Norovirus-Welle nach Frühlingsfestbesuch

Hunderte Menschen haben nach dem Feiern im Göckelesmaier-Zelt am Wochenende Magen-Darm-Beschwerden. Das Gesundheitsamt versucht fieberhaft, die Ursache für die Infektionen zu finden. Die Festwirte verzeichnen viele Nachfragen, bisher aber offenbar keine Stornierungen.

Über verunreinigte Gläser kann sich das Norovirus verbreiten – aber auch über andere Wege.Die Lebensmittel auf dem Frühlingsfest werden regelmäßig kontrolliert.

© mago/Lichtgut/Leif Piechowski

Über verunreinigte Gläser kann sich das Norovirus verbreiten – aber auch über andere Wege.Die Lebensmittel auf dem Frühlingsfest werden regelmäßig kontrolliert.

Von Jürgen Bock und Uwe Bogen

Stuttgart - Die Schilderungen sind eindrücklich. Mit zehn Personen war eine Gruppe am Samstag auf dem Frühlingsfest. Nach dem Besuch im Göckelesmaier-Festzelt dauerte es nur wenige Stunden, bis Übelkeit, Erbrechen und Durchfall neun der zehn Freunde heimsuchten. Und zwar unabhängig vom Alkoholkonsum. „Wir haben auch nicht alle dasselbe gegessen oder getrunken“, sagt einer der Betroffenen.

Bei der Stadt stehen inzwischen die Telefone nicht mehr still. „Wir haben ein größeres Ausbruchsgeschehen festgestellt. Uns haben Hinweise erreicht, die auf über 300 Magen-Darm-Erkrankungen schließen lassen. Aufgetreten sind sie im Nachgang zum Besuch eines Zelts auf dem Frühlingsfest“, sagte ein Sprecher der Stadt unserer Zeitung. Es ist wohl damit zu rechnen, dass noch weitere Fälle dazukommen. Alle hätten dasselbe Zelt besucht, seien auch quer durchs Zelt verteilt gewesen. Fälle seien vom Samstag und vom Sonntag bekannt.

„Die Lebensmittelüberwachung und das Gesundheitsamt waren sofort nach Eintreffen der ersten Meldungen vor Ort, um die Hygiene zu überprüfen und Proben der Lebensmittel zu nehmen. Wir wollen derzeit in erster Linie das Ausbruchsgeschehen eindämmen und die Quelle der Infektion lokalisieren“, so der Sprecher. Man lege einen Schwerpunkt auf zentrale Servicebereiche im Zelt und passe die Hygienemaßnahmen entsprechend an. Das Zelt solle weiterhin geöffnet bleiben, die Betreiber verhielten sich sehr kooperativ.

Am Mittwochnachmittag lagen die ersten Ergebnisse vor. So sei bei mehreren Betroffenen das hochansteckende Norovirus festgestellt worden, teilten Stadt und Sozialministerium mit. Die Untersuchung der Proben aus dem Zelt selbst lief noch. Dort war zunächst nichts Auffälliges entdeckt worden.

Stornierungen gebe es für die Zelte des Stuttgarter Frühlingsfests bisher nicht, erklärten die drei Festwirte und die Festwirtin am Mittwoch unisono auf Anfrage unserer Redaktion. „Wasenbesucher sind eher rustikal“, sagte Hofbräu-Chef Martin Alber. Thema Nummer eins auf dem Gelände sind die Infektionen dennoch.

Die Schlagzeilen über die Ansteckungen wirken sich selbst im Göckelesmaier-Zelt nicht negativ aus, das im Zentrum der Untersuchungen steht. Chefin Daniela Maier bestätigte auf Anfrage, dass es zu Krankheitsfällen bei ihr gekommen sei. Betroffen seien aber nur Besucherinnen und Besucher, die am Samstag da waren. In den Tagen danach habe es bei Göckelesmaier keine Krankheitsfälle mehr geben, „auch nicht vom Personal“, betonte sie.

Daniela Maier berichtete von umfangreichen Untersuchungen und Entnahmen von Proben in allen Bereichen und bei allen Speisen ihres Unternehmens. Man arbeite sehr eng mit den Behörden zusammen. Doch noch sei nicht erwiesen, wo die Quelle für eine mögliche Virusinfektion liege. „Die Leute können sich auch auf dem Weg zu uns in der Stadtbahn angesteckt haben“, sagte die Festwirtin. Außerdem sei abends ein „Zelthoppping“ üblich.

An eine Zeltschließung denkt Daniela Maier nicht. Bei Göckelesmaier sei der hygienische Standard sehr hoch. Man kontrolliere alles immer sehr gewissenhaft. Von sämtlichen Speisen und Getränken habe man Proben entnommen und sei bisher auf keine Mängel gestoßen. Doch überall dort, wo sich viele Menschen versammeln, könne es zu Ansteckungen kommen. Die Festwirtin bedankte sich bei ihren Gästen, die ihr die Treue hielten und ihre Reservierungen wie geplant wahrnähmen. Bisher habe sie keine Fehler in ihrem Betrieb gefunden – die Erkrankungen hätten ja auch Gäste von außerhalb hereinbringen können.

Marcel Benz, Wirt im Grandls Hofbräu Zelt, berichtete, dass etliche Kunden nachgefragt hätten, ob es die Krankheitsfälle bei ihm gegeben habe. Da er dies verneinen könne, sei es nicht zu Stornierungen gekommen. Auch Nina Renoldi von der Almhütte Royal sagte, dass es bei ihr weiterhin gut laufe. Fritz Weeber vom Wasenwirt-Zelt findet, dass bei der hohen Zahl von Wasenbesuchern 300 Krankheitsfälle nicht extrem viel seien. Er warnt davor, „aus einer Mücke einen Elefanten zu machen“.

Das Gesundheitsamt bittet Erkrankte, sich unter infektionsschutz@stuttgart.de bei der Stadt zu melden.

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Erstellt:
24. April 2024, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
25. April 2024, 21:45 Uhr

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