Im Podcast von Anne Will
Cem Özdemir: „Halte nichts davon, mich an Merz-Bashing zu beteiligen“
Im Podcast von Anne Will stellt sich der designierte Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hinter den Bundeskanzler. Das sind andere Töne als noch im Wahlkampf.
© LICHTGUT/Max Kovalenko
Der designierte Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) (hier im Haus der Abgeordneten) war am Mittwochabend im Podcast von Anne Will zu Gast.
Von Annika Grah
Der designierte Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei einer Podcast-Aufzeichnung Unterstützung ausgesprochen . „Ich halte nichts davon, mich an Friedrich-Merz-Bashing zu beteiligen“, sagte Özdemir am Mittwoch in der Stuttgarter Liederhalle. Es gebe aktuell bei einigen eine klare Agenda. Die heiße, so lange zu schießen, bis die CDU im Umgang mit der AfD weich werde. „Für die CDU ist das eine Existenzfrage“, sagte Özdemir.
Özdemir will für starke CDU kämpfen
Özdemir saß im Live-Podcast der Moderatorin Anne Will unter anderem mit der Journalistin Kristina Dunz auf der Bühne. Die pflichtete dem Grünen-Politiker bei, dass eine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD gefährlich sei: „Diese Leute machen sich nicht klar, dass die CDU danach tot ist.“ Özdemir ging noch weiter: „Wenn diese Partei ihren Kompass verliert, dann rutscht diese Republik.“ Er werde deshalb alles dafür tun, dass es eine starke CDU der Mitte gebe.
Özdemir schlägt damit andere Töne an als noch im Wahlkampf, in dem er etwa Merz‘ Versprechen, die Schuldenbremse einzuhalten, aufs Korn genommen hatte. Beim Parteitag im Dezember hatte er gesagt, die CDU habe der Bevölkerung „rotzfrech ins Gesicht gelogen“.
Hinter dem Grünen-Politiker liegen inzwischen wochenlange Verhandlungen mit der baden-württembergischen CDU. Am Mittwoch hatte er gemeinsam mit seinem designierten Vize, dem CDU-Landeschef Manuel Hagel, den Koalitionsvertrag für die neue Landesregierung vorgestellt. Wenn er heute einen Ratschlag an Merz geben sollte, wäre das: „Kündige weniger an und mach!“, sagte Özdemir. Er sei bereit, die Extrameile zu gehen und die Bundesregierung auch bei überparteilichen Vorhaben zu unterstützen.
Özdemir bereut Rückzug nach Bonusmeilen-Affäre nicht
Der Podcast stand unter dem Titel „Kann Deutschland sich neu erfinden?“. Anne Will sprach den Grünen-Politiker auf die Bonusmeilen-Affäre an, nach der er sein Bundestagsmandat abgab. „Ganz sicher war das eine Neuerfindung“, sagte Özdemir. Er habe damals auch viel gelernt. „Wenn jemand Verantwortung übernimmt, ist es immer ein Schuldeingeständnis.“
Özdemir hatte im Jahr 2002 nach acht Jahren sein Bundestagsmandat zurückgegeben, nachdem er beruflich gesammelte Bonusmeilen privat genutzt hatte. Zeitgleich wurde öffentlich, dass er einen Privatkredit eines PR-Beraters in Anspruch genommen hatte. Auch andere Politiker hatten Bonusmeilen privat verwendet, aber keine Konsequenzen gezogen. Er habe damals nicht aufgepasst, sagte Özdemir. Obwohl er wisse, dass er mit seinem Hintergrund nochmal anders aufpassen müsse als andere. Er bereue den zeitweisen Rückzug aus der Politik aber keine Sekunde, sagte der Grüne. Er habe sich damals beweisen können, dass er sich seine Brötchen auch außerhalb der Politik verdienen könne.
