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Noch immer gibt es zu wenig neue Lehrer

169 Junglehrer für den Backnanger Schulamtsbezirk vereidigt – Knappe Bewerberlage stellt nach wie vor große Schwierigkeit dar

Neue Lehrer braucht das Land. Und zwar dringend. Gestern fand im Backnanger Schulamt die Vereidigung von 169 Junglehrern statt. Die neuen Lehrkräfte werden ab sofort an den Schulen im Bezirk unterrichten. Wie auch in den vergangenen Jahren gibt es allerdings weiterhin mehr Stellen als Bewerber. Und ein Ende der Lehrerknappheit ist in den kommenden zwei Jahren nicht in Sicht.

Ein großer Tag: Ebru Munz, Mona Kreutzer, Bianca Seger und Markus Buortegen (von links) werden in Zukunft an der Max-Eyth-Realschule Backnang unterrichten. Schulamtsdirektorin Claudia Dippon (rechts) übernahm die Vereidigung der jungen Lehrer im Staatlichen Schulamt. Foto: A: Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Ein großer Tag: Ebru Munz, Mona Kreutzer, Bianca Seger und Markus Buortegen (von links) werden in Zukunft an der Max-Eyth-Realschule Backnang unterrichten. Schulamtsdirektorin Claudia Dippon (rechts) übernahm die Vereidigung der jungen Lehrer im Staatlichen Schulamt. Foto: A: Becher

Von Silke Latzel

BACKNANG. Auch für neue Lehrer gibt es so etwas wie den ersten Schultag. Dieser war für Mona Kreutzer, Ebru Munz, Bianca Seger und Markus Buortegen gestern. Die vier jungen Menschen werden mit dem Beginn des neuen Schuljahrs an der Max-Eyth-Realschule in Backnang unterrichten. Doch kurz vor der Mittagspause haben sie ihren künftigen Arbeitsplatz bereits wieder verlassen und sind ins Staatliche Schulamt Backnang gekommen. Dort nämlich fand ihre offizielle Vereidigung statt.

Die rechte Hand müssen sie dabei nicht heben. Und auch der Zusatz „So wahr mir Gott helfe“ ist mittlerweile freiwillig. Sonst aber hat die Vereidigung neuer Lehrer einen durchaus zeremoniellen Charakter und es gibt eine Urkunde. Anders als in anderen Schulbezirken wird in Backnang allerdings Wert darauf gelegt, dass die neuen Lehrer nicht in einer großen Zeremonie und alle gemeinsam geloben, ihr Bestes zu geben. Hier werden sie in kleinen Gruppen hereingebeten, die Vereidigung ist persönlich und fast schon intim.

Die zukünftigen Lehrer der Max-Eyth-Realschule werden von Schulamtsdirektorin Claudia Dippon empfangen. „Mir ist es wichtig, auch ein bisschen etwas über die Junglehrer zu erfahren“, sagt sie. Und deshalb dürfen sich die vier direkt vorstellen, über Studium – das alle an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg absolviert haben – und Referendariat berichten, erzählen, welche Fächer sie unterrichten und ob sie an ihrer Schule auch schon wissen, wo sie eingesetzt werden.

Mona Kreutzer beispielsweise hat die Fächer Mathematik, Sport, Gemeinschaftskunde und Wirtschaft studiert, wird jetzt Klassenlehrerin in einer 7. Klasse. „Das ist für mich schon ziemlich spannend, da ich bislang noch keine Erfahrung als Klassenlehrerin gemacht habe“, sagt sie. Als Referendarin war sie in Ilsfeld (Kreis Heilbronn) tätig.

Ebru Munz wird Englisch, Gemeinschaftskunde und Wirtschaft unterrichten, Klassenlehrerin einer 5. Klasse werden, aber auch Englischstunden in der 7. und 8. Klasse geben. Sie hat bereits ihr Referendariat an der Max-Eyth-Realschule gemacht und „wollte dann unbedingt dortbleiben“, erzählt sie.

Eine ganz bewusste Entscheidung für die Max-Eyth-Realschule

Auch Bianca Seger ist an der Max-Eyth-Realschule keine Unbekannte. Sie hat dort ebenfalls ihr Referendariat absolviert und wird Klassen in Chemie, Biologie und Geografie unterrichten. Zusätzlich wird sie in Zukunft die Betreuung der Bachpaten-AG übernehmen.

Markus Buortegen ist der einzige Mann im Boot. Das ist nicht ungewöhnlich, denn nur etwa zehn Prozent der neuen Lehrer sind Männer (siehe Infokasten). Buortegen wird Klassenlehrer in Klasse 7, aber auch viel in den Klassenstufen 5 und 9 unterrichten. Seine Fächer sind Biologie, Mathematik und Sport.

Ungewöhnlich bei den vieren sei vor allem, dass sie sich alle „schulscharf“ auf die freien Stellen an der Max-Eyth-Realschule beworben haben, erklärt Claudia Dippon. Das bedeutet, dass Lehrerstellen direkt durch die jeweiligen Schulen selbst besetzt werden können. Dabei geht es allerdings grundsätzlich weniger darum, Seiteneinsteiger für den Schuldienst zu gewinnen, sondern den Schulen zu ermöglichen, zum Schulprofil passende Bewerber durch ein schulscharfes Bewerbungsgespräch mit spezifischeren Fragen selbst auszuwählen.

Der gute Ruf der Max-Eyth-Realschule habe dazu beigetragen, dass sie alle dort arbeiten wollen, so die vier Junglehrer. Bis auf Munz kommt keiner direkt aus Backnang oder der näheren Umgebung, die weiteste Anfahrt zum Arbeitsplatz wird Seger haben. „45 Minuten. Aber das ist es mir wert. Es ist eine tolle Schule, die Schulleitung ist super, bei den Kollegen fühlt man sich gut aufgehoben und auch mein Mentor während meines Referendariats war einfach spitze. Ich bin wirklich froh, dass diese Stelle so passend für mich ausgeschrieben wurde.“ Auch Kreutzer hatte eigentlich bereits eine Zusage von einer anderen Schule, hat dort dann aber abgesagt und sich für die Backnanger Realschule entschieden.

Die vier neuen Lehrkräfte haben unbefristete Verträge bekommen und sind durch ihre Vereidigung zu „Beamten auf Probe“ geworden. In durchschnittlich drei Jahren wird ihre Probezeit zu Ende sein.

Info
„Alle Schulen im Rems-Murr-Kreis sind arbeitsfähig“

„Ganz eng“ sei es auch in diesem Jahr wieder gewesen, berichtet Sabine Hagenmüller-Gehring, Leiterin des Staatlichen Schulamts Backnang. Zwar habe man 169 neue Lehrer zu Beginn des Schuljahrs einstellen können, doch „die knappe Bewerberlage stellt eine große Schwierigkeit dar“.

Bis zum letzten Tag habe man mit Hochdruck gearbeitet, die Ausschreibungsverfahren teilweise bereits im Dezember vergangenen Jahres begonnen. „Das war früher ganz anders“, so die Amtsleiterin. „Heute müssen wir die Lehrkräfte an uns binden.“ Das heißt konkret: Die Schulen müssen Anreize für die Bewerber schaffen, um zu ihnen zu kommen und zu bleiben.

Von den 169 neuen Lehrkräften erhalten 137 einen unbefristeten Arbeitsvertrag oder werden als Beamte eingestellt. 31 übernehmen Vertretungen für erkrankte Lehrer oder Lehrkräfte in Sonderurlaub, Mutterschutz oder Elternzeit. Sie erhalten befristete Verträge. Nur zehn Prozent der neuen Lehrkräfte sind Männer.

48 der fest eingestellten Lehrkräfte werden in den Grundschulen und in der Primarstufe der Gemeinschaftsschulen eingesetzt. 38 starten in der Sekundarstufe der Gemeinschaftsschulen und in Werkrealschulen. 37 Lehrkräfte werden in Realschulen und elf in den Sonderpädagogischen Bildungszentren tätig sein, drei werden im Privatschuldienst arbeiten

Noch immer gibt es mehr offene Stellen als Bewerber. Und das wird auch mindestens in den kommenden ein bis zwei Jahren so bleiben, so die Aussage aus dem Schulamt.

Alle Schulen im Rems-Murr-Kreis sind laut Hagenmüller-Gehring „arbeitsfähig und haben eine weitgehende Unterrichtssicherheit“. Fest installierte Krankheitsvertretungen seien allerdings immer noch nicht möglich.

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Erstellt:
10. September 2019, 06:00 Uhr

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