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Plan für Radwege im Kreis steht

Der Landkreis hat jetzt seine Pläne für das kreisweite Radwegenetz vorgelegt. Die einzelnen Strecken sollen im Standard angepasst und Schwachstellen beseitigt werden. Das Konzept ist mit dem Kommunen „vollumfänglich abgestimmt“.

Derzeit entstehen viele neue Radwege. Jüngstes Beispiel ist in Backnang die Straße Obere Walke, die in einen reinen Fuß- und Radweg umgewandelt wurde. Bei den Nutzern kommt dies gut an.Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Derzeit entstehen viele neue Radwege. Jüngstes Beispiel ist in Backnang die Straße Obere Walke, die in einen reinen Fuß- und Radweg umgewandelt wurde. Bei den Nutzern kommt dies gut an.Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. Das neue Konzept zum kreisweiten Radwegenetz wurde in mehreren Runden ausgearbeitet und präzisiert und zuletzt auch mit den Kommunen abgestimmt. Ins Konzept eingeflossen sind zudem Meldungen von Nutzern. Die Strecken sollen nun im Standard angepasst, Schwachstellen sollen beseitigt werden. In ihrem Bericht an den Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags hält die Stabsstelle Radwege mit Radwegekoordinatorin Karen Fischer fest: „Im Ergebnis liegt nun ein vollumfänglich abgestimmtes Radwegenetz für den Rems-Murr-Kreis vor.“

Die Arbeit daran hat sich hingezogen. Erste Ansätze für ein Landkreiskonzept reichen bis 2012 zurück. 2015 konnte dann im Ausschuss ein Entwurf vorgestellt werden. Dieser sollte mit dem übergeordneten Radnetz des Landes und dem Netz der Region Stuttgart mit regional bedeutsamen Strecken abgestimmt werden. Verzögerungen auf regionaler Ebene führten dazu, dass diese Abstimmung erst 2018 erfolgen konnte. Parallel wurden die Pläne zusammen mit dem Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) überarbeitet – eine wichtige Etappe, denn, so die Stabsstelle: „Die zahlreichen Clubmitglieder brachten wertvolle Ortskenntnisse und Hintergrundwissen in das Konzept mit ein.“ Der überarbeitete Entwurf wurde dann nochmals im Ausschuss präsentiert.

Danach begann die interkommunale Abstimmung und die Öffentlichkeitsbeteiligung über ein Online-Meldeportal, auf dem 1116 Meldungen eingingen. Dieser Schritt habe sich als „sehr praktikabel und erfolgreich“ erwiesen.

Die Stabsstelle fasst zusammen: „Die hohe Beteiligung am Online-Meldeportal ist ein großer Gewinn für das Projekt und zeigt deutlich, dass bei den Bürgerinnen und Bürgern ein breites Interesse und die Bereitschaft besteht, sich an der Planung von Infrastruktur aktiv zu beteiligen, und dass mit dem Portal ein praktikabler und niederschwelliger Weg hierzu eröffnet wurde.“

Schwachstellen in der Fahrradinfrastruktur fallen, so die Erkenntnis, besonders den Menschen auf, die die Strecken täglich für ihren Weg zur Arbeit oder häufig in der Freizeit nutzen. Diese konnten sich auf dem Meldeportal unmittelbar einbringen. Eine interaktive Übersichtskarte ermöglichte im Zeitraum von Mai bis September 2019 Meldungen zu Gefahrstellen, fehlenden Verbindungen oder baulichen Mängeln. Die Stabsstelle versichert: „Alle eingegangenen Meldungen wurden vollständig gesichtet, in einer Datenbank zusammengeführt und nach den zuständigen Baulastträgern geordnet. Die aufbereiteten Listen wurden allen Kommunen im Landkreis und dem Regierungspräsidium Stuttgart zur Verfügung gestellt.“

Der größte Anteil der Meldungen, nämlich 43 Prozent, entfällt auf bauliche Punkte, etwa den Bau straßenbegleitender Radwege oder die Schließung von Lücken im Netz. Fast ein Drittel (31 Prozent) betrifft lokale Gefahrstellen. Die übrigen Meldungen teilen sich in die Bereiche Netzanpassung (15 Prozent), Wegweisung (7 Prozent) sowie sonstige Anliegen (5 Prozent) auf. Auch Wünsche zur Verbesserung der begleitenden Infrastruktur wie Abstellboxen gingen ein.

Anhand der Häufigkeit gleichlautender Meldungen konnten bei der Auswertung die größten Schwachstellen im Netz aus Nutzerperspektive identifiziert werden. Im Raum Backnang sind dies:

K1834 Kirchberg–Kreisgrenze: Ausbau des straßenbegleitenden Radwegs

Burgstetten–Backnang: Bau eines Radwegs entlang der Murr

Backnang–Weissach im Tal: Bau eines Radwegs entlang der Weißach

Stromberg-Murrtal-Radweg: Beseitigung der Schiebestrecke bei der Geisterhöhle

K1846 Erbstetten–Nellmersbach: Bau eines straßenbegleitenden Radwegs

L1114 Heidenhof–Burgstetten: Bau eines straßenbegleitenden Radwegs

Diese Schwachstellen sollen sukzessive ausgeräumt werden, kündigt die Kreisverwaltung an. Allerdings, so merkt Karen Fischer an, betreffen diese Punkte unterschiedliche Verantwortlichkeiten: Beteiligt sind Kommunen, Landkreis und Land. Daher seien sie nicht alle in den kommenden Jahren umsetzbar. Die Häufigkeit der Meldungen zeige aber „ein sehr gutes Stimmungsbild“. Das werde in die Priorisierung der Maßnahmen, die sich aus der Zustandserfassung noch ergeben werden, einfließen. Es handle sich dabei aber noch nicht um das Bauprogramm der nächsten Jahre.

Hohe Beteiligung am Online-Meldeportal

Zudem wurden fast 200 Vorschläge zu Streckenänderungen überprüft und ins kreisweite Radwegenetz eingearbeitet. Der angepasste Entwurf wurde abschließend mit allen Kommunen im Kreis noch einmal abgestimmt. Ziel ist es, auf allen Strecken die landesweiten Qualitätsstandards zu erreichen. Grundlage sind dabei die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA). Diese Vorgaben müssen eingehalten werden, weil sie eine verbindliche Voraussetzung für die Berücksichtigung in Förderprogrammen darstellen. Ferner soll auch eine einheitliche und zentral verwaltete Wegweisung geschaffen werden.

Bereits 2018 hat der Landkreis die Radwege in seiner Baulast einer Zustandserfassung und -bewertung (ZEB Radwege) unterzogen. Diese entspricht der ZEB, die bei den Kreisstraßen schon seit mehreren Jahren eingesetzt wird. Das Verfahren, das jetzt auf alle Radstrecken im Kreis angewandt wird, ermöglicht auch, die vorhandene Wegweisung zu erfassen. Auf der Grundlage der erhobenen Daten soll ein Kataster mit allen notwendigen baulichen Maßnahmen aufgestellt werden, das den jeweiligen Baulastträgern zur Verfügung gestellt wird. Die Wegweisung für das gesamte Radwegenetz wird vollständig digital überarbeitet und im gesamten Kreisgebiet angepasst.

Übersichtsplan für das Radwegenetz im Rems-Murr-Kreis (Ausschnitt): Rot ist das Radnetz BW, blau sind die Alltags- und gelb die Freizeitstrecken.

© 2025743

Übersichtsplan für das Radwegenetz im Rems-Murr-Kreis (Ausschnitt): Rot ist das Radnetz BW, blau sind die Alltags- und gelb die Freizeitstrecken.

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Erstellt:
15. Juni 2020, 06:00 Uhr

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