Per Mausklick durch die Online-Messe bummeln

Junge Menschen erhalten bei der Ausbildungsmesse Fokus Beruf gebündelte Orientierung und kompetente Hilfestellung. 100 Betriebe und Organisationen nutzen die virtuelle Variante. Damit ist die Beteiligung fast genauso groß wie in den vergangenen Jahren bei den Präsenzveranstaltungen.

Die jungen Menschen können mit wenigen Mausklicks einen guten Überblick über die verschiedenen Angebote und die jeweiligen Berufsbilder und Studiengänge gewinnen. Foto: Arbeitsagentur Rems-Murr

Die jungen Menschen können mit wenigen Mausklicks einen guten Überblick über die verschiedenen Angebote und die jeweiligen Berufsbilder und Studiengänge gewinnen. Foto: Arbeitsagentur Rems-Murr

Von Anja La Roche

BACKNANG/SCHORNDORF. Gebündelte Orientierung und kompetente Hilfestellung bei der Berufs- und Studienwahl: Das sollen junge Menschen aus dem Rems-Murr-Kreis, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, bei der Ausbildungsmesse Fokus Beruf bekommen. Letztes Jahr wurde die Veranstaltung des Trägerkreises, dem sechs beteiligte Organisationen und Verbände angehören, pandemiebedingt abgesagt. Dieses Jahr findet sie – aus dem gleichen Grund – nicht vor Ort in der Schorndorfer Grauhalde statt, sondern virtuell im Internet unter messe-fokus-beruf.de. Die Seite ist seit Freitag, 5. März, und noch für mindestens ein Jahr online.

Die Präsenzveranstaltung nutzten in der Regel um die 120 Unternehmen als Plattform, um mit dem jungen Messepublikum in Kontakt zu kommen und sich die Nachwuchstalente von morgen zu sichern. Die Beteiligung an der virtuellen Variante ist kaum geringer: Bereits 100 Betriebe und Organisationen sind angemeldet; im Laufe des Jahres können weitere dazukommen.

Die technische Voraussetzung ist gering: Jeder mit einem Computer und Browser kann sich per Mausklick und Pfeiltasten durch die Messestände bewegen. Eine Anmeldung oder Registrierung ist nicht notwendig. Gemütlich vor dem heimischen Bildschirm lassen sich die Stände betrachten. Ein Stand scheint interessant zu sein? Per Mausklick öffnen sich verschiedene Informationsbuttons. Der Forstbetrieb ForstBW zum Beispiel präsentiert in seinen digitalen Infoflyern seine Ausbildungsberufe und dualen Studiengänge, Fotos aus dem Berufsalltag im Wald, und Statements von aktuellen Auszubildenden, sodass man einen Einblick in die Firma und den Beruf des Försters erhält. Will man mehr erfahren, wird man direkt zur Webseite des Forstbetriebs weitergeleitet. So kann man sich mit nur wenigen Klicks einen Überblick verschaffen.

Neben dem Betrieb ForstBW findet sich eine breite Auswahl an Berufen und Unternehmen aus der Umgebung. Diese lassen sich per Suchfunktion oder Filter schnell sortieren. Banken und Versicherungen hört sich weniger spannend an? Dann raus damit aus der Filterfunktion. Damit die Übersicht beim Bummeln nicht verloren geht, sind die Stände in drei virtuelle Hallen aufgeteilt. Halle eins beherbergt etwa die MüKo Maschinenbau GmbH, in Halle zwei wartet die Friseur- und Kosmetikinnung Rems-Murr und zuletzt weckt vielleicht auch das Informationszentrum Zahn- und Mundgesundheit in Halle drei das Interesse. Auch verschiedene Hochschulen werben auf der Messe um neue Studenten. Falls die Berufssuche besonders viel Spaß macht, sollte mal bei dem Stand der Agentur für Arbeit Waiblingen vorbeigeschlendert werden – mittels Bedienung der Pfeiltasten selbstverständlich.

Zusätzlich zu den Ständen gab es zum Messestart eine virtuelle Eventbühne, auf der per Livestream Vorträge zu verschiedenen Themen angeschaut werden konnten. Dort wurden nicht nur verschiedene Ausbildungsberufe und Studienfelder vorgestellt, sondern auch Tipps zum Bewerbungsverfahren oder zu Überbrückungsmöglichkeiten. Themen waren zum Beispiel auch „Berufe, die nicht jeder kennt“ und „Möglichkeiten nach dem mittleren Bildungsabschluss“. Keine Sorge: Wer den Messestart verpasst hat, findet alle Videos auf der Webseite der Berufsmesse und kann sie auch später noch anschauen.

Die digitale Form der Messe macht auch chaotisch in die Tasche geknüllte Flyer unnötig. Um sich ein Unternehmen zu merken, klickt man einfach auf den Stern neben dem Namen des Unternehmens, und der Favorit erscheint in einer eigens dafür konzipierten Favoritenliste. Ein weiterer Vorteil der virtuellen Messe ist der Standplan: per Klick kann man sich an den gewünschten Stand beamen – in der Realität funktioniert das Beamen leider noch nicht. Telefongespräche und E-Mails sollen das persönliche Gespräch vor Ort ersetzen. Die Besucher der Messe finden an jedem Stand die Kontaktdaten des Unternehmens und sind dazu eingeladen, ihren Wissensdurst mit einem Anruf oder einer E-Mail zu stillen. So lässt sich schnell herausfinden, welcher Ausbildungsberuf oder duale Studiengang der Richtige sein könnte.

Der Messestart am 5. März verlief jedoch nicht reibungslos. Viele Besucher der Webseite konnten die angekündigten Livestreams nicht im Programm finden und das virtuelle Schlendern zwischen den Ständen verlief eher sprunghaft statt fließend. Das technische Problem konnte jedoch schnell behoben und da die Messe ein ganzes Jahr zur Verfügung steht, ist ein verlorener Tag kein verlorener Tag.

Torsten Tatzel von der Arbeitsagentur Rems-Murr zeigte sich daher auch sehr zufrieden mit dem Auftakt. Am Samstag berichtete er bereits von 1600 Usern, die die Plattform besucht hatten, zudem war das Rahmenprogramm bereits 400-mal angeklickt worden. Als Beispiel für die gute Resonanz nannte er einen Vortrag zum Thema „Sport – Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten“. Er hatte 46 Aufrufe, obwohl er am Samstagmorgen um 9.30 Uhr „zu einer unpopulären Zeit“ auf dem Programm stand. Auch Tatzel bestätigte die Auftaktprobleme: „Das waren Kinderkrankheiten, die vom Anbieter schnell mit einem Update behoben worden sind. Seitdem läuft’s stabil.“

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Erstellt:
8. März 2021, 06:00 Uhr

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