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Oberkirchenrat segnet Kirchenfusion ab

Die evangelischen Kirchengemeinden Sulzbach und Spiegelberg bündeln zum Jahresbeginn 2019 ihre Kräfte

Die Fusion der evangelischen Kirchengemeinden von Spiegelberg und Sulzbach ist einen großen Schritt vorangekommen: Wie die Pfarrer ihren jeweiligen Kirchengemeinderäten und der Gemeinde verkünden konnten, wurde dem Antrag auf Zusammenschluss vom Oberkirchenrat unlängst stattgegeben. Die Fusion zur neuen Evangelischen Kirchengemeinde Sulzbach-Spiegelberg tritt ab 1. Januar 2019 in Kraft.

Brigitte Fried

© Jörg Fiedler

Brigitte Fried

Von Ute Gruber

SULZBACH AN DER MURR/SPIEGELBERG. Agieren statt reagieren war wohl die Devise der Entscheidungsträger der beiden Gemeinden, die wie fast alle Kirchengemeinden mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen haben. Gerade Spiegelberg, das mit gerade mal 1009 Gläubigen als kleinste selbstständige Gemeinde im Bezirk schon jetzt keine volle Pfarrstelle zugewiesen bekommt, müsste beim nächsten oder übernächsten Pfarrplan, der 2024 beziehungsweise 2030 aufgestellt werden wird, mit einer weiteren Reduzierung, wenn nicht gar Streichung rechnen. Laut Christof Mosebach (58), der seit 15 Jahren Pfarrer in Sulzbach ist, liegt die sogenannte Pastorationsdichte bei 1700 Mitgliedern je volle Pfarrstelle – mit zukünftig knapp 3450 gemeinsamen Mitgliedern seien der neuen, fusionierten Gemeinde vorerst weiterhin zwei Pfarrstellen sicher.

Trotz dieser strategischen Argumente betonen beide Seelsorger, dass die Fusion vor allem inhaltlich begründet sei: „Beide können nur profitieren“, ist Brigitte Fried überzeugt. Die 62-jährige ist seit vier Jahren Pfarrerin in Spiegelberg und hat als Ergänzung zu dieser 75-Prozent-Stelle schon jetzt den Seelsorge-Auftrag (25 Prozent) für die Sulzbacher Teilorte im Lautertal. Auch sonst arbeitet man gut und gern zusammen: In der Urlaubszeit vertritt man sich gegenseitig, der Konfirmanden-Unterricht wird gemeinsam geplant, einmal im Monat gibt es einen Jugendkreis XXL beider Gemeinden. Bereits jetzt bearbeitet die Kirchenpflegerin Irmgard Fritz die Kassen beider Gemeinden und die Sulzbacher Jugendreferentin Caroline Maurer beginnt nun im Rahmen einer fünfjährigen Projektstelle mit dem Aufbau sogenannter lokalmobiler Angebote für Kinder und Jugendliche in den Spiegelberger Teilorten.

Es gilt, einen Fahrplan für das weitere Vorgehen zu entwickeln. Jede Gemeinde wird neben dem Seelsorger ihr eigenes Pfarramt mit Sekretärin behalten – als Anlaufstelle vor Ort. Auch die Gruppen und Kreise werden wie gewohnt weiter geführt. Es wird aber nur noch einen Haushaltsplan, ein Rechnungswesen und einen Kirchengemeinderat geben. Bis letzterer am 1. Dezember 2019 regulär neu gewählt wird, bilden die Gremien zusammen eine sogenannte Ortskirchliche Verwaltung (OKV). In Zukunft besteht der Rat aus acht Sulzbachern und vier Spiegelbergern. „Das entscheidet letztlich der Dekan.“ Selbiger, Wilfried Braun aus Backnang, steht der Fusion positiv gegenüber.

Die Verteilung der Aufgaben soll – frei nach Petrus1 – „gabenorientiert“ erfolgen, wie man betont: Während Brigitte Fried sich mehr auf die soziale Arbeit verlegen will, soll Christof Mosebach als Geschäftsführer die Verwaltungsaufgaben übernehmen. „Das mache ich ganz gern, wenn’s nicht überhandnimmt.“ Also Kindergartenplanung, Haushaltsplan, Ratsvorsitz oder Vertretung nach außen.

Durch den Zusammenschluss bleibe die Kirche zukunftsfähig, meint Fried, sie sieht aber auch die Ängste gerade der Spiegelberger, die um ihre Eigenständigkeit bangen: „Veränderung ist immer eine Herausforderung. Wir gehen darauf zu, bevor uns andere etwas diktieren.“ Um die Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren, ist ihr Motto: „So schnell wie möglich, aber so langsam wie nötig.“ Dass hier viele, vielleicht auch irrationale Emotionen im Spiel seien, müsse man beachten. Diese waren bei der Gemeinde-Informationsveranstaltung vor einem Jahr zutage getreten: Ob die Spiegelberger Kirche geschlossen werde? Kein Pfarrer mehr im Ort wohne? „Die Identifikation mit der Kirche geht oft über das Gebäude“, hat Fried festgestellt.

Eine betagte, regelmäßige Spiegelberger Kirchgängerin war bewusst nicht dort: „Das sollen die Jungen regeln.“ Sie habe mit den Fusionsplänen kein Problem, solange nur regelmäßig auch Gottesdienste im Ort stattfänden. Sie fährt aber auch gern mal woanders hin, wie neulich zum Bezirks-Gottesdienst in der Fürstenhütte, „solange ich noch selber mobil bin.“ Über den Widerstand in der Gemeinde kann sie sich nur wundern: „Die meisten, die jetzt so groß dagegen sind, sieht man in der Kirche selten.“ Dort sei noch ein harter Kern von etwa zwölf älteren Gottesdienstbesuchern, „manchmal sitzen wir da auch nur zu fünft“.

Möglichst viel will man bis Januar geklärt haben, aber „das erste Jahr ist ohnehin Erprobungsphase. Da tauchen vielleicht noch Fragen auf, die wir heute nicht mal ahnen.“ Eine bislang ungeklärte Frage ist der Beginn der Gottesdienste. Seither beginnt dieser um 9.30 Uhr in Spiegelberg und um 10 Uhr in Sulzbach. Dort gibt es auch Veranstaltungen wie Impuls- oder Schatzkästchen-Gottesdienst oder Kirchenkaffee, die etwas länger dauern. Sollen beide Gottesdienste vom selben Pfarrer gehalten werden, müssen die Zeiten passen. „Da haben wir im Vorfeld noch keine praktikable Lösung gefunden. Wir wollten das nicht übers Knie brechen“, sagt Fried, die gesundheitsbedingt nächstes Jahr in Rente geht, wie sie der Gemeinde mitgeteilt hat: „Aber bis Februar bin ich noch da.“

Einen Lichtblick gibt es für die Spiegelberger: Neben den zehn aktuellen Konfirmanden taufte die Pfarrerin im vergangenen Jahr zehn Kinder. Dank der vielen jungen Familien, die im Ort wohnen, ist die Gemeinde wieder gewachsen.

Der offizielle Fusions-Gottesdienst mit Dekan Wilfried Braun findet am Sonntag, 13. Januar, 2019 statt.

Christof Mosebach

© Jörg Fiedler

Christof Mosebach

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Erstellt:
1. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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