Nilüfer Keskin ist Busfahrerin des Jahres

Ihren tonnenschweren Omnibus hat sie zur Preisverleihung souverän vor dem Rathaus rückwärts eingeparkt.

Nilüfer Keskin ist zur Busfahrerin des Jahres im VVS gekürt worden.  Foto: R. Steinemann

© Ralph Steinemann Pressefoto

Nilüfer Keskin ist zur Busfahrerin des Jahres im VVS gekürt worden. Foto: R. Steinemann

Von Heike Rommel

Schorndorf. Sie fährt gerne Auto, hat ihr Hobby Fahren vor zwölf Jahren zum Beruf gemacht und wurde jetzt vor dem Schorndorfer Rathaus zur Busfahrerin des Jahres 2021 im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) gekürt: Nilüfer Keskin kennt ihre Fahrgäste und legt Wert auf einen kurzen Austausch mit ihnen im Bus, den sie auf insgesamt acht Linien, unter anderem auf der Linie 247, richtig gut durch Urbach, Schorndorf, Plüderhausen und Berglen bis nach Plochingen steuert.

Nilüfer Keskin gehört zu den Menschen, die nicht viel Aufhebens darum machen, was sie jeden Tag in ihrem Job leisten. Sie hat ein gutes Verhältnis zu ihren Fahrgästen und bringt diese auch in Coronazeiten pünktlich und sicher ans Ziel. Das viele Fahren und Sitzen gleicht die 41-Jährige Schorndorferin mit schwimmen, joggen und Fitnesstraining aus. Die Nutzer ihres Omnibusses werden also von einer ziemlich fitten Frau gefahren, die Wert auf ihre äußere Erscheinung legt. Auch die siebenjährige Tochter kann stolz auf ihre Mutter sein, denn die Mitschüler finden Nilüfer Keskin einfach cool.

„Mein Beruf ist jeden Tag eine Herausforderung für mich“, erzählt die Busfahrerin aus ihrem Arbeitsalltag beim Omnibusunternehmen Fischle. Sie kam mit ihrem tonnenschweren Bus und ihrem Chef, dem Fischle-Geschäftsführer Ralf Steinmetz, zwischen zwei Schichten vor das Schorndorfer Rathaus angefahren. Dann parkte sie souverän rückwärts ein, um sich ihre Lobeshymnen vom VVS-Geschäftsführer Horst Stammler und von Oberbürgermeister Matthias Klopfer abzuholen. Überreicht wurden ihr ein VVS-Wimpel, eine Urkunde und ein Einkaufsgutschein im Wert von 200 Euro für Schorndorfer Geschäfte. Von Fahrgästen wurde Nilüfer Keskin so gut bewertet, dass die VVS-Jury sie zur besten Busfahrerin des Rems-Murr-Kreises gekürt hat. Überrascht über ihren ersten Platz war sie nicht, denn sie weiß, dass ihre Fahrgäste sie mögen. „Ich muss sagen, im Bereich Schorndorf sind ziemlich viele Fahrgäste superlieb“, sagte sie. Ihre Motivation formulierte sie so: „Ich muss sagen, wenn ich in der heutigen Zeit ein Lächeln ins Gesicht der Menschen zaubern kann, ist das mein Tagesticket.“

Mit den Worten von Schorndorfs OB Matthias Klopfer gesprochen, ist Nilüfer Keskin nun das Aushängeschild für ihre Berufsgruppe. Horst Stammler freute sich, dass beim 18. Jahreswettbewerb eine Frau den Titel bekommen hat. Eine, die sehr gut logisch denken könne und die Gabe habe, jeden Tag einen Omnibus ohne Verspätungen gefühlvoll um die vielen Kreisel und durch die engen Straßen Schorndorfs zu manövrieren.

Bis in die 80er-Jahre, so Stammler, habe es noch gar keine Bus- und Straßenbahnfahrerinnen gegeben und er hoffe, dass Nilüfer Keskin auch noch die nächsten 30 Jahre Omnibus fährt. Ihr Chef Ralf Steinmetz stellte fest: „Sie kann richtig gut fahren, Chapeau.“ Sozialkompetenz im Umgang mit den Fahrgästen zeichnet die Busfahrerin des Jahres im Übrigen auch noch aus. Über sie meckert keiner und es gibt auch keinen, den sie nicht durch die Coronatrennscheibe grüßt. Fahrgästen zu helfen, wenn sie mit dem Kinderwagen oder mit dem Rollstuhl kommen, und dann auch noch den Fahrplan präzise einzuhalten ist die große Kunst, die Nilüfer Keskin beherrscht. Wie sagte noch der Oberbürgermeister: „Und das alles auch noch mit einem charmanten Lächeln.“

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Erstellt:
29. Juli 2021, 06:00 Uhr

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