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Nur die nackte Existenz gerettet

Nach Hausbrand im August verliert Kirchenkirnberger Familie alles – In kleinen Schritten erarbeitet sie sich nun wieder einen Alltag – Hoffnung „Dinner Party“

Es ist ein Nachmittag im Spätsommer, an dem Lea Weiss und Uli Reichert mit ihren beiden Kindern so gut wie alles verlieren: Ihr Haus in Kirchenkirnberg, in dem auch Lea Weiss’ Mutter und ein älteres Ehepaar leben, wird bei einem Brand größtenteils zerstört. Sie alle und die Haustiere bleiben unverletzt. Danach heißt es für die Familie, sich nach und nach wieder einen Alltag aufzubauen. Lea Weiss wird von dem einschneidenden Ereignis nun in der Sat.1-Sendung „Dinner Party“ berichten.

Sind wieder zurück in Kirchenkirnberg und hoffen auf den Wiederaufbau ihres Hauses: Uli Reichert und Lea Weiss mit ihren Töchtern Lilli (links) und Nele.

© Jörg Fiedler

Sind wieder zurück in Kirchenkirnberg und hoffen auf den Wiederaufbau ihres Hauses: Uli Reichert und Lea Weiss mit ihren Töchtern Lilli (links) und Nele.

Von Christine Schick

MURRHARDT.„Es ist schon ein radikaler Schnitt, aber ich bin einfach nur froh, dass niemand verletzt worden ist“, sagt Uli Reichert. Es ist der 20. August dieses Jahres, als die Familie – er selbst, Lea Weiss mit Nele (vier Monate), Lilli (drei Jahre), ihrer Mutter Conny Heitzenroether sowie den Großeltern – im Garten hinter dem Haus zusammensitzt. „Ich wollte Neles Schnuller holen, hab nach oben geschaut und gesehen, dass aus dem Dachstuhlfenster Flammen züngeln“, erzählt die zweifache Mutter. Die Feuerwehr Kirchenkirnberg ist fix zur Stelle, muss aber auf die Kollegen aus Murrhardt warten, weil die Stromleitung übers Dach verläuft. „Obwohl die Einsatzkräfte, objektiv gesehen, schnell da waren, kommt einem das Warten wie eine Ewigkeit vor“, sagt Uli Reichert. Richtig schlimm ist für die beiden, zu erleben, wie das Ehepaar Menz realisiert, dass ihre Heimat in Flammen aufgegangen ist. „Sie sind um die 80 Jahre und haben 56 Jahre im Haus gewohnt, ihre Kinder dort großgezogen.“

Da ist aber auch die Herzlichkeit der Nachbarn. „Jemand hat mich gefragt, ob er mich einfach in den Arm nehmen darf“, sagt Lea Weiss. Andere organisieren erste wichtige Dinge wie Babynahrung oder Windeln, die Herzmedikamente für die Mutter werden geholt. Auch danach helfen die Kirchenkirnberger immer wieder mit Spenden – von Kleidern über Bettwäsche bis hin zu Spielzeug für die Kinder.

Die Familie samt Mutter kommt zunächst bei den Großeltern Margot und Kurt Heitzenroether unter. Die Dreizimmerwohnung in Fichtenberg müssen sich in der ersten Zeit fünf Erwachsene und zwei Kinder teilen.

Seit Ende Oktober ist die Familie zurück in Kirchenkirnberg. „Wir sind bei einer Familie im Ort untergekommen, die fünf Kinder hat und für uns zusammengerutscht ist“, erzählt der Vater. „Es ist gut, wieder hier zu sein, weil Lilli ja auch in den Kindergarten geht und beim Kinderturnen dabei ist“, sagt die Mutter. Nun haben sie wieder zwei Zimmer für sich, Lea Weiss’ Mutter ist in Fichtenberg geblieben, während das Ehepaar Menz mittlerweile im seniorenbetreuten Wohnen in Schorndorf untergekommen ist.

Wichtig findet der Familienvater, dass die Kinder kein traumatisches Erlebnis mitgenommen haben. Klar, besser wäre es gewesen, doch eine Hausratversicherung abgeschlossen zu haben, im Nachhinein ist man immer schlauer. „Die vielleicht 60 Euro im Jahr sind schon gut angelegt.“ Das Paar ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Uli Reichert bezieht eine Erwerbsminderungsrente („Ich war Landschaftsgärtner, habe aber einen kaputten Rücken“). Lea Weiss hat als ehemalige Verkäuferin bei Schlecker in der Region noch versucht, sich nach der Insolvenz des Unternehmens selbstständig zu machen und mit anderen den Markt in Welzheim weiterzuführen, was sich aber nicht als tragfähig erwiesen hat, erzählt die 28-Jährige.

An dieser Stelle kommt auch das aktuelle Projekt ins Spiel – die „Dinner Party – Die Entscheidung“. Lea Weiss ist eine von fünf Gästen in der Sat.1-Sendung, die heute Nacht um 0.15 Uhr ausgestrahlt wird. Die Kandidaten treten an, um sich mit 5000 Euro einen Herzenswunsch zu erfüllen, wobei sie von ihrem Schicksal erzählen und in der Runde selbst über den „Gewinner“ entscheiden. Lea Weiss würde von dem Geld die künftigen Kinderzimmer bezahlen, die sie irgendwann einmal wieder einrichten wollen. Dass sie bei der „Dinner Party“ gelandet ist, war mehr oder weniger Zufall, denn ein Mitglied des Teams hatte schon einmal einen Beitrag über sie und ihr Projekt nach der Schlecker-Insolvenz gemacht.

Zu den Studioaufnahmen ist sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Köln gefahren – und hat die Produktionsabläufe kennengelernt. Anschauen werden sie sich die Sendung vermutlich im Nachhinein im Netz, denn abgesehen vom relativ späten Sendezeitpunkt haben die beiden noch keinen Fernsehanschluss.

Unabhängig davon, ob es mit der Finanzspritze klappt, gibt es noch jede Menge zu tun. Während die Ab- und Ummeldungen rund um die Infrastruktur des Brandhauses halbwegs erledigt sind, setzt die Familie auf einen Wiederaufbau. Die Brandursache ist indes noch nicht geklärt, ermittelt haben sowohl Polizei als auch Gutachter der Gebäudeversicherung. Ein offizielles Ergebnis liegt aber noch nicht vor.

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Die „Dinner Party“

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Erstellt:
11. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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