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Parkbuchten fallen Schweinepest zum Opfer

Beliebte Haltebuchten entlang des Autobahnzubringers Backnang–Mundelsheim aus Präventionsgründen geschlossen

Rot-weiße Baken entlang des Autobahnzubringers Backnang–Mundelsheim lassen keinen Zweifel aufkommen: Vier Parkbuchten zwischen der Hardtwaldkreuzung und Großbottwar dürfen nicht mehr genutzt werden. Grund: Mit der Sperrung soll die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest verhindert werden. Ein hehres Ziel zwar, aber doch sehr zum Nachteil vieler Lastwagenfahrer und Landwirte. Diese können diese Parkbuchten nun nicht mehr nutzen.

Hinweistafeln geben Verhaltenstipps für Nutzer der Haltebuchten. Dabei können diese wegen der Baken gar nicht mehr angesteuert werden. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Hinweistafeln geben Verhaltenstipps für Nutzer der Haltebuchten. Dabei können diese wegen der Baken gar nicht mehr angesteuert werden. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG/ASPACH. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist nicht zu unterschätzen und steht kurz davor, Deutschland zu erreichen. Sie ist zwar für den Menschen ungefährlich, infizierte Schweine jedoch bezahlen die Ansteckung mit dem Leben. Und da sich die hochansteckende Seuche seit 2007 auch in Europa ausbreitet, sind hierzulande Millionen Haus- und Wildschweine bedroht. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unternimmt daher alles, die Ausbreitung zu unterbinden. Und weil die Krankheit unter anderem mittels Lebensmittel übertragen wird, wurden die Parkbuchten entlang des Autobahnzubringers im Bereich des Hardtwalds schon im Sommer vergangenen Jahres dichtgemacht. Diese Parkbuchten waren bei Fernfahrern beliebte Übernachtungsstellplätze, zumal die Parkplätze entlang der Autobahnen seit Jahren ständig überbelegt sind.

Gefährliche Seuche wird vor allem durch Menschen verbreitet

Wenn die Trucker jedoch Pause machen, dann nutzen sie die Gelegenheit auch zum Kochen und Vespern. Und eben hierin liegt das Problem. Denn die Schweinepest wird fast ausschließlich durch menschliche Einschleppung verbreitet. Vor allem über Essensreste, da sich der Virus dort viele Monate in Dauerwaren, Blut oder gefrorenen Produkten halten kann. Helmut Bleher, der Geschäftsführer des Bauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems, erklärt dazu: „Im Grunde könnte schon ein Rädchen Wildschweinsalami aus Rumänien oder Tschechien die ASP bei uns auslösen.“

Andreas Fritz, Pressereferent des Landratsamts Ludwigsburg, bestätigt, dass die Sperrung ausschließlich darin begründet ist, die ASP-Ausbreitung zu verhindern. Für Fritz gibt es keine Alternative zur Schließung der Parkbuchten. Zwar werden auf großen Hinweistafeln des Ministeriums Nutzer der Parkbuchten darauf hingewiesen, sie mögen Speisereste ausschließlich in verschlossene Müllbehälter werfen. Aber erstens gibt es an den vier erwähnten Parkbuchten keine Müllbehälter. Und zweitens können die Parkbuchten aufgrund der Baken nicht mehr gefahrlos angefahren werden, von Lastwagen sowieso nicht. Dessen ungeachtet lehnt Fritz Abfallbehälter grundsätzlich ab: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein aufgestellter Mülleimer dazu einlädt, noch mehr Müll daneben abzulegen. Somit würde dann der Müll direkt auf der Parkfläche liegen und den Wildschweinen noch besser zugänglich sein.“

Auch der Fakt, dass durch die Schließung der Parkbuchten für die Trucker wieder mehrere Stellplätze für Pausen wegfallen, beeindruckt Fritz wenig: „Diese Haltebuchten sind keine Abstellplätze für Lkw, sondern dienen zum kurzen Anhalten.“ In der Abwägung zählt für ihn die Minimierung von Verbreitungsmöglichkeiten der Schweinepest mehr als der dringend benötigte Parkraum.

