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Philologenverband beklagt Überforderung an Gymnasien

dpa/lsw Stuttgart. Stressfalle Schule? Viele Kinder kommen an den Gymnasien nicht zurecht, beklagt der Philologenverband. Kinder dürften nicht an Schulen geschickt werden, an denen sie überfordert seien.

Eine lernende Person hält einen Rotstift in der Hand. Daneben liegen ein Heft und ein Buch. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Eine lernende Person hält einen Rotstift in der Hand. Daneben liegen ein Heft und ein Buch. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Weiterhin tun sich zu viele Schüler an den Gymnasien schwer - zumindest beklagt das der Philologenverband (PhV). Eine Umfrage des Verbands unter 60 Gymnasien habe ergeben, dass im vergangenen Schuljahr rund 7,2 Prozent der Schüler in den Klassen 5 bis 8 im Land überfordert gewesen seien, teilte PhV-Landeschef Ralf Scholl am Freitag mit. Er bekräftigte die Forderung nach einer Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung in Klasse 4.

Auch das Kultusministerium teilte unter Berufung auf die aktuelle IQB-Bildungsstudie mit, dass „die Leistungsheterogenität an den Gymnasien erheblich zugenommen und das durchschnittliche Leistungsniveau dort eher abgenommen“ habe. Ein neues Konzept soll den Wechsel auf die weiterführenden Schulen verbessern.

Die vor einer Woche vorgestellte IQB-Studie hatte ergeben, dass die Leistungen der baden-württembergischen Schüler in den Naturwissenschaften im bundesweiten Vergleich nur Mittelmaß sind. In den Fächern Biologie, Chemie und Physik liegt Baden-Württemberg im Vergleich der Bundesländer demnach im Mittelfeld. In Mathe steht der Südwesten im Ranking auf Platz vier.

„Es ist bedauerlich, dass der Anteil der leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler unter den Fünft- bis Achtklässlern weiterhin so groß ist“, kritisierte PhV-Landeschef Scholl. In den Klassenstufen 6 und 7 seien die Quoten der Umfrage zufolge im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. In der Klasse 5 sei der Anteil der Kinder mit schulischen Problemen gegenüber dem Schuljahr 2017/2018 hingegen um fast zehn Prozent gesunken. Die Vermutung liege nahe, dass das mit der Vorlagepflicht für die Grundschulempfehlung in Verbindung stehe, die zum Schuljahr 2018/2019 eingeführt wurde.

Der Philologenverband vertritt mit rund 9000 Mitgliedern die Interessen der Lehrer an den 462 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes. Der Verband bekräftigte seine Forderung nach einer Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung in Klasse 4. „Es ist niemandem damit gedient, wenn Kinder auf eine Schule geschickt werden, die sie unter- oder überfordert“, sagte Scholl. Das gesunkene Leistungsniveau und die vielen überforderten Schüler seien zumindest teilweise auf die Abschaffung der Empfehlung zurückzuführen.

Die Grundschulempfehlung ist die Empfehlung der Grundschule dazu, welche weiterführende Schulart für ein Kind nach der vierten Klasse geeignet ist. Die grün-rote Vorgängerregierung hatte die Verbindlichkeit der Empfehlung zum Schuljahr 2012/2013 abgeschafft. Die amtierende grün-schwarze Landesregierung hat veranlasst, dass die Grundschulempfehlung der weiterführenden Schule bei der Anmeldung wieder vorgelegt werden muss. Die Entscheidung, welche Schulart ihr Kind besuchen soll, treffen aber weiter die Eltern.

Rund zehn Prozent der Schüler wechselten in Baden-Württemberg seit der Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung aufs Gymnasium, ohne dass sie über die entsprechende Grundschulempfehlung verfügen, heißt es im Kultusministerium. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) teile die Einschätzung des Philologenverbands, dass die Grundschulempfehlung für den Übergang auf die weiterführende Schule „ein ganz entscheidender Anhaltspunkt dafür ist, damit individuelle Förderung von Anfang möglichst gut gelingen kann“.

Ein neues Konzept soll den Wechsel auf die weiterführenden Schulen verbessern und erleichtern. „An den Grundschulen legen wir die Basis für die weiterführenden Schulen. Diese müssen wissen, mit welchen Kindern sie es zu tun haben“, sagte Eisenmann. Deshalb arbeite man an einem transparenten Übergabekonzept von der Grundschule auf die weiterführenden Schulen, um Informationen über schulische Leistungen zu vermitteln. Zudem wolle man Beobachtungen und Erfahrungen der Lehrkräfte, die in der Grundschulempfehlung münden, durch gezielte Lernstandsüberprüfungen ergänzen.

Der Landeselternbeirat kritisierte, dass Kultusministerium und Philologenverband versuchten, einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Wegfall der Verbindlichkeit und dem schlechten Abschneiden zu konstruieren. Die IQB-Studie sehe keinen Zusammenhang zwischen dem Anteil der Schüler eines Jahrgangs auf dem Gymnasium und den Kompetenzen dieser Schüler, betonte der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Carsten Rees. Er halte es deshalb für völlig unverständlich, das Argument der fehlenden verbindlichen Grundschulempfehlung bei Gymnasien ins Feld zu führen.

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Erstellt:
25. Oktober 2019, 16:48 Uhr

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