Notärztin Federle will Modellprojekt in Tübingen verlängern

dpa/lsw Tübingen. Kann das Tübinger Corona-Modellprojekt trotz der geplanten Bundes-Notbremse auch über den kommenden Sonntag hinaus laufen? Die Universitätsstadt sagt definitiv: Ja. Das letzte Sagen haben aber das Land und der Bund.

Lisa Federle, Notärztin, und Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, sprechen. Foto: Marijan Murat/dpa

Lisa Federle, Notärztin, und Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, sprechen. Foto: Marijan Murat/dpa

Die Tübinger Notärztin Lisa Federle will wie Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) das städtische Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ über den 18. April hinaus verlängern. Darüber entscheidet die Landesregierung. Im Anschluss an eine per Livestream übertragene Gemeinderatssitzung sagte Federle am Donnerstagabend, sie sei nach wie vor der Meinung, dass man den Versuch zumindest nicht sofort abbrechen sollte. „Mir geht es nicht um Experimente, sondern um Menschenleben“, sagte Federle. Aerosolexperten hätten sie darüber informiert, dass die Infektionsgefahr an der frischen Luft gen Null laufe.

„Dass wir uns besser entwickeln als der Landesdurchschnitt zeigt mir, dass wir irgendetwas richtig gemacht haben“, sagte Palmer. Das Infektionsgeschehen in der Stadt sei unter Kontrolle. Das Modellprojekt habe keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen gehabt. Ziel sei es, dass die Zahlen in Tübingen in der nächsten Woche fallen. Sobald die Luca-App im Landkreis Tübingen aktiviert werde, könne in der Stadt auch die Gastronomie wieder öffnen. „Wir wollen herausfinden, ob wir mit dem Testversuch eine Kontrolle über die Pandemie erhalten können“, sagte Palmer.

Eine Rückkehr zur Normalität - beispielsweise ohne Masken - werde es so schnell nicht geben, sagte Palmer. Er versuche auf allen Kanälen, dass die geplante Bundes-Notbremse für das Tübinger Modellprojekt eine Ausnahme zulasse. „Wir müssten erst über die Hürde Land und dann auch über die Hürde Bund.“

Im Laufe der vergangenen sieben Tage haben die Behörden mit Stand vom Donnerstag (16.00 Uhr) landesweit im Schnitt 165,0 Ansteckungen pro 100 000 Einwohner registriert, wie das Landesgesundheitsamt mitteilte. Am Mittwoch waren es 165,3. Mitte vergangener Woche lag der Wert noch bei 101,1.

Vom 18. März (19,7) bis zum 1. April (110,4) waren die Infektionszahlen in Tübingen nach Zahlen aus dem Sozialministerium zwar stark angestiegen. So lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner am 2. April bei 106,0. Sie war seither aber stabil deutlich unter 100 - der zuletzt angegebene Wert lag laut Palmer am Donnerstag bei 86 (Mittwoch: 88,5). Nach den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Begleitforschung gebe es keinen Hinweis, dass Infektionen, die durch Öffnungen im Rahmen des Modellversuchs entstanden seien, dafür die Ursache gewesen seien.

Der Modellversuch hatte am 16. März begonnen. Menschen in Tübingen können sich an mehreren Stationen kostenlos testen lassen. Mit den Bescheinigungen der Ergebnisse, den Tagestickets, können sie dann in Läden, zum Friseur oder auch in Theater und Museen gehen. Die Stadt sah den Erfolg des Versuchs allerdings durch eine wachsende Zahl an Tagesgästen zunehmend gefährdet und steuerte nach. Auch im Fall einer Verlängerung soll die Ausgabe von Tagestickets auf Bewohner und Arbeitnehmer im Landkreis Tübingen beschränkt bleiben.

© dpa-infocom, dpa:210415-99-221876/3

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Erstellt:
15. April 2021, 20:33 Uhr

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