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Plattform für ein buntes Miteinander

Seit einem Jahr bietet das Weltcafé Backnang mit seinen Programmen Raum für Begegnungen von Geflüchteten und Einheimischen

Als Projekt für ein buntes und lebendiges Miteinander ist das Weltcafé Backnang vor gut einem Jahr gestartet. Seitdem konnten die Angebote Zug um Zug ausgebaut werden. Das Weltcafé ist damit auf dem besten Weg, sich als Plattform für die Begegnung Geflüchteter mit Einheimischen zu entwickeln.

Kooperieren im Weltcafé (von links): Tatjana Riekert mit dem Siegermotiv aus dem Logowettbewerb, Melanie Rautscher, Marc Hinderer, Marion Scheffler-Duncker und Sandra Amofah. Die XXL-Liege ist im Sommer bei einem Weltcafé-Projekt im Backnanger Freibad entstanden. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Kooperieren im Weltcafé (von links): Tatjana Riekert mit dem Siegermotiv aus dem Logowettbewerb, Melanie Rautscher, Marc Hinderer, Marion Scheffler-Duncker und Sandra Amofah. Die XXL-Liege ist im Sommer bei einem Weltcafé-Projekt im Backnanger Freibad entstanden. Foto: J. Fiedler

Von Armin Fechter

BACKNANG. Beim Start, so erzählt Tatjana Riekert, die fürs Weltcafé zuständige Fachkraft, gab es als Angebot nur das Begegnungscafé selbst. Es sollte Menschen mit und ohne Fluchterfahrung einen Ort fürs Zusammentreffen bieten. Aber von Anