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Noch wenig Elektro-Autos an Fahrschulen im Südwesten

dpa/lsw Stuttgart. Die Fahrschulen in Baden-Württemberg zögern bei der Anschaffung von Elektro-Autos. Als einer der Gründe gilt die in der Europäischen Union geltende „Automatikbeschränkung“. Der Fahrlehrerverband geht davon aus, dass diese Regelung bald wegfällt.

Ein Elektro-Auto wird auf der Rastanlage “Demminer Land“ betankt. Foto: Stefan Sauer/dpa/Archivbild

Ein Elektro-Auto wird auf der Rastanlage “Demminer Land“ betankt. Foto: Stefan Sauer/dpa/Archivbild

In den Fahrschulen Baden-Württembergs spielt die Elektromobilität noch immer eine untergeordnete Rolle. Im Südwesten lernen nur wenige Fahrschüler das Autofahren mit einem E-Fahrzeug, wie der Erste Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg, Jochen Klima, sagte. „Ich gehe aber davon aus, dass viele Fahrschulen ihren Kunden gerne ein entsprechendes Angebot machen würden“, sagte Klima.

Da das Land Baden-Württemberg den Kauf von Fahrschul-E-Fahrzeugen fördere, werde der Anschaffungspreis von den Fahrschulen indes nicht mehr als Hindernis gesehen, sagte Klima weiterhin. Problematisch sei allerdings die relativ geringe Reichweite der Schulungsautos mit Elektromotor. Außerdem habe aktuell noch nicht jedes Elektromobil eine Zulassung als Prüfungsfahrzeug.

Wesentlich problematischer sei aber eine Vorgabe der Europäischen Union (EU) - die „Automatikbeschränkung“. Da es sich bei Elektroautos durchweg um Fahrzeuge mit Automatik-Schaltung handle, würden nach der Prüfung mit einem solchen Wagen nur Führerscheine ausgestellt, mit denen ein Auto mit Automatikgetriebe gefahren werden kann, sagte Klima.

„Um ein Auto mit Schaltgetriebe fahren zu dürfen, müssen Führerschein-Neulinge noch eine zweite Prüfung mit einem entsprechenden Auto ablegen“, fügte Klima hinzu. Das sei umständlich und erhöhe die Kosten für einen Führerschein. Daher wollten Fahrschüler ihre Prüfung zumeist in einem Auto mit Schaltgetriebe ablegen. Daher lohne sich die Anschaffung von Elektro-Autos für Fahrschulen zurzeit nicht.

Allerdings erwartet der baden-württembergische Fahrlehrerverband in naher Zukunft eine Gesetzesänderung, da in Brüssel eine Initiative aus Deutschland vorliege. Demnach sollen Fahrschüler künftig bei einer Schulung während ihrer Ausbildung lernen, wie sich ein Schaltgetriebe bedienen lässt. Dank einer solchen Lerneinheit - sie soll auch nachträglich möglich sein - wären die Fahrschüler mit beiden Technologien vertraut und später nicht bei der Wahl des Autos eingeschränkt. Dem Fahrlehrerverband zufolge gab es Ende vergangenen Jahres im Südwesten fast 1600 Fahrschulen.

Unterstützt wird die Initiative von der Stuttgarter Landesregierung. Das Land Baden-Württemberg setze sich schon seit langem für den Wegfall der Automatikbeschränkung ein und hat sich dafür sowohl länderübergreifend als auch auf Bundesebene stark gemacht, heißt es aus dem Verkehrsministerium. „Wir sehen dies als einen wichtigen Baustein an, um die Attraktivität von Elektrofahrzeugen für Fahrschüler weiter zu steigern“, teilte Minister Winfried Hermann (Grüne) auf Anfrage mit.

„Die entsprechende Entscheidung muss von der scheidenden EU-Kommission getroffen werden“, sagte Klima. Dies werde innerhalb weniger Monate geschehen. Wegen Personalquerelen in der EU konnte die designierte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen bisher nicht wie geplant am 1. November mit einer neuen Kommission starten. „Wenn alles klappt und die Entscheidung der alten EU-Kommission steht, dürfte die Regelung noch in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres auch in Deutschland greifen“, sagte Klima.

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Erstellt:
2. November 2019, 11:03 Uhr

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