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Partnerschaft auf neue Art

Die vor 18 Jahren begründete Kooperation zwischen Kreisjugendring und Kreisjugendamt im Backnanger Kreishaus der Jugendarbeit wird auf neue Beine gestellt. Künftig nutzt der Jugendring die Immobilie in der Marktstraße allein.

Kreishaus der Jugendarbeit in Backnang: Künftig nutzt der Kreisjugendring die Immobilie allein. Schon jetzt sind dort unter anderem (oben, von links) Jutta Reber und Geschäftsführerin Marita Trautner sowie (unten, von links) Simon Maier und Ellen Klinger anzutreffen. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Kreishaus der Jugendarbeit in Backnang: Künftig nutzt der Kreisjugendring die Immobilie allein. Schon jetzt sind dort unter anderem (oben, von links) Jutta Reber und Geschäftsführerin Marita Trautner sowie (unten, von links) Simon Maier und Ellen Klinger anzutreffen. Foto: J. Fiedler

Von Armin Fechter

BACKNANG/WAIBLINGEN. „Mein erster Gedanke war: Die haben Krach miteinander“, bekannte Kreisrätin Bettina Jenner-Wanek (CDU) im Jugendhilfeausschuss. Sandra Bührle (Grüne) bestätigte: „Ich war auch erst überrascht.“

Im Kreishaus der Jugendarbeit hatten sich der Kreisjugendring und das Kreisjugendreferat des Jugendamts zusammengetan. Es war ein räumlicher und zugleich inhaltlicher Zusammenschluss. Das gemeinsame Dach in der Marktstraße sollte dazu dienen, die Zusammenarbeit bei ähnlichen Aufgabenstellungen zu festigen, gemeinsame Ressourcen zu nutzen und ein Signal für eine starke Kinder- und Jugendarbeit zu setzen.

Damit war es auch über lange Zeit ein Erfolgsmodell, wie Landrat Richard Sigel sagte. Das bundesweit einzigartige Vorzeigeprojekt wurde von vielen Landes- und Bundespolitikern besucht und für gut befunden, zuletzt von Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha, der im Juli 2018 vor Ort kam.

Auf beiden Seiten haben sich Veränderungen eingestellt.

Doch auf beiden Seiten haben sich mit den Jahren Veränderungsprozesse vollzogen, die, so Sigel, Anlass zum Nachsteuern gaben. Für den Kreisjugendring machte dessen Vorsitzender Marcus Lenz deutlich, dass man sich der Frage gestellt habe, wie man sich weiterentwickeln und was man besser machen könne. Schließlich hat sich der KJR verändert: Als anerkannter Träger der Jugendhilfe hat er vermehrt Projekte an Land gezogen, beispielsweise die Partnerschaft für Demokratie im Weissacher Tal und in Althütte. Damit verbunden waren personelle Verstärkungen – und weil der Platz in dem Haus in der Backnanger Marktstraße nicht ausreichte, baute man eine Dependance in Waiblingen auf. Daran änderte sich prinzipiell auch nicht viel, als es für den Projektträger KJR 2014 einen Rückschlag zu verkraften galt: Sowohl bei EU- als auch bei Bundes- und Landesprogrammen traten damals neue Förderrichtlinien in Kraft mit der Folge, dass einige Projekte eingestellt wurden.

Veränderungen sind über die Jahre auch beim Jugendamt eingetreten. So gab es in diesem Bereich der Kreisverwaltung eine Organisationsuntersuchung, die 2018 in eine Neustrukturierung der Behörde und einen massiven Stellenausbau mündete. Im Zuge dessen wurde im Amt der neue Bereich Kinder- und Jugendförderung eingeführt. Damit stellte sich, wie Bereichsleiterin Birte Brinkmann erläuterte, die Frage, ob das Kreishaus seiner ursprünglichen Idee noch gerecht werden kann. „Damals war es genau richtig und wichtig“, sagte sie im Blick zurück auf die Gründung im Jahr 2002. Aktuell gehe es aber darum, für beide Seiten klare Rollen und Aufgaben zu definieren, wobei der Kreishausgedanke weitergetragen werden solle. Die Kooperation solle weiterhin gepflegt und gestärkt und die themenspezifische Zusammenarbeit mit Fachtagen und gemeinsamen Angeboten besser verankert werden.

Parallel war auch die räumliche Situation immer wieder ein Thema: Wie würden sich die beengten Verhältnisse in dem Haus in der Marktstraße verbessern lassen? In einem ersten Schritt zur Entlastung holte der Landkreis zwei Stellen, die zuvor noch im Kreishaus verortet waren, im Oktober 2018 zu sich ins Kreisjugendamt in der Erbstetter Straße: die Fachstelle Derex (Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention) und die Fachstelle Soja (Sozialraumorientierung und Jugendbeteiligung). Das ergab zwar eine leichte räumliche Verbesserung, löste aber die Frage nach der Identität des Kreishauses nicht und ermöglichte auch keine weiter reichende räumliche Anpassung. Vor diesem Hintergrund sei der Gedanke, Jugendamt und Jugendring zu trennen, „erst mal erschreckend“, räumte Brinkmann ein. Sie fügte aber hinzu, das Kreishaus dürfe man eben nicht als Immobilie begreifen, sondern als Kooperation. Es müsse klar sein, wer welche Aufgaben hat. Gleichzeitig versicherte sie: „Wir sind dabei, die Kooperation zu verstetigen.“

Marcus Lenz kündigte aus der Warte des Kreisjugendrings an, man werde die in Waiblingen angesiedelten Arbeitsbereiche nach Backnang holen, ja, man befinde sich bereits weit im Prozess des Umzugs. Und man habe auch bereits die nächsten gemeinsamen Projekte mit dem Jugendamt in der Pipeline: „Die räumliche Nähe braucht man nicht, das zeigt sich ja in der aktuellen Lage“, spielte er auf den coronabedingten Übergang auf neue Kommunikationswege an.

Wege und Formen der Zusammenarbeit werden definiert.

Brinkmann zeichnete zudem ein neues Bild vom Kreishaus, über dem als Dach die immobilienfreie Kooperation errichtet ist. Als Fundament dient die Struktur der Zusammenarbeit, zu der eine gemeinsame Steuerungsgruppe gehört. Die unterschiedlichen Themen, die flexibel und bedarfsorientiert betrieben werden und von der gendersensiblen Arbeit bis zur Jugendhilfeplanung reichen, sind im Wohnraum untergebracht. Daneben gibt es noch einen Geräteschuppen mit den jeweiligen Methoden und Instrumenten, zu denen etwa AGs und Netzwerkarbeit gehören, und eine Terrasse für den Austausch und die Zusammenarbeit bei nicht klassischen Kreishausthemen.

„Das Häuschen ist zu einem stabilen Anwesen geworden“, beschrieb Landrat Sigel die Darstellung. Die Kreisrätinnen Jenner-Wanek und Bührle würdigten die Veränderungen als mutige Entscheidung. Der Umzug des Kreisjugendreferats in die Villa der Außenstelle des Landratsamts ist bereist erfolgt. Der Kreisjugendring strebt mittelfristig die Auflösung des Standorts Waiblingen und die Zusammenlegung in der Marktstraße an. Eine Kooperationsvereinbarung soll fixiert und der Kreisjugendring bei seinen originären Aufgaben als Dachverband für Vereine und Verbände gestärkt werden.

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Erstellt:
8. Juli 2020, 06:00 Uhr

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