weniger der Mensch im Mittelpunkt steht, sagt Jörg Kronmüller: „Wir vor Ort wollen einfach gute Pflege machen.“

Es sei klar, dass sich ein Unternehmen an der Wirtschaftlichkeit orientiere, aber „man kann wirtschaftlich nur erfolgreich sein, wenn es an der Basis stimmt“. Er persönlich hofft, nun auch mitgestalten zu können, sei es Erleichterungen in verwaltungstechnischer Hinsicht durch eine einheitlich Pflege- und Dokumentationssoftware oder durch die regionale Vernetzung mit den drei anderen Häusern in der Umgebung zu schaffen. „Beispielsweise haben wir uns vor dem Hintergrund von Corona auch personell gegenseitig ausgeholfen“.

Dorea habe außerdem einen klar definierten Wertekanon: Die Stichworte sind hier fundiert, freudvoll, familiär, selbstbestimmt, erlebnisreich und großzügig. „Zwei sind für mich ganz besonders wichtig“, sagt der Einrichtungsleiter. Dies ist zum einen die fundierte Ausbildung, sodass die Mitarbeiter auf dem neusten Stand sind und ihre Arbeit gut leisten können, zum anderen eine möglichst große Selbstbestimmung der Bewohner. Dazu gehöre, dass diese nicht in ein starres Regelwerk für den Tagesablauf gepresst werden. Als weitere Beispiele nennt er die Zimmergestaltung und Senioren, in Absprache mit beruflichen Betreuern, auch mit einem kleinen Geldbetrag ausstatten zu können, wenn sie außerhalb unterwegs sind.

Nicht einfacher wird die Situation bei der Betreuung von Bewohnern mit Demenzerkrankung. Aber: „Wir sind eine integrative Einrichtung, das heißt, es gibt keinen Extrabereich, worüber ich froh bin“, sagt der 40-Jährige. Im Zentrum stehen die Wohngruppen, in denen ganz verschiedene, in der Regel 15 Menschen zusammenleben, und dadurch eine gewisse gegenseitige Unterstützung erfolge beziehungsweise die Gemeinschaft Alltagsprobleme bis zu einem gewissen Grad auffangen könne, so die Grundidee. Kronmüller ist bewusst, dass die Herausforderungen nicht kleiner werden. In der Einrichtung leben mittlerweile Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen. Das Stichwort lautet hier kultursensible Pflege. Nach seinem Wechsel in die Leitungsposition im Juli ist auch die Nachfolge klar: Die kommissarische Pflegedienstleitung hat nun Silvia Paurean inne, nach einer entsprechenden Weiterbildung übernimmt sie diese Position dann offiziell. Neu ist zudem, dass Yvonne Deutsch sich je zur Hälfte um die Praxisanleitung sowie ums Qualitätsmanagement kümmert und dies für sie vom Pflegedienst komplett entkoppelt ist.

Weiterhin heißt es, den Alltag vor dem Hintergrund der Coronapandemie zu stemmen. Einen Fall in der Einrichtung gab es bisher nicht, so Kronmüller. Anfang Juni seien alle Bewohner und Mitarbeiter getestet worden. Wer aus dem Krankenhaus ins Haus Hohenstein kommt oder neu aufgenommen wird, muss allerdings 14 Tage in Quarantäne, sprich im Zimmer bleiben.

Und die Besuchssituation? Als ersten Schritt hat das Haus ermöglicht, dass Bewohner ihre Angehörigen außerhalb oder im Foyer sehen konnten. Dafür wurden drei Tische mit einer Plexiglasscheibe in der Mitte aufgestellt. Mittlerweile können nach Absprache auch wieder Besuche im Zimmer stattfinden. „Es gibt ja auch Menschen, die nicht mehr aufstehen können. Für jemand, der zuvor täglich Besuch bekam, war das Wegbrechen dieser Kontakte natürlich einschneidend“, sagt Kronmüller. All das sei mit Fingerspitzengefühl zu handeln, beispielsweise gebe es auch die Situation, wenn jemand im Sterben liegt. Bedingung für den Besuch ist natürlich, dass ein Mund-Nasen-Schutz getragen wird. Es habe Fälle gegeben, bei denen dies verweigert worden sei. „Aktuell ist das aber kein Thema mehr.“ Unterstützt wird das Leitungsteam außerdem mit einer zweiwöchentlichen Coronasprechstunde, bei der Alltagsprobleme und präventive Fragen geklärt werden können.

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Erstellt:
7. September 2020, 06:00 Uhr

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