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Opfer mit Kettensägen zerlegt: Mordprozess gegen Familie

dpa/lsw Ellwangen. Wer diesen Prozess verfolgt, braucht gute Nerven. Es geht um drei grauenhafte Morde. Immer wieder kommen schlimme Details zur Sprache - manches erscheint schlicht unfassbar.

Der Vater (M) wird zusammen mit seinen Söhnen (l und 2.v.r) von Justizwachtmeistern bewacht. Foto: Stefan Puchner/dpa

Der Vater (M) wird zusammen mit seinen Söhnen (l und 2.v.r) von Justizwachtmeistern bewacht. Foto: Stefan Puchner/dpa

Zerstückelte Leichen, Körperteile in einer Gefriertruhe und ein Mann, der seinen Söhnen Mordanweisungen erteilt haben soll: Grauenhafte Details sind am ersten Tag des aufsehenerregenden Prozesses um einen Dreifachmord zur Sprache gekommen. Vor dem Landgericht Ellwangen müssen sich seit Dienstag ein Vater und seine beiden Söhne wegen Mordes verantworten.

Die Leichen von zwei der drei männlichen Opfer wurden laut Staatsanwaltschaft mit Kettensägen zerlegt. Alle drei wurden demnach gewürgt, bis der Erstickungstod eintrat. Die beiden Brüder - 33 und 31 Jahre alt - räumten die ihnen vorgeworfenen Taten zu Beginn des Prozesses weitgehend ein. Der 55 Jahre alte Vater machte zunächst nur Angaben zu seiner Person, verweigerte aber inhaltliche Aussagen.

„Ich habe am Seil gezogen, der Mann hat gezappelt - bis der keine Luft mehr bekam“, schilderte der 33-Jährige einen 2014 begangenen Mord. An dieser Tat sollen laut Staatsanwaltschaft alle drei Angeklagten beteiligt gewesen sein. Das Opfer war der Lebensgefährte der Tochter der Familie. „Der Mann hat sich dabei in die Hosen gemacht“, berichtete der 31-jährige Sohn. Die Mordanweisung habe der Vater gegeben, sagte der 33-Jährige: „Papa hat gesagt, der muss weg.“ Beide schilderten den Vater als hart und befehlsgewohnt.

Die drei Angeklagten in dem von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleiteten Prozess sind italienische Staatsbürger. Die Söhne wurden in Heidenheim in Baden-Württemberg geboren, der Vater auf Sizilien. Ihm werden drei Morde zur Last gelegt, dem ältere Sohn zwei und dem jüngere einer. Tatort in allen drei Fällen: Sontheim an der Brenz, wo die Familie wohnt. Die Morde sollen 2008, 2014 und 2019 begangen worden sein. Die Opfer waren zuerst der Schwiegersohn des angeklagten Familienvaters, später der neue Lebensgefährte seiner Tochter und zuletzt ein Garagenbesitzer.

Laut Anklage soll der 55-Jährige den Ehemann der Tochter im Februar 2008 erwürgt haben, weil er „gegen die Beziehung seiner Tochter zu dem türkischen Staatsangehörigen muslimischen Glaubens“ gewesen sei. Der Verbleib der Leiche dieses Opfers blieb unklar.

Im Oktober 2014 sollen der Vater und beide Söhne den Lebensgefährten der Tochter beziehungsweise der Schwester in einer Garage umgebracht haben. Der Mann habe die Frau und ihre zwei Kinder schwer misshandelt, gab der 33-Jährige bei der Befragung durch den Vorsitzenden Richter Gerhard Ilg als Mordmotiv an. Der Mann habe die Kinder gezwungen, „sich mit Scheiße und der Klobürste die Zähne zu putzen“.

Deshalb hätten sie den Mann mit einem Seil erdrosselt. Die Leiche hätten sie zunächst in einer Gefriertruhe aufbewahrt. Tage später habe er seinem Vater geholfen, sie mit einer Kettensäge zu zerlegen, berichtete der 33-Jährige. „Wir haben Folie ausgelegt und Schutzkleidung angezogen.“ Ob die Leiche dabei nackt war oder Kleidung trug, wollte der Richter wissen. Antwort: „Papa hat ihn ausgezogen, Papa hat auch gesägt.“

Mehrfach beteuerte der 33-Jährige: „Ich bereue das. Sowas zu sehen, wünsche ich niemandem.“ Die Leichenteile habe das Trio dann in Fässer gepackt und diese zubetoniert. Einige Zeit später sei die Familie mit einem Pritschenwagen nach Sizilien in den Urlaub gefahren. Dort hätten der Vater und der ältere Sohn die Fässer in einem Wald abgeladen. Die Mutter habe von dem all dem nichts mitbekommen. Und der Schwester habe man weisgemacht, ihr Lebensgefährte sei „abgehauen“ - genau wie angeblich Jahre vorher schon ihr Ehemann.

Den dritten Mord sollen im Mai 2019 der Vater und der ältere Sohn begangen haben. Das Opfer war ein 59 Jahre alter Mann, den die Familie schon lange kannte. Von ihm hatte sie eine Garage gemietet. Diesmal war laut Anklage Habgier das Motiv. Vater und Sohn sollen den Mann im Dachgeschoss ihres Wohnhauses geschlagen und gefesselt haben. Dann sei er gezwungen worden, gefälschte Verträge über Geldzahlungen in Höhe von 130 000 Euro zu unterschreiben und zudem die PIN seiner EC-Karten preiszugeben.

Von den Konten seien später 15 500 Euro abgehoben worden. Mit den Verträgen hätten die Beschuldigten gegenüber den Erben des Opfers Vorauszahlungen für ein Grundstück „beweisen“ wollen. Der 59-Jährige sei erdrosselt, dann ebenfalls in einer Gefriertruhe aufbewahrt „und einige Tage später in Teile zerlegt“ worden, so die Anklage.

Das Landgericht hat für den Prozess elf Verhandlungstage angesetzt. Mit Urteilen wird kurz vor Weihnachten, am 20. Dezember, gerechnet.

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Erstellt:
26. November 2019, 16:22 Uhr

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