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Pfiffe für drohende Standortschließung

Contitech-Beschäftigte zeigen sich kämpferisch – Unternehmen will mit dem Abbau im kommenden Jahr beginnen

Rund 120 Beschäftigte von Contitech Kühner haben gestern früh gegen die drohende Schließung des Standorts Oppenweiler protestiert. Zum Abschluss einer Betriebsversammlung vor den Werkstoren zeigten sie der Arbeitgeberseite die Rote Karte. In Oppenweiler sind 340 Arbeitsplätze betroffen.

Rote Karte für die Arbeitgeber: Rund 120 Beschäftigte von Contitech protestieren gegen die drohende Schließung des Standorts. Der Betriebsratsvorsitzende Jörg Schwarz war mit der Beteiligung sehr zufrieden: Fast die ganze Frühschicht und etliche Angestellte seien da gewesen. Foto: S. Kocken

Rote Karte für die Arbeitgeber: Rund 120 Beschäftigte von Contitech protestieren gegen die drohende Schließung des Standorts. Der Betriebsratsvorsitzende Jörg Schwarz war mit der Beteiligung sehr zufrieden: Fast die ganze Frühschicht und etliche Angestellte seien da gewesen. Foto: S. Kocken

Von Armin Fechter

OPPENWEILER. Anlass der Protestaktion war eine für gestern anberaumte Sitzung des Aufsichtsrats in Hannover. Dort wollten die Arbeitnehmervertreter die Ideen der Beschäftigten für eine Fortführung des Betriebs einbringen. Zeitgleich taten sich, wie der Betriebsratsvorsitzende Jörg Schwarz mitteilte, auch die Mitarbeiter an anderen von der Schließung bedrohten Conti-Standorten zusammen, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen und die Arbeitnehmervertreter zu unterstützen.

Conti will, wie IG-Metall-Sekretär Christian Friedrich aus Waiblingen erklärte, in den kommenden Jahren weltweit 20000 Arbeitsplätze „anfassen“. Darunter zu verstehen sei ein Stellenabbau. Allein in Deutschland gehe es um 7000 Beschäftigte, deren Arbeitsplätze in Gefahr seien. Die Sitzung in Hannover diene dazu, den angekündigten Umbau von Continental voranzutreiben.

Ein Konzept, wie es in Oppenweiler allen Schwierigkeiten zum Trotz weitergehen könnte, wenn auch vielleicht in verkleinerter Form, haben die Beschäftigten gemeinsam mit der IG Metall erarbeitet. Kollegen aus allen Bereichen hätten, so Schwarz, an den Workshops teilgenommen und dabei zusammengetragen, wo Alternativen zur Schließung oder Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung gesehen werden. Begleitet wurde der Prozess vom Stuttgarter Imu-Institut, einer arbeitsorientierten Forschungs- und Beratungseinrichtung.

Ein zentraler Punkt dabei ist, dass die technischen Entwicklungen am Standort nach Auffassung der Beschäftigten Zukunftspotenzial bieten, gerade auch im Hinblick auf die E-Mobilität. Contitech habe den Einsatz von CO2 als Kältemittel als erstes Unternehmen zur Serienreife gebracht und nehme damit eine führende Position ein. Klimaanlagen seien so energieeffizienter zu betreiben, sodass sich die Reichweite batteriebetriebener Fahrzeuge dadurch erhöht. Chancen für einen Fortbestand des Werks sieht Schwarz auch mit Blick auf den am Ort verankerten Musterbau. Und schließlich habe man noch Aufträge laufen, es seien neue Aufträge geholt worden, und es bestehe Aussicht auf weitere Eingänge. Und vielleicht tue sich über kurz oder lang noch die eine oder andere Möglichkeit für Oppenweiler auf, beispielsweise um andere Standorte zu entlasten. Der Betriebsratsvorsitzende will jedenfalls die Flinte nicht vorzeitig ins Korn werfen.

Das Konzept der Belegschaft wird von der Arbeitgeberseite abgelehnt

Das Konzept wurde, wie Schwarz berichtet, der Unternehmensleitung vorgestellt. Man habe sich darüber ausgetauscht, die Vorschläge seien aber als untauglich abgelehnt worden. Bei der gestrigen Aufsichtsratssitzung sollten die Überlegungen noch einmal thematisiert werden. Um die Arbeitnehmervertreter vor Ort zu unterstützen, sind auch drei Beschäftigte aus Oppenweiler in der Nacht nach Hannover aufgebrochen.

Darüber hinaus sollte dort noch ein weiterer Punkt angesprochen werden: die Allokationen, die für die Zentrale in Hannover zu erwirtschaften seien. „Das ist ein ganz schöner Brocken“, sagt Schwarz. Um den Standorten etwas Luft zu verschaffen, müsse man hier was tun, fordert er, auch wenn das Thema vom Konzern bereits als nicht verhandelbar zurückgewiesen worden sei.

„Wir müssen uns Gehör ganz oben verschaffen“, gab Schwarz bei der Versammlung gestern früh als Devise aus. Das bekräftigte Gewerkschaftssekretär Friedrich: Die Mitarbeiter hätten durch Ergänzungstarifverträge über Jahre hinweg ihren Beitrag dazu geleistet, die Innovationsfähigkeit zu stärken. Zudem habe der Konzern 72 Millionen Euro öffentliche Mittel erhalten. Daher könne man jetzt auch erwarten, dass die Unternehmensleitung zur Belegschaft hält und deren Interessen berücksichtigt.

Bei der Sitzung in Hannover hat die Arbeitnehmerseite den vorgesehenen Schließungen nicht zugestimmt. Christiane Benner von der IG Metall, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von Continental, sagte im Anschluss: „Eine Zustimmung hätte bedeutet, das Aus der betroffenen Standorte zu akzeptieren.“ Die Konzepte des Arbeitgebers seien keine Antwort auf die Herausforderungen der Transformation. Die Arbeitnehmervertreter wollen jetzt darauf drängen, dass sich der Aufsichtsrat mit den Vorschlägen der Beschäftigten an den betroffenen Standorten auseinandersetzt. Der Gewerkschafter Francesco Grioli, Mitglied im Aufsichtsrat, forderte Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung an allen betroffenen Conti-Standorten.

Für den Standort Oppenweiler wurden laut Jörg Schwarz bislang keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen. Die Beschäftigten seien aber informiert worden, dass der Abbau in Teilen des Betriebs 2020 beginnen soll.

Die IG Metall Baden-Württemberg plant derweil für den morgigen Freitag in Stuttgart am Schlossplatz ab 15 Uhr eine Protestaktion gegen den Stellenabbau, der vielen Betrieben im Land droht. Geplant ist, dass Busse von Contitech aus (Talstraße 6 in Oppenweiler) dazu nach Stuttgart fahren. Abfahrt: 13.30 Uhr.

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Erstellt:
21. November 2019, 06:00 Uhr

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