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Ortsdurchfahrt ab Donnerstag gesperrt

In Bartenbach muss die Brücke über den Haselbach neu gebaut werden. Die Vollsperrung der Landesstraße zwischen Sulzbach und Murrhardt wird die Verkehrsteilnehmer elf Wochen lang vor große Probleme stellen. Die Arbeiten stellen sich als schwierig heraus.

Seit einigen Tagen bereits wird der Verkehr einspurig über die Brücke geführt. Von Donnerstag an ist die Straße endgültig dicht. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Seit einigen Tagen bereits wird der Verkehr einspurig über die Brücke geführt. Von Donnerstag an ist die Straße endgültig dicht. Foto: J. Fiedler

Von Ute Gruber

SULZBACH AN DER MURR. Kommenden Donnerstag wird es ernst: Mit Beginn der Sommerferien wird die Landesstraße L1066 zwischen Murrhardt und Sulzbach an der Murr komplett gesperrt. Grund ist der vollständige Abriss und Neubau der Brücke über den Haselbach. Bei dieser alten Gewölbebrücke im Sulzbacher Teilort Bartenbach, deren Natursteinbasis noch aus dem Jahr 1850 stammt, wurden bei einer Routineprüfung Risse im Scheitel festgestellt.

Bei der Straße, die über die Brücke führt, handelt es sich um eine wichtige, ausgewiesene Schwerlasttrasse. In der Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) 2016, die alle vier Jahre durchgeführt wird, hat die Straßenbauverwaltung Baden-Württemberg für den Zeitraum 2017 bis 2020 (unter Berücksichtigung der voraussichtlich zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel) ein Erhaltungsmanagement Landesstraßen erstellt. Darin ist auch die Sanierung dieser Landesstraße vorgesehen, die besonders belastet ist durch den Ausweichverkehr von Lastwagen, die diese Strecke gerne nutzen, um damit Autobahnmaut zu umgehen. So lautet die Antwort des Verkehrsministeriums auf eine sogenannte Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Gernot Gruber (SPD).

Um bis Baubeginn weitere Schäden an der Brücke zu verhindern, war die Geschwindigkeit in der Ortsdurchfahrt seit gut zwei Jahren auf 30 Stundenkilometer begrenzt worden. Mobile Baken links und rechts der Fahrbahn zwangen durchfahrende Fahrzeuge, diese Beschränkung auch einzuhalten. Sehr zur Freude der Anwohner – der Straßenlärm ist deutlich geringer geworden.

Seit gut drei Wochen gibt es einen Vorgeschmack auf die Sperrung. Die offizielle Umleitung des überörtlichen Verkehrs ist eingerichtet und führt ab Sulzbach über die B14 bis Mainhardt, dort in Stock auf die L1050 Richtung Oberrot und in Fichtenberg wieder auf die L1066 Richtung Gaildorf. Um das Baufeld frei zu machen, wurde die Brücke vorläufig nur halbseitig gesperrt, eine Ampel regelt den Verkehr. Nachdem sich in den ersten Tagen wegen zu kurzer Phasen kilometerlange Staus bildeten, sodass man im Feierabendverkehr für die 2,5 Kilometer von Sulzbach bis Bartenbach eine Stunde brauchte, wurde die Ampelschaltung inzwischen angepasst und ein zügiges Durchkommen ermöglicht.

Straße jenseits der Murr darf nur in einer Richtung befahren werden.

Endgültig ist dagegen in Bartenbach bereits die Umleitungsregelung des Stromberg-Murrtal-Radweges, der gerade hier im ebenen Oberen Murrtal stark frequentiert ist und von vielen Arbeitnehmern auch als sportlicher Weg zur Arbeitsstelle genutzt wird. Die Gemeindestraße jenseits der Murr nach Schleißweiler, in Verlängerung der Industriestraße, darf nur noch in dieser Richtung genutzt werden und ist jetzt auch an Wochenenden für Kraftfahrzeuge frei. Diese Einbahnregelung gilt entgegen landläufiger Auffassung auch für Fahrradfahrer. Dies ist schon in eigenem Interesse unbedingt zu beachten, da hier demnächst mit einem höheren Verkehrsaufkommen zu rechnen ist. In der Gegenrichtung werden die Radfahrer noch vor der Murrbrücke am Ortseingang von Schleißweiler nach rechts auf die Aladinstraße geleitet, weiter über die Grimmstraße und am Ortsende von Bartenbach scharf rechts bis auf den Radweg direkt neben der L1066. Genaueres ist im eigenen Internetportal dieses Radweges nachzulesen.

