NS-Vergangenheit von August Lämmle: Schule wird umbenannt

dpa/lsw Leonberg. Der Leonberger Gemeinderat hat beschlossen, dass eine nach dem Mundartdichter August Lämmle benannte Schule umbenannt werden muss. Der Name Lämmles wird auch von der Liste der Ehrenbürger gestrichen, wie die Stadt am Freitag mitteilte. Die Entscheidung vom Donnerstagabend basiert auf einem Gutachten des Historikers Peter Poguntke, welches die Rolle des schwäbischen Mundartdichters während des NS-Regimes neu bewertete.

„In der NS-Zeit stilisierte sich Lämmle - aus welchen Gründen auch immer - als bedingungsloser Anhänger der NS-Ideologie und des NS-Staates mit Adolf Hitler an der Spitze, ohne dass es für ihn die Notwendigkeit gegeben hätte“, schreibt Historiker Poguntke in seinem Gutachten für die Stadt. Seine Texte zeugten von einer geradezu peinlichen Verklärung.

Bei Lämmle muss nach Ansicht Poguntkes von einem beispiellosen Opportunismus ausgegangen werden. Sogar die chauvinistischen und antisemitischen Phrasen der Nationalsozialisten habe er übernommen. Diese Aspekte seien nach 1945 nicht hinreichend gewürdigt worden, was das Bild des ohne Zweifel auf seinem Fachgebiet verdienten Dichters und Volkskundlers einseitig ins Positive verzerrt habe.

August Lämmle (1876-1962) war 1933 in die NSDAP eingetreten. Die Schulkonferenz soll nach Angaben der Stadt nun einen neuen Namen für die Schule vorschlagen. Zwei nach dem schwäbischen Mundartdichter, Autor und Heimatforscher benannte Straßen sollen ihre Namen jedoch behalten. Dort sollen Tafeln über seine NS-Vergangenheit aufklären.

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Erstellt:
20. November 2020, 16:52 Uhr

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