Zwei Kilometer weiter wird der Parkplatz beim Aspacher Karlshof heute noch sehr gerne als Rastplatz genutzt, oft auch von Lkw-Fahrern aus Osteuropa. Für Fritz ist dies kein Grund, die Schließung der Parkbuchten infrage zu ziehen. Er schreibt: „Die Situation an den Parkbuchten im Rems-Murr-Kreis und das sich daraus ergebende Gefahrenpotenzial in Bezug auf die Schweinepest muss der Rems-Murr-Kreis beurteilen.“

Die Schließung der Parkbuchten beraubt jedoch auch den Landwirten die Möglichkeit, mit langsam fahrenden Traktoren oder Mähdreschern rechts ranzufahren und die aufgestauten Fahrzeugkolonnen vorbeiziehen zu lassen. Bauernverbandsgeschäftsführer Bleher stellt aus Sicht der Landwirte fest, „dass man die Vorteile dieser Buchten zu schätzen weiß und wo immer auch die Möglichkeit nutzt, zur Vermeidung von Schlangenbildung kurz rauszufahren und überholen zu lassen.“ Nachdem diese Buchten neben dem Autobahnzubringer nicht mehr zugänglich sind, wird dies den Bauern in Zukunft kaum mehr möglich sein. Pressesprecher Fritz sieht dies nüchterner: „Landwirtschaftliche Fahrzeuge können, wie auf allen anderen Straßenabschnitten dieser Straße oder anderen Kreis-, Landes- und Bundesstraßen, überholt werden. Dazu sind keine Haltebuchten notwendig.“

Kommentar
Lkw-Fahrer brauchen mehr Stellplätze

Von Matthias Nothstein

Die Parkbuchten werden geschlossen, um die Ausbreitung der Schweinepest zu verhindern. Wirklich? Die Argumentation klingt zwar logisch und sinnvoll, eigentlich dürfte da doch niemand ernsthaft widersprechen. Aber ist dies das wirkliche Motiv? Welchen Sinn machen dann zum Beispiel diese Hinweistafeln, wenn die Angesprochenen den Platz gar nicht mehr ansteuern können?

Vermutlich geht es in Wirklichkeit um ein ganz anderes Ärgernis, nämlich um die wild parkenden Lastwagen. Doch Obacht. Wer sich nämlich darüber aufregt, dass manche Trucker äußerst fragwürdig auf den Ein- und Ausfahrten von Autobahnraststätten oder auf Kleinststellplätzen parken, der soll all jenen gescholtenen Fahrern, die ihre gesetzlich geforderten Ruhezeiten penibel einhalten müssen, erst einmal gescheite Alternativen bieten. Außerhalb der überfüllten Autobahnrastplätze werden sie nirgendwo geduldet. Wohngebiete sind selbstredend tabu. Aber auch in Industriegebieten sind die Übernachtungstrucker nicht gerne gesehen. Und jetzt werden auch noch solche Parkmöglichkeiten aus dem Verkehr gezogen, die eigentlich ganz geschickt liegen.

Dann – liebes Ministerium – bitte ganz schnell andere Parkplätze bauen! Und an die Adresse all jener, die jetzt nölen, bitte nicht noch mehr Natur verbauen: Dann lebt alle so, dass nicht so viele Lastwagen fahren müssen! Den Truckern aber einfach nur zu sagen „Hier nicht!“, ist keine Lösung.

m.nothstein@bkz.de

Info
Tipps in sechs Sprachen

Auf den Hinweistafeln des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft steht unter der Überschrift „Achtung: Afrikanische Schweinepest!“ folgender Text: „Seit 2007 breitet sich die Afrikanische Schweinepest in Europa aus und bedroht Millionen Haus- und Wildschweine. Lebensmittel können diese, für den Menschen ungefährliche, Krankheit übertragen. Bitte werfen Sie Speisereste nur in verschlossene Müllbehälter!“

Die Hinweise sind in sechs Sprachen gedruckt. Neben Deutsch und Englisch auch in Russisch, Tschechisch, Polnisch und Rumänisch.

Mit den Hinweistafeln sollen vor allem osteuropäische Durchreisende sensibilisiert werden, insbesondere dann, wenn sie sich mit eigenen mitgebrachten Nahrungsmittel versorgen. Die mehrsprachigen Infotafeln wurden an einschlägig bekannten Rastplätzen angebracht.

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Erstellt:
14. Juni 2019, 06:00 Uhr

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