Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Nur das bisschen Heimweh stört ein wenig

Erfolgreich in der Fremde (2): Mit 19 ist Jana Scheib in Nordhessen auf bestem Wege, sich in der Handball-Bundesliga zu etablieren

„Mir geht es gut“, sagt Jana Scheib und schränkt danach doch ein wenig ein: „Ein bisschen Heimweh habe ich allerdings“. Vielleicht verständlich für eine 19-Jährige, die 340 Kilometer weit weg von Zuhause versucht, im Handball ihren Weg zu gehen. Einer, der die frühere Jugendspielerin des TV Oppenweiler vergangenen Sommer zum nordhessischen Erstligisten HSG Bad Wildungen geführt hat.

Freut sich, dass sie mit gerade mal 19 Jahren bereits regelmäßig in der Ersten Bundesliga am Ball ist: Jana Scheib. Im Sommer wechselte die Handballerin aus Oppenweiler zum hessischen Erstligisten Bad Wildungen. Foto: Imago

© imago images/Eibner

Freut sich, dass sie mit gerade mal 19 Jahren bereits regelmäßig in der Ersten Bundesliga am Ball ist: Jana Scheib. Im Sommer wechselte die Handballerin aus Oppenweiler zum hessischen Erstligisten Bad Wildungen. Foto: Imago

Von Uwe Flegel

Dass Jana Scheib einmal Handball spielt, stand eigentlich fast schon vor der Geburt fest. Schließlich waren Mutter Regina und Vater Bernhard selbst erfolgreiche Handballer. Der Papa ist gar eine TVO-Legende. Als torgefährlicher Linkshänder im rechten Rückraum war er mit Oppenweiler viele Jahre Bestandteil der Regionalliga und viermal Torschützenkönig der dritthöchsten Spielklasse. Zudem ist er mit 2425 Treffern mit riesigem Abstand bester Werfer der vereinsinternen Bestenliste der ersten Mannschaft und liegt mit 374 Einsätzen hinter Torwart Stefan Merzbacher (376) auf Platz zwei der Rekordspieler. Was Wunder, wenn die Tochter auf die Frage, wann sie mit Handball angefangen hat, lacht, ehe sie antwortet: „So richtig kann ich das gar nicht sagen. Ich bin ja in der Halle aufgewachsen.“

Druck hat sie trotzdem nie verspürt, sondern selbst den Spaß am und die Leidenschaft für den Handball entdeckt. „Meine Eltern haben mich immer unterstützt“, sagt die mittlerweile 19-Jährige dankbar und ist sich sicher: „Sie hätten das ebenfalls gemacht, wenn ich mich für Ballett entschieden hätte.“ Oder für die Kickerei. Denn eine Zeit lang hatte Jana Scheib den Ball nicht nur in der Hand, sondern bei den Mädchen des TSV Bad Rietenau auch am Fuß. Talent darin besaß sie ebenfalls. Das Herz gehörte aber doch eindeutig der kleineren Kugel.

Nach dem Wechsel zur SG Bietigheim ist mit Fußball rasch Schluss

Mit dem Gang nach Bietigheim hatte sich der Fußball ohnehin rasch erledigt. Auch weil es im Handball bestens lief. Scheib wurde U-17-Europameisterin und war bereits als Jugendliche für Bietigheim in der Bundesliga und der Champions League am Ball. Selbst zwei Kreuzbandrisse brachten sie nicht vom Kurs ab, „mich zunächst einmal als Bundesligaspielerin zu etablieren“. Da aber im Starensemble des Deutschen Meisters die Spielanteile für Talente überschaubar sind, führte der Weg sie nach Hessen.

Bisher bereut sie den Wechsel nicht. „Ich bekomme erstaunlich viel Spielzeit“, erzählt die 1,80 Meter große Sportlerin, die in den ersten vier Partien 13 Tore erzielt hat. Und das mit links vom rechten Rückraum aus. So wie einst Bernhard Scheib. „Wenn Leute mir zuschauen, die schon meinem Vater spielen gesehen haben, dann sagen sie, dass ich ein Abbild von ihm bin, nur halt als Frau“, berichtet Jana Scheib schmunzelnd und wissend, dass der Papa einst ebenfalls Angebote aus der Bundesliga hatte. Bis auf ein zweijähriges Gastspiel beim Zweitligisten Oßweil warf er seine vielen Tore aber trotzdem stets für den TVO.

Eine Verbundenheit, die auch die Tochter geprägt hat: „Oppenweiler ist meine Heimatverein. Wenn ich hier bin und der HCOB spielt, dann schaue ich in der Halle vorbei. Hier kenne ich die Leute.“ Hier ist ihr Zuhause. Hier tankt sie Kraft für die Herausforderung in Bad Wildungen. Dort geht es für sie ja nicht nur darum, sich als Spielerin weiterzuentwickeln, um im Handball möglichst hoch zu kommen. Die junge Frau, die sich selbst als „sehr ehrgeizig“ beschreibt, will mit den sogenannten Vipers auch die Liga halten. Ersteres funktioniert, Zweiteres noch nicht so recht. Die ersten vier Partien gingen alle verloren. „Unser Auftaktprogramm war schwer“, sagt Scheib und weiß, dass sie und ihre Mitstreiterinnen rasch die Kurve bekommen sollten. Heute Abend zum Beispiel, wenn es im Heimspiel gegen die HSG Bensheim/Auerbach geht.

Regina und Bernhard Scheib werden – wie eigentlich immer – vermutlich vor Ort sein. Die 340 Kilometer lange Strecke vom Murrtal in die Ense-Halle hin oder her. Die Eltern wissen, dass ihr Besuch der Tochter gut tut und der 19-Jährigen in der Fremde hilft, dass das bisschen Heimweh nicht mehr allzu lange anhält.

Mit der Serie stellen wir Sportler vor, die bei Vereinen aus der Region als Kinder und Jugendliche am Ball waren und mittlerweile bei hochklassigen Teams erfolgreich sind.

Info
Vom Murrtal nach Hessen

Jana Scheib beginnt beim TVO, wechselt in der D-Jugend zur SG Bietigheim. Dort feiert sie mit 17 ihr Debüt in der Bundesliga und in der Champions League.

Als 16-Jährige wird Scheib mit dem DHB U-17-Europameisterin. Beim 23:18 im Finale gegen Norwegen ist die Rückraumspielerin mit sechs Toren beste Werferin.

Vergangenen Sommer hat Jana Scheib am Stuttgarter Cotta-Gymnasium das Abitur gemacht. Demnächst will sie mit einem FSJ in der Altenpflege anfangen und danach wohl ein Studium beginnen.

Zum Artikel

Erstellt:
19. Oktober 2019, 11:30 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!