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„Nur ein gefühltes Problem“

Am Autoverkehr in Innenstädten und der Situation des Einzelhandels in der City scheiden sich die Geister in Backnang

Das Thema freies Parken sorgt auch in Backnang immer wieder mal für Gesprächsstoff. Nachdem jüngst ein entsprechender Antrag im Gemeinderat vorgebracht wurde, hörte sich die BKZ auch einmal in Winnenden um, wo man in der City für zwei Stunden frei parken darf. In Backnang steht man dieser Lösung eher kritisch gegenüber.

Die Parkflächen auf der Bleichwiese sind aufgrund ihrer Nähe zur Backnanger City sehr beliebt. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Die Parkflächen auf der Bleichwiese sind aufgrund ihrer Nähe zur Backnanger City sehr beliebt. Foto: A. Becher

Von Bernhard Romanowski

BACKNANG/WINNENDEN. „Während Sie sich anderswo über hohe Parkgebühren ärgern, können Sie bei uns in Winnenden vom gesparten Geld nach ausgiebigem Stadtbummel noch gemütlich einen Kaffee trinken gehen.“ Mit diesem Satz wirbt die Große Kreisstadt Winnenden auf ihrer Homepage für eine Lösung, die sie selbstbewusst als „Winnender Modell“ bezeichnet. Das bedeutet schlicht: Zwei Stunden lang darf man dort kostenlos parken, um zu erledigen, was man zu erledigen hat, und ohne Münzgeld aus der Tasche fummeln oder sich sonst wie ein Parkticket beschaffen zu müssen.

Innenstadtbesucher müssen in den Winnender Parkhäusern und einem der Fußgängerzone nahen Bereich nur eine Parkscheibe ins Auto legen. Bis auf wenige Ausnahmen, wo eine geringere Parkdauer angezeigt wird, können sie ihr Auto bis zu 120 Minuten kostenlos stehen lassen. Wer länger parken will, muss sich einen etwas weiter entfernten Platz am Straßenrand suchen. „Das wird sehr gut angenommen“, heißt es dazu von der Pressestelle der Stadt Winnenden auf Nachfrage der BKZ. Für alle, die nur kurz etwas in der Innenstadt erledigen oder ein Geschäft aufsuchen wollen, sei diese Lösung attraktiv. Länger als zwei Stunden zu parken, ist in der Winnender City demnach nicht gestattet. Für längere Parkzeiten seien die Plätze am Wunnebad vorgesehen, die indessen weiter von der City entfernt liegen.

So oder so ähnlich könnte es auch in Backnang laufen, tut es aber nicht. „Die Parkhäuser in der Innenstadt werden nicht von der Stadt, sondern von privater Hand betrieben. Daher hat hier die Stadt keinen Einfluss auf die Höhe der Parkentgelte“, erfährt die BKZ auf Nachfrage bei der Backnanger Stadtverwaltung. Die Stadt Backnang verfüge über „ein Parkierungskonzept, welches laufend überarbeitet wird“. Kostenloses Parken sei hier derzeit nicht vorgesehen. „In seiner Sitzung vom 8. November 2007 hat sich der Gemeinderat zuletzt mit verschiedenen Modellen der Parkierung in der Innenstadt auseinandergesetzt. Dabei wurde auch eine Möglichkeit diskutiert, 30 Minuten Freiparken sowohl auf der Bleichwiese als auch in den Parkhäusern zu ermöglichen“, erläutert die Pressestelle im Rathaus. Nach eingehender Beratung habe sich der Gemeinderat aber damals dafür ausgesprochen, die bestehende Parkierungs- und Gebührenregelung beizubehalten. Mit sogenannten Vergütetickets können Einzelhändler der Backnanger Innenstadt ihren Kunden aber einen Teil der Parkgebühren vergüten. Daran beteiligt sich die Stadt. „Die Gewerbetreibenden können die Kostenrechnung dieser Tickets ihrer Kunden bei der Stadt einreichen. Diese übernimmt einen Betrag von bis zu 600 Euro jährlich“, erläutert Martin Windmüller vom Stadtmarketing Backnang dazu.

