Nun ruft der Glockenturm wieder zum Gebet

Die frisch renovierte Konstruktion in Allmersbach im Tal wird jetzt am Sonntag eingeweiht. Die Arbeiten waren umfangreich.

Mittels Hebebühne konnte an der Fassade des Turms gearbeitet werden. Fotos: privat

Mittels Hebebühne konnte an der Fassade des Turms gearbeitet werden. Fotos: privat

Von Simone Schneider-Seebeck

ALLMERSBACH IM TAL. Man mag es Zufall nennen oder Fügung, denn das Erntedankfest ist in Allmersbach im Tal mittlerweile mit einem ganz konkreten Bauwerk verbunden. Bereits 1973 war das evangelische Gemeindezentrum eingeweiht worden, in dem auch die evangelische Kirche ihren neuen Platz gefunden hat. Der dazugehörige neue Glockenturm kam 20 Jahre später dazu. Dessen Einweihung wurde am 3. Oktober 1993, am Erntedankfest, gefeiert, und seither dient er mit seinen 42 Metern Höhe als neues und weithin sichtbares Wahrzeichen.

Nur 25 Jahre später jedoch folgte die Ernüchterung, wie Kirchengemeinderat Dieter Handel berichtet. Die Bausubstanz war schwer geschädigt. Selbst einen Abbruch zog man in Betracht. Feuchtigkeit hatte der Ostseite zugesetzt, das Holz an der Westseite war stark verwittert. Zudem litt das Bauwerk an Schäden, die durch Vogelkot verursacht worden waren.

Mitte April 2019 förderte ein Ortstermin mit Fachleuten das (vorläufige) Ausmaß der Schäden zutage. Intensive Beratungen zur weiteren Vorgehensweise folgten. Als erste Maßnahme wurden die vier Glocken abgeschaltet. Eine davon ist übrigens ein Geschenk der katholischen Kirchengemeinde, deren Gemeindehaus sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet. Gottesdienste konnten jedoch weiterhin abgehalten werden, wenn auch ohne den Klang des Geläuts.

Schließlich sollte im September des vergangenen Jahres ein Gerüst aufgebaut und die Reparaturen sollten direkt am Bauwerk durchgeführt werden, doch die Arbeiten mussten schließlich auf das Frühjahr 2020 verschoben werden. Im Nachhinein eine gute Entscheidung, was Kostenfaktor sowie Temperaturen betraf.

Ab dem 19. März dieses Jahres konnte es endlich losgehen. Doch als die Gitterträger auf der Westseite sowie die Holzverkleidung komplett entfernt waren, zeigte sich, dass die Schäden größer waren als gedacht.

Eine Reparatur wie ursprünglich geplant war nicht möglich. Die alten Träger im Turm mussten komplett ausgetauscht, die Turmhaube musste entsprechend statisch abgesichert werden. Erschwerend kam hinzu, dass sich das Wetter verschlechterte. Es wurde mit Heizlüftern gearbeitet, um das Holz auf die für das Verleimen optimale Temperatur von 18 Grad zu bringen. Anfang Juni dann war die holztechnische Sanierung gegen alle Widrigkeiten beendet und eine Abdichtung zum Tragwerk wurde angebracht, die Wasser vom Turm ableitet. Diese hatte es vorher nicht gegeben. Zum Abschluss wurden Gitterträger sowie Schallläden wieder eingebaut. Letztere wurden ebenso mit Blech verkleidet wie die Turmstützen an der Außenseite. Ein zusätzlicher Schallladen aus Edelstahl wurde angebracht.

Nun sollte Wasser keine Probleme mehr bereiten. Um im Inneren Schäden durch Vogelkot vorzubeugen, nutzte man zudem die Gelegenheit, ein Schutznetz über den Öffnungen anzubringen. Ende Juli konnte das Gerüst schließlich abgebaut werden, und die markante Kirchturmspitze ist in voller Pracht wieder von nah und fern zu sehen.

Gut 200000 Euro hat die gelungene Renovierung letztlich gekostet, die dem Turm nun eine hoffentlich länger widerstandsfähige und vor allem wasserfeste Lebensdauer ermöglicht. Eine kleine Verzögerung bedingte noch die Nacharbeit an der Elektrik für den Betrieb der Glocken. Doch nun ist es, beinahe schon traditionell, am kommenden Sonntag, dem Erntedankfest, so weit. Der Glockenturm wird feierlich wieder in Betrieb genommen und ruft nach gut eineinhalb Jahren erneut mit Glockenklang zum Gebet.

Das Holz im Glockenturm hatte über die Jahre arg gelitten, war stellenweise komplett morsch.

Das Holz im Glockenturm hatte über die Jahre arg gelitten, war stellenweise komplett morsch.

Festgottesdienst

Zur Einweihung des frisch renovierten Glockenturms am Sonntag, 11. Oktober, findet um 10 Uhr ein Dankgottesdienst in der evangelischen Kirche in Allmersbach statt.

Sofern es das Wetter zulässt, wird draußen rund um den frisch renovierten Kirchturm gefeiert, wo die Hygienevorschriften etwas mehr Freiraum erlauben.

Was wurde alles renoviert? Weshalb war dieser große Aufwand nötig und was hat er gekostet? Über solche Fragen zu den Renovierungsarbeiten informiert Dieter Handel im Anschluss an den Gottesdienst.

Der Posaunenchor umrahmt die Veranstaltung musikalisch.

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Erstellt:
10. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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