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Pinot kam wie gerufen

Die Polizei stoppte im April einen Tiertransport mit über 100 verwahrlosten Hunden und Katzen

12 aus 18 - Der Maltesermischling Pinot hatte keinen guten Start ins Leben. Er wurde unter schlechten Bedingungen gezüchtet und kam mit einem illegalen Tiertransport nach Deutschland. Die Polizei stoppte den Transport – von da an ging es bergauf.

Stuttgart Pinot kringelt sich unterm Olivenbäumchen, Pinot beobachtet die Schildkröten der Familie Borth durch das Gitter, Pinot schläft, Pinot spielt, Pinot tobt mit seinen Hundefreunden durch den Garten: Sammy Borths Handy ist voll mit Aufnahmen des jungen Malteserhundes. Pinot lebt. Das ist die gemeinsame Botschaft all dieser Aufnahmen.

Dass Pinot lebt, ist nicht selbstverständlich. Denn der wuschelige weiße Welpe hatte einen extrem schlechten Start ins Leben – dank der Polizei, dem Stuttgarter Tierheim und der Familie Borth hat es aber eine gute Wendung genommen. Pinot war einer der mehr als 100 Hunde- und Katzenwelpen in einem illegalen Tiertransport aus der Slowakei, den dieAutobahnpolizei am 3. April auf der A 8 bei Leonberg stoppte.

Die Tiere waren alle in einem schlechten Zustand. Sie stammten vermutlich aus einer Zucht, bei der auch die Muttertiere unter schlechten Bedingungen gehalten wurden. Auch waren die Welpen viel zu jung, um von ihren Müttern getrennt zu werden. Fürdas Botnanger Tierheim, wo die Welpen landeten, war es ein Kraftakt, sie aufzupäppeln. Inzwischen sind alle an sorgfältig ausgewählte Besitzer vermittelt worden.

Als Sammy Borth in Gablenberg vom Schicksal der Tiere hört, hat sie gerade selbst einen Schicksalsschlag zu verkraften: Anfang April starb ihr erster Hund, eine Malteserdame namens Filou. Sie wurde fast 13 Jahre alt. Filou hatte Krebs und musste eingeschläfert werden. „Das konnte kein Zufall sein, dass genau in diesem Moment andere Hunde ein neues Zuhause suchten“, sagt die 57-Jährige. Sie ist nicht die Einzige in der Familie, die das so sieht. Die 28-jährige Tochter Lisa sagt: „Filou hat uns Pinot geschickt.“

Bis das neue Familienmitglied bei den Borths einziehen darf, dauert es allerdings ein bisschen. Denn erst müssen die Welpen im Tierheim gesund gepflegt werden. Dann kommen auch noch rechtliche Unsicherheiten hinzu. Der Züchter in der Slowakei, der die Tiere unter den erbärmlichen und für sie lebensbedrohlichen Umständen auf die Reise geschickt hatte, fordert die Hunde und Katzen zurück. Ende Mai dann endlich kommt es zu der alles entscheidenden Begegnung: Sammy Borth besucht das Tierheim – und Pinot und sie lernen sich kennen. „Es war klar, dass er es ist“, erzählt sie strahlend. An Fronleichnam lernt Ehemann Lutz Borth den potenziellen Familienzuwachs kennen und ist leicht zu überzeugen. „Am 8. Juni durften wir ihn holen“, sagt Sammy Borth. „Und es war gleich so, wie es jetzt ist“ , erzählt sie, mit Blick auf das Gewusel zu ihren Füßen. Ein weißer Flauschhaufen ist da. Denn Pinot ist nicht allein. Er neckt und jagt seine Kumpanen Farine, eine vierjährige Hündin, und Merlin, mit acht Jahren nun der älteste Malteser im Hause Borth. Denn Filou war nicht der einzige Vierbeiner in der Familie. Merlin hatte vor acht Jahren die Aufgabe, die fußkranke Filou wieder auf Trab zu bringen – was dem verspielten Rüden gelungen ist. Farine war „ungeplanter Nachwuchs“ bei ihren Haltern, bei den Borths war ein weiterer kleiner weißer Hund gerne willkommen.

„Dabei wollte ich immer einen großen schwarzen Hund“, erzählt Sammy Borth. Doch auch hier spielt ein kleiner Schicksalsschlag eine Rolle. Filou kam nämlich in die Familie, als das Kaninchen der Tochter gestorben war. „Wir wollten uns zum Trost einen schönen Mutter-Tochter-Tag machen und zogen zusammen los. Und auf Empfehlung von Bekannten führte der Weg unter anderem zu einem Hundezüchter. „Was wir da sahen, das gefiel uns“, schildert die Hundefreundin. „Die Tiere waren nicht in Zwingern, sie liefen auf einer großen Wiese herum.“ Erst als auch der Ehemann mit beim Hundezüchter war, fiel die Entscheidung: Filou kam zu den Borths. Filou war zwar nicht groß und schwarz, sondern klein und weiß, aber sie sollte es sein. Wie „praktisch“ die Rasse war, das ahnte Sammy Borth damals noch nicht. „Allergiker haben keine Probleme mit Maltesern“, sagt die Stuttgarterin. Deswegen konnte sie mit den Tieren nach Feierabend auch an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz, einem Hort in Gablenberg, vorbeischauen und die Kinder besuchen.

Mehr Hunde sollen es nun nicht mehr werden. „Drei an der Leine, das geht – vier wäre zu viel“, sagt die Hundehalterin. Drei- bis viermal am Tag dreht sie mit dem Trio eine Runde in Gablenberg. Dazwischen dürfen Merlin, Farine und Pinot im Garten umherstreifen oder sich ihre Streicheleinheiten bei den Borths abholen.

Sammy Borth staunt noch immer über eines, wenn sie von Pinots Rettung erzählt: „Die Leute im Tierheim haben mich beeindruckt. Wie herzlich, geduldig und liebevoll die mit den Hunden in der Stresssituation umgegangen sind – das war einmalig.“https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.tierheim-stuttgart-tierheim-darf-welpen-wieder-vermitteln.93d53f7d-a0c9-44a5-9a5e-a44d29ad3edf.htmlhttps://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.a8-bei-leonberg-polizei-stoppt-hunde-und-katzen-transport.949e2866-d7d3-4ef9-9a2f-41a5c9dc871c.htmlhttps://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.tierheim-stuttgart-botnang-nach-illegalem-tiertransport-fast-alle-hunde-vermittelt.5269d940-ef08-4384-b3d2-375178286c85.html

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Erstellt:
28. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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