Patienten bekommen mehr Bio auf den Teller

Die Rems-Murr-Kliniken vergeben die Speisenversorgung neu und setzen stärker auf Produkte aus der Region.

Mehr Produkte aus der Umgebung soll es künftig an den Rems-Murr-Kliniken geben.  Archivfoto: Alexander Becher

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Mehr Produkte aus der Umgebung soll es künftig an den Rems-Murr-Kliniken geben. Archivfoto: Alexander Becher

Winnenden/Schorndorf. Die Rems-Murr-Kliniken haben die Speisenversorgung neu vergeben und wollen damit ab 2024 Maßstäbe setzen. Nach eigenen Angaben bringen die Rems-Murr-Kliniken ab dann noch mehr Leckeres aus der Region auf die Teller der Patientinnen, Patienten und Mitarbeitenden. Rund die Hälfte der Speisen werde künftig von Anbietern aus der Region bezogen, heißt es aus der Unternehmenskommunikation. Außerdem würden die Kliniken den Bioanteil erhöhen und im kommenden Jahr eine Biozertifizierung anstreben. Mit der Ausschreibung verbindlicher Quoten zu regionalen Produkten und einem Bioanteil in der Speisenversorgung würden ab Februar 2024 Maßstäbe bei der Qualität der Speisen gelten, die es in dieser Form bundesweit bisher nur in wenigen Kliniken gebe.

„Wir reden im Rems-Murr-Kreis nicht nur über Nachhaltigkeit und Klimaschutz, sondern wir nutzen unsere Gestaltungsspielräume als Landkreis gezielt, um gesetzte Ziele zu erreichen. Die Anregungen aus dem Kreistag zu mehr regionalen Produkten in der Speisenversorgung wurden daher bei den Rems-Murr-Kliniken bei der Neuvergabe der Speiseversorgung umgesetzt“, wird Landrat Richard Sigel, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Rems-Murr-Kliniken ist, in einer Pressemitteilung zitiert. Die verbindlichen Vorgaben seien auch ein Baustein, der zur Bio-Musterregion Rems-Murr-Ostalb passe, die 2020 gegründet wurde und vom Land jüngst eine erneute Förderzusage erhalten habe.

Mehrkosten von 200.000 Euro im Jahr

Klinikgeschäftsführer André Mertel belegt die Größe des Beitrags mit Zahlen: Pro Jahr würden 940.000 Mahlzeiten zu den Menschen in den Rems-Murr-Kliniken gebracht. Mehr als die Hälfte der Speisen sei aus biologischem oder regionalem Angebot. Mertel wertet das als ein starkes Signal für den Stellenwert, der der Qualität in den Kliniken eingeräumt werde. Es sei auch ein klares Bekenntnis zur Region. Daher seien die Mehrkosten, die mit der Neuvergabe noch höherer Qualitätsstandards verbunden seien, auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten eine gute Investition für Patienten und Mitarbeitende. Die Kliniken rechnen mit Mehrkosten von jährlich 200.000 Euro.

Ein regional ansässiges und spezialisiertes Beratungsunternehmen hat die Angebote verschiedener Dienstleister geprüft und bewertet. In die Bewertungsmatrix flossen Punkte wie der Bioanteil sowie Nachhaltigkeitsaspekte wie Gesundheit, Umwelt, Klima, Soziales, Transportwege und Tierwohl ein. Auch die Angebotsvielfalt der Speisepläne und die Versorgungssicherheit spielten eine wichtige Rolle bei der Auswahl des passenden Dienstleisters. „Gerade Versorgungssicherheit ist für uns als Klinik ebenfalls wichtig, damit wir für die vielen Menschen zuverlässig jeden Tag ein passendes Speisenangebot bereitstellen können. Es muss auch gesichert sein, dass den zahlreichen Anforderungen, die gerade bei der Patientenverpflegung eine wichtige Rolle spielen, Rechnung getragen werden kann“, sagt Marc Schumacher, Geschäftsbereichsleiter Wirtschaft und Versorgung der Rems-Murr-Kliniken.

Caterer setzt auf DGE-Standard

Den höchsten Punktwert im Ausschreibungsverfahren erzielte die Firma Sander Catering GmbH, die den Zuschlag für zunächst drei Jahre, beginnend mit dem 1. Februar, erhielt. Sander Catering, so Schumacher, sei als renommierter und zuverlässiger Dienstleister bekannt, der nicht nur Kliniken, sondern auch Hotels und Restaurants mit warmen Mahlzeiten versorge. Der Caterer lege Wert darauf, dass die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) umgesetzt würden. Außerdem verwende Sander Catering keine Produkte aus beheizten Treibhäusern und kein Palmöl, minimiere den Zuckeranteil, setze Fische aus nachhaltiger Fischerei mit MSC-Label ein, unterstütze Bienenrettungsprojekte oder beziehe nur Fleischwaren, die den Anforderungen an eine gute Tierhaltung entsprächen – unter anderem wegen des Verzichts auf Hormone und Antibiotika. Auch Frühstück und Vesper kommen direkt aus heimischen Gefilden auf Teller und Tabletts: Ein Bäcker aus Winnenden liefere die regionalen Backwaren, für die ausschließlich ungespritztes Getreide aus dem Rems-Murr-Kreis verwendet würde. Außerdem lege der Bäcker Blühstreifen als Lebensraum für Tiere und Insekten an. Der Hauptlieferant der Kliniken für Wurst- und Fleischwaren habe seinen Sitz in Waiblingen.

Die anfänglichen Probleme in der Speisenversorgung, die es in den ersten Jahren des Winnender Klinikums gab, seien inzwischen Geschichte, freut sich Mertel. Heute gebe es nur noch vereinzelt Beschwerden und Kritik am Essen: „Von Januar bis Oktober hatten wir lediglich insgesamt 44 Beschwerden über Speisenqualität oder -geschmack. Das sind im Verhältnis zu unserem Patientenaufkommen 0,12 Prozent. Die Zufriedenheit mit dem Essen liegt also bei nahezu 100 Prozent und zeigt, dass wir hier auf einem sehr guten Weg sind.“ pm

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Erstellt:
1. Dezember 2023, 06:00 Uhr

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