Windmüller sieht das Thema Parken nur als vorgeschobenes Argument


Die Gespräche mit den Parkhausbetreibern seien bislang nicht sonderlich fruchtbar gewesen, was ein Sponsoring von Kundenparkplätzen durch die Einzelhändler angehe. „Die Betreiber der Parkhäuser wollen keinen Schritt auf die Gewerbetreibenden zugehen“, berichtet Windmüller, der selbst ein Parkhaus in Backnang führt. 20 Prozent Rabatt für die Gewerbetreibenden, die Parkplätze für ihre Kunden in solchen Einrichtungen reservieren lassen wollen, wäre ein faires Angebot, so Windmüller weiter. Schließlich sei das ja auch eine Art Werbung für die Parkhäuser. So aber seien die Preise „bar jeglicher Realität und für die Gewerbetreibenden nicht zu stemmen“, meint der Unternehmer.

Von der Vorstellung, die städtischen Parkplätze gebührenfrei anzubieten, hält er indessen nichts. Die Stellplätze etwa auf der Bleichwiese seien die begehrtesten wegen ihrer Nähe zur innerstädtischen Einkaufszone. Man würde auf ein Verkehrschaos zusteuern, wenn dort oder direkt innerorts freies Parken erlaubt wäre. Ein Sponsoring solcher Plätze durch den Einzelhandel könne man aber in Betracht ziehen. Windmüller: „Die Parkhausgebühren in Backnang sind noch keine Abzocke wie vielleicht in anderen Städten.“

Dort für Innenstadtbesucher freies Parken zu ermöglichen wie in Winnenden, hätte keinen Einfluss auf das Kaufverhalten der Nutzer, ist sich Windmüller sicher. Er sieht das Thema freies Parken vielmehr als ein vorgeschobenes Argument, um über andere Probleme hinwegzutäuschen. Oft seien es eher das Sortiment des Einzelhandels und der Punkt Freundlichkeit, an denen es mitunter hapere. Konkret auf die Backnanger City bezogen konstatiert Windmüller „Sortimentslöcher“ im Bereich Schuhe und bei der Herrenbekleidung. Das Parken sei in Backnang demnach „kein objektives, sondern eher ein gefühltes Problem“.

„Die Anzahl der Stellplätze auf der Bleichwiese, welche den Besuchern der Innenstadt zur Verfügung stehen, wurde in den letzten Jahren sukzessive verringert“, schreibt das Bürgerforum Backnang (BFB) in seinem Antrag zu dem Thema. Es seien bereits zahlreiche Parkplätze durch die Planung des Annonaygartens und durch Zuordnung für Anwohner und Gewerbetreibende verschwunden, meint man beim BFB. Bei ausreichendem Parkangebot auf der Bleichwiese mit ihrer fußläufigen Nähe zur Einkaufszone in Verbindung mit dem Anreiz des kostenlosen Parkens für zwei Stunden sowie einem intelligenten Park- und Leitsystem könne „der schleichende Parksuchverkehr aus der Grabenstraße und auch aus der Marktstraße genommen“ werden.

Ziel müsse es sein, den Verkehr abzufangen und gar nicht erst ins Zentrum gelangen zu lassen. „Es kann nicht Ziel sein, das Auto aus den Innenstädten zu verbannen“, betonen die BFBler: „Diese Lösung stärkt dem Einzelhandel den Rücken und macht einen Besuch der Innenstadt attraktiv.“ Ob dazu in die Höhe oder in die Tiefe gebaut werde, dürften die Planer entscheiden, endet der Wortlaut des BFB-Antrags.

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Erstellt:
13. Februar 2020, 06:00 Uhr

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