Noch reicht ein Kilo Spaghetti

Wir sind Familie (6): Katharina und Matthias Sauter aus Burgstetten haben acht Kinder – Glaube hält die Familie zusammen

Ein Kind, zwei Kinder oder drei Kinder – das sind wohl die häufigsten Familienkonstellationen. Katharina und Matthias Sauter ragen aus diesem Schema heraus, und zwar deutlich. Sie ziehen in Burgstetten acht Kinder groß. Kraft schöpfen sie unter anderem aus ihrem gelebten Glauben und ihrer Freude über den quirligen Nachwuchs.

Es war ein Glücksfall, dass die kinderreiche Familie 2013 einen Hausbesitzer mit viel Verständnis für die Kinderschar gefunden hat. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Es war ein Glücksfall, dass die kinderreiche Familie 2013 einen Hausbesitzer mit viel Verständnis für die Kinderschar gefunden hat. Foto: A. Becher

Von Hans-Christoph Werner

BURGSTETTEN. Immer sonntags machen sich die Sauters aus Burgstall auf den Weg. Und dann müssen sie entscheiden: Wer fährt mit dem Auto? Wer fährt mit der S-Bahn? Joshua (13) und Stella (12) kennen sich bereits aus und wissen, wie das mit dem ÖPNV geht. Denn samstags alle drei Wochen machen sie denselben Weg. Die S-Bahn braucht 38 Minuten bis nach Stuttgart-Feuerbach, nur wenig mehr als die Autofahrt an einem Sonntag in Anspruch nimmt. Und ferner können die Großen zeigen, dass sie schon groß sind und die Fahrt alleine bewältigen können. Freilich könnte die ganze Familie auch mit dem Auto fahren. Das heißt genauer gesagt mit zwei Autos, einem Van und einem normalen Pkw. Denn die Sauters sind eine große Familie. Neben Joshua und Stella sind da noch Noah (10), Eliah (9), Jonah (7), Maria (6) und schließlich die Zwillinge David und Jakob (4). Dazu kommen die Eltern Katharina und Matthias Sauter.

Im Jahr 2013 sind die Sauters nach Burgstall gezogen. Passenden Wohnraum zu finden, so erzählt Matthias Sauter, war äußerst schwierig. Wenn die Sauters, damals bereits zu siebt, ihre Kinderzahl erwähnten, winkten alle Vermieter ab. Da hatten die Besitzer des Hauses in Burgstetten mehr Verständnis. Auch zuvor hatte eine kinderreiche Familie darin gewohnt. Und man wollte ausdrücklich eine Familie mit vielen Kindern im Haus haben. Ein Glücksfall für Familie Sauter. Wohl fühlt sich die Familie inmitten ihrer Nachbarschaft. Man bringt ihnen viel Verständnis und Akzeptanz entgegen.

Beide wollten vier Kinder: „Dann haben wir das einfach addiert“

„Familie ist uns sehr wichtig, in jeglicher Richtung“, sagt Matthias Sauter. Als die Eltern Sauter sich kennen und lieben lernten, war das zwischen ihnen klar: Familie gehört dazu. Katharina Sauter hat fünf Geschwister, Matthias Sauter vier. Beide waren große Familie gewöhnt. Fantasiert hätten sie, er wollte maximal vier Kinder. Für Katharina Sauter gab’s keine maximale Kinderzahl, aber vier Kinder hat sie sich auch vorgestellt. „Dann haben wir das einfach addiert“, sagt Matthias Sauter scherzhaft.

„Wenn man immer fragt, ob es gerade passt“, so fährt der Familienvater fort, „würde man nie ein Kind kriegen.“ Einen äußerst entspannten Eindruck macht Katharina Sauter, keineswegs irgendwie gestresst von der täglichen Managementaufgabe. Neugierig lauschen auch sieben der acht Kinder am Tisch, als die Eltern über ihr Familienleben erzählen. Irgendwann trollen sich dann die jüngeren davon, ziehen sich in die oberen Stockwerke des Hauses zurück. Aber man hört nichts, kein Schreien oder Toben. Ob das der Besuch macht? Keineswegs, das Familienleben bei den Sauters kennt Regeln. Zum Beispiel die: Die Kinder müssen mithelfen. Joshua, der Älteste, zählt auf. Immer montags müssten sie ihre Zimmer aufräumen. Dann auch Staub saugen und das Bad putzen. Und ihre frische Wäsche, so fügt Katharina Sauter hinzu, in den Schrank räumen. Die beiden Ältesten haben ein eigenes Zimmer. Alle anderen müssen sich zu zweit ein Zimmer teilen. Eine andere Regel: Unter der Woche bleibt der Fernseher aus. Eine Spielkonsole? Weit gefehlt. Die gibt’s nicht. Nur am Wochenende dürfen die Kinder die eine oder andere Sendung sehen. Und weil wir schon bei den modernen Geräten sind, die überall Einzug halten und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Die Kinder haben wohl ein Handy, aber kein Smartphone.

Nicht übersehen lässt sich im Wohnzimmer der Sauters die lange Tafel, an der die Familie zu den Mahlzeiten Platz nimmt. Katharina Sauter sagt, dass die Töpfe noch ausreichen würden. Erst vor Kurzem hat sie die ganze Familie mit einem Kilo Spaghetti satt bekommen. Aber wenn ihre Kinder mit zunehmendem Alter einen größeren Appetit entwickeln würden, wird’s wohl knapp. Matthias Sauter, der bei einer Versicherung im Innendienst arbeitet, übernimmt am Wochenende das Kochen. Aus Leidenschaft sagt er. Und um seine Ehefrau zu entlasten.

Aber nicht nur zu Tisch versammelt sich die Familie. An das Abendessen schließt sich das Abendgebet an. Die Sauters sind katholisch und so wird am Ende des Tages der Rosenkranz gebetet. Sie haben sich dazu im Flur vor dem offenen Wohnzimmer eigens einen Gebetsplatz eingerichtet. Ein Kruzifix hängt da, links und rechts daneben ein Herz-Jesu-Bild und ein Herz-Mariae-Bild. Auf einem schmalen Schrank davor als Figuren der Heilige Josef und die Mutter Gottes. Überhaupt ist es der Glaube, der das Familienleben der Sauters prägt. Dazu gehört zum Beispiel, dass jedes Jahr ein immer größerer Teil der Familie auf eine Wallfahrt geht. Bevorzugt in das in Bayern liegende Altötting. Über 100 Kilometer erstreckt sich der Pilgerweg. Die großen Kinder laufen die kürzere Strecke für Kinder mit. Und auch für die Fastenzeit vor dem Osterfest haben die Kinder auf Anregung der Eltern überlegt, auf was sie eine Weile verzichten könnten. „Nicht als Vorschrift, sondern als Impuls“, betont Matthias Sauter.

Mit ihrem Glauben hat es auch zu tun, dass die Sauters sonntags nach Feuerbach fahren, obwohl doch die örtliche katholische Kirche nicht weit von ihrem Wohnhaus entfernt ist. In der Feuerbacher Gemeinde ist Matthias Sauter aufgewachsen, dort haben er und seine Frau geheiratet. Und dort besuchen die älteren Kinder jeweils samstags einmal im Monat den Katechismusunterricht als Vorbereitung auf Erstkommunion oder Firmung. Zusätzlich sind sie bei den Ministranten. Und dort lernen sie auch das sonntägliche Hochamt zu verstehen, denn es wird in Feuerbach in lateinischer Sprache gefeiert. „Es macht im Miteinander vieles einfacher“, sagt Matthias Sauter, „wenn man mit dem Glauben die gleiche Basis hat – in Ehe und Familie.“

Ach ja: Als David und Jakob, die Zwillinge, auf die Welt kamen, überbrachte Bürgermeisterin Wiedersatz ein Schreiben von Bundespräsident Gauck. Er ist, wie in solchen Fällen üblich, jetzt Ehrenpate der Jüngsten. Am Weihnachtsfest darauf hat er sogar noch eine Karte geschickt, tatsächlich von Hand unterschrieben. Da hat der Bundespräsident Matthias Sauter etwas leidgetan. Wie viele Karten das wohl gewesen sein mögen, die er zu unterschreiben hatte? Nach Burgstall auf jeden Fall ging nur eine.

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Erstellt:
18. April 2020, 16:00 Uhr

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