Abschied nach 15 Jahren

Oper, Sinatra und Marschmusik – diese Stücke wünscht sich Winfried Kretschmann

Der Ministerpräsident wird zum Ende seiner Amtszeit mit einer Serenade der Bundeswehr geehrt. Was das zu bedeuten hat und was sich hinter seiner Musikauswahl verbirgt.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) war in den vergangenen Wochen nicht anzumerken, ob er sich auf seinen Abschied freut.

© imago/Chris Emil Janßen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) war in den vergangenen Wochen nicht anzumerken, ob er sich auf seinen Abschied freut.

Von Annika Grah

Es wird feierlich am Mittwoch im Ehrenhof des Stuttgarter Neuen Schlosses. Nach 15 Jahren wird Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in einem großen Festakt verabschiedet. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck spricht – und das Ulmer Heeresmusikkorps spielt eine Serenade. Was sich dahinter verbirgt und welche Stücke Kretschmann sich gewünscht hat:

Warum eine Serenade und kein großer Zapfenstreich?

Der Große Zapfenstreich ist besonderen Würdenträgern wie Generälen und Bundesministerinnen und -ministern vorbehalten. 2021 wurde etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer solchen Zeremonie verabschiedet. Die Serenade gehört ebenfalls zum Zeremoniell der Bundeswehr und dient zur Verabschiedung von politischen Würdenträgern – wie Winfried Kretschmann. In diesem Falle dürfen sich die Gewürdigten die Stücke selbst heraussuchen.

Welche Stücke hat Winfried Kretschmann gewählt?

Der Ministerpräsident ist als Opernliebhaber, aber auch als Freund von Blasmusik bekannt. Während beim Festakt im Neuen Schloss vor der Serenade noch Stücke aus Peter Tschaikowskys „Schwanensee“ und die Arie „Il mio Tresore“ aus Mozarts Oper Don Giovanni zu hören sind, geht es auf dem Ehrenhof trotz militärischer Begleitung musikalisch etwas lockerer zu. Los geht es mit dem Choral „Nun danket alle Gott“, es folgt der Marsch „Herzog von Braunschweig“, ein Medley von Frank-Sinatra-Songs und das „Hohenzollern-Lied“. Zum Abschluss werden Europahymne – Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“ – und die Nationalhymne gespielt.

Warum hat Kretschmann diese Stücke gewählt?

Die Playlist spiegelt die ganze Vielseitigkeit seiner Person wieder. Kretschmann ist gläubiger Katholik, daher war es ihm wichtig, dass der Choral vorne angestellt wird. Den Marsch hatte sich Kretschmann, der als Jugendlicher selbst Posaune gespielt hat, explizit gewünscht. Das Hohenzollern-Lied dürfte eine Referenz auf seine Heimat sein: Kretschmann wurde 1948 in Spaichingen geboren, das damals zu Württemberg-Hohenzollern gehört. Und die „Ode an die Freude“ ist inzwischen festes Symbol für die Einigkeit Europas, deren Bedeutung Kretschmann stets hervorgehoben hat.

Wie werden solche Stücke ausgewählt?

Die Auswahl für solche Anlässe ist nicht immer ganz einfach: Zum einen soll sich der Geehrte wiederfinden, aber – so ist auf den Seiten der Bundeswehr zu lesen – angesichts der Kürze der Zeit können auch nicht immer alle Wünsche erfüllt werden. Denn die Lieder müssen für die Blaskapelle arrangiert werden. Große Opernarien oder harte Gitarrenriffs wie bei Metallica sind schwer umzusetzen. Und auch Kretschmann konnten offenbar nicht alle Wünsche erfüllt werden.

Wer steht auf der Gästeliste?

Im Grunde alles was Rang und Namen hat im Land. Große Unternehmer und Unternehmerinnen sind geladen, wie Reinhold Würth, Wolfgang Grupp und Nicola Leibinger-Kammüller, mit der Kretschmann freundschaftlich verbunden ist. Dazu kommen einige seiner Amtskollegen wie Armin Laschet, Reiner Haseloff, Malu Dreyer und als amtierender Ministerpräsident Michael Kretschmer. Selbstverständlich ist auch sein Nachfolger in spe, Cem Özdemir, und CDU-Landeschef Manuel Hagel mit von der Partie. Hinzu kommen Adelige wie Wilhelm Herzog von Württemberg und Bernhard Markgraf von Baden. Auch der Enkel des früheren Bundespräsidenten, Ludwig Theodor Heuss, steht auf der Gästeliste.

Warum fehlt Bundesprominenz?

Sowohl die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Bundeskanzler Friedrich Merz waren geladen, werden aber nicht beim Festakt dabei sein. Allerdings gibt es im Mai auch noch eine Verabschiedungsfeier in der Landesvertretung in Berlin, wo viele Gäste aus der Berliner Bundespolitik erwartet werden.

Ist Kretschmann dann nicht mehr im Amt?

Doch die Amtszeit des Ministerpräsidenten endet laut Landesverfassung erst im Mai, wenn der neue Landtag zusammentritt. Die konstituierende Sitzung ist am 12. Mai geplant.

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Erstellt:
28. April 2026, 14:26 Uhr

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