Eine Sonderregelung gibt es für den Linienbus sowie Einsatzfahrzeuge: Eine innerörtliche Umleitung über die Grimmstraße mit Ersatzhaltestellen an den Abzweigen der L1066 in die Grimmstraße wird mit einer Ampelanlage ausgestattet, die nur von den Busfahrern per Handsender auf Grün geschaltet werden kann – um Missbrauch zu vermeiden. Für den Anliegerverkehr gibt es eine Umleitungsregelung, die aber noch erprobt werden muss.

Dass die Vollsperrung bis 10. Oktober vorgesehen ist und es auch anschließend wieder erst nur eine halbseitige Öffnung der Brücke geben wird, ist laut Regierungspräsidium den schwierigen Verhältnissen vor Ort geschuldet: „Das neue Brückenbauwerk wird auf zwei Bohrpfahlreihen gegründet, die auch gleichzeitig die Brückenwiderlager bilden und auf die die sogenannte Brückenüberbauplatte aufbetoniert wird. Im Rahmen der Planung des neuen Brückenbauwerks wurden verschiedene Varianten untersucht. Diese Variante hat sich für die vorhandenen (ungünstigen) Baugrundbedingungen und beengten Platzverhältnisse als optimale Lösung herausgestellt. Dadurch konnte die Bauzeit so weit wie möglich minimiert werden.“ Erschwerend kommt hinzu, dass sämtliche Versorgungsleitungen für Strom und Telefon (Telekom und Vodafone) sowie Leerrohre wieder in die Brücke verlegt werden müssen – wofür die jeweils zuständigen Betreiber anrücken müssen. Da rings um die Brücke Häuser stehen, gibt es wenig Platz für den Einsatz von Personal und Geräten und müssen außerdem Abbruch und Bohrarbeiten mit möglichst geringen Erschütterungen durchgeführt werden – alles Aspekte, die Zeit kosten.

Apropos kosten: 900000 Euro wird das Land Baden-Württemberg für die neue Brücke ausgeben. Durch den größeren, rechteckigen Durchlass soll es dann selbst bei einem Hochwasser, wie es nur alle 100 Jahre vorkommt (ein HQ 100), zu keiner Überflutung der Umgebung mehr kommen. Diese Berechnung beinhaltet sogar einen Klimawandelzuschlag.

Bau des Kreisverkehrs am Sulzbacher Eck ist nicht parallel möglich

Dass die Baumaßnahme infolge der schwierigen Bedingungen deutlich komplexer wurde als zunächst angenommen, was den Baubeginn um zwei Jahre verzögert hat, hat bedauerliche Auswirkungen für Sulzbach: Die Gemeinde kann ausgerechnet in diesem Jahr den geplanten Kreisverkehr am Sulzbacher Eck finanziell nicht stemmen.

Der Kreisverkehr an der stark befahrenen Kreuzung der Umgehungsstraße1066 neben dem Netto-Markt würde 860000 Euro verschlingen, von denen die Gemeinde selbst 330000 Euro zahlen müsste. Eigentlich sollte der Kreisel zeitgleich mit der Brückenerneuerung gebaut werden. Die kommende Vollsperrung der Landesstraße hätte die Bauarbeiten deutlich erleichtert.

In den Jahren 2018 und 2019 wurden die nötigen Mittel für den Kreiselbau im Sulzbacher Haushaltsplan eingestellt, andere Maßnahmen wie die Sanierung der Realschule wurden dagegen zurückgestellt. Nun hat der Gemeinderat für 2020 beschlossen, endlich die überfälligen Investitionen in Schulen und Digitalisierung durchzuführen, auch der umfangreiche Hochwasserschutz kostet weiterhin Millionen.

Fatalerweise sind gerade im laufenden Jahr die finanziellen Mittel der Gemeinde besonders begrenzt. Einerseits durch geringere Steuereinnahmen, andererseits durch die Tatsache, dass sich öffentliche Abgaben und Zuweisungen am vorvergangenen Jahr orientieren. Da 2018 aber ein besonders erfolgreiches Jahr war, müssen 2020 rund zwei Millionen mehr abgegeben werden und es gibt rund 1,7 Millionen weniger Zuweisungen. In der Summe stehen der Gemeinde also mindestens 3,7 Millionen Euro weniger zur Verfügung. Pech für den Kreisel.

Den Brückenbau kurzzeitig zu verschieben, ist wiederum nach Angaben der Verkehrsbehörde nicht möglich, weil anscheinend für die nächsten Jahre bereits von anderen Gemeinden Straßenbaumaßnahmen unter Vollsperrung angekündigt wurden, die eine Umleitung für die Vollsperrung in Bartenbach unmöglich machen würden.

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Erstellt:
28. Juli 2020, 06:00 Uhr

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