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Pfusch bei der Wartung der Drehleiter

Wegen der mangelhaften Arbeit einer Servicefirma muss das Backnanger Feuerwehrfahrzeug für 86000 Euro repariert werden

Böse Überraschung für die Stadt Backnang: Die Drehleiter der freiwilligen Feuerwehr musste für rund 86000 Euro repariert werden. Schuld daran war offenbar die mangelhafte Wartung durch eine Servicefirma aus der Pfalz. Die Verantwortlichen zu belangen, wird aber schwierig, denn das Unternehmen wurde mittlerweile aufgelöst.

Die Drehleiter der Backnanger Feuerwehr – hier bei einem Einsatz im Jahr 2015 – hat schon 20 Jahre auf dem Buckel, soll aber noch weitere fünf bis zehn Jahre ihren Dienst tun. Archivfoto: E. Layher

© Edgar Layher

Die Drehleiter der Backnanger Feuerwehr – hier bei einem Einsatz im Jahr 2015 – hat schon 20 Jahre auf dem Buckel, soll aber noch weitere fünf bis zehn Jahre ihren Dienst tun. Archivfoto: E. Layher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Gisela Blumer ist richtig sauer: „Das ist eine ärgerliche Sache“, sagt die Leiterin des Backnanger Rechts- und Ordnungsamts, das auch für die Feuerwehr zuständig ist. Anfang des Jahres, so berichtet die Amtsleiterin, hätten die Mitglieder der Backnanger Feuerwehr festgestellt, dass der Korb der Drehleiter „wackelt und ruckelt“. Als das Fahrzeug daraufhin in eine Werkstatt kam, stellte sich heraus, dass dies nicht der einzige Mangel war. Am Zylinder, der die Leiter aufrichtet, trat Öl aus, die hydraulischen Stützen waren von innen verschmutzt, die Verkabelung defekt. Dabei war das Fahrzeug regelmäßig in der Werkstatt. Seit die Stadt es vor rund 20 Jahren gekauft hatte, bestand ein Wartungsvertrag mit der Firma DLS Feuerwehrtechnik aus Billigheim-Ingenheim in der Pfalz. Weil eine funktionierende Drehleiter im Ernstfall lebensnotwendig ist, stellte die Stadt das mangelhafte Fahrzeug sofort außer Betrieb und mietete Ersatz. Außerdem gab Gisela Blumer ein Gutachten bei der Dekra in Auftrag.

Und die Experten kamen nach ihrer Überprüfung zu einem eindeutigen Urteil: Die Schäden sind auf mangelhafte Wartung zurückzuführen. Arbeiten, die der Dienstleister abgerechnet hatte, waren offenbar unzulänglich oder gar nicht ausgeführt worden. So konnten die Dekra-Experten etwa an der Hydraulik keine Montagespuren erkennen, obwohl diese bei der Wartung eigentlich in ihre Einzelteile zerlegt werden müsste.

Ob es sich nur um Schlamperei handelt oder sogar Betrug dahintersteckt, müsse nun geprüft werden, sagt Gisela Blumer. Doch das dürfte nicht ganz einfach werden, denn DLS hat vor einem Jahr den Betrieb eingestellt. Da die Firma eine GmbH war, gibt es auch keine persönlich haftenden Gesellschafter. Regressforderungen gegen den ehemaligen Geschäftsführer wären allenfalls möglich, wenn man diesem grobe Pflichtverstöße nachweisen könnte. Dies zu beweisen, wird aber schwierig.

Klar ist allerdings, dass die Stadt Backnang nicht der einzige Kunde ist, der mit DLS Feuerwehrtechnik schlechte Erfahrungen gemacht hat. „Das ist kein Einzelfall. Es gibt andere Feuerwehren, die mit dieser Firma Ähnliches erlebt haben“, berichtet Gisela Blumer.

Qualifizierte Mitarbeiter

verlassen die Firma

Mehr über die Hintergründe weiß Alexander Stier, Geschäftsführer der Drehleiter-Werkstatt Beitel und Stier. Seine Firma hat ihren Sitz in Kandel, nur wenige Kilometer entfernt von Billigheim-Ingenheim. Bis vor einem Jahr waren die beiden Unternehmen Konkurrenten. DLS sei früher eine seriöse Firma gewesen, berichtet Stier. Gegründet wurde sie von drei ehemaligen Mitarbeitern eines Drehleiter-Herstellers. „Die hatten alle Ahnung vom Fach“, sagt Stier. Im Lauf der Jahre seien die Gründer aber ausgestiegen, einer sei gestorben. Vor etwa sechs Jahren sei die Firma dann verkauft worden, viele qualifizierte Mitarbeiter hätten ihr daraufhin den Rücken gekehrt.

Zuletzt habe das Unternehmen nur noch vier Angestellte gehabt, die alle nicht über das nötige Fachwissen verfügt hätten, um eine Drehleiter vorschriftsgemäß zu warten, sagt Stier. Er glaubt deshalb auch nicht, dass hinter der mangelhaften Arbeit eine betrügerische Absicht steckte: „Die haben es nicht besser gekonnt.“ Aufgrund der räumlichen Nähe habe der schlechte Ruf des Konkurrenten schließlich auch auf sein Unternehmen abgefärbt, berichtet der Geschäftsführer. Deshalb habe er der Firmenleitung im vergangenen Jahr angeboten, das Inventar und den Kundenstamm von DLS abzukaufen. Dem habe das Unternehmen schließlich zugestimmt und anschließend seinen Betrieb eingestellt.

Bei Beitel und Stier sind die Monteure seitdem damit beschäftigt, die Fehler des früheren Konkurrenten auszubügeln. Der Geschäftsführer berichtet von mindestens sieben Drehleitern, an denen durch mangelhafte Wartung größere Schäden entstanden sind. Im Backnanger Fall summieren sich diese auf 86000 Euro. Hinzu kommen noch rund 25000 Euro Miete für die Ersatz-Drehleiter, denn das eigene Fahrzeug war fast ein halbes Jahr nicht einsatzbereit.

Mittlerweile sei die reparierte Drehleiter aber wieder in Backnang, berichtet Gisela Blumer. Allerdings muss sie nächstes Jahr noch einmal in die Werkstatt: Dann steht die große Revision an, die nach 20 Jahren fällig ist. Die Frage, ob es sich lohnt, noch so viel Geld in ein Fahrzeug zu stecken, das schon zwei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, beantwortet die Amtsleiterin mit einem klaren Ja. Eine neue Drehleiter koste rund eine Million Euro und die alte könne noch mindestens fünf bis zehn Jahre durchhalten – vorausgesetzt, sie wird ab jetzt wieder fachmännisch gewartet.

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Erstellt:
1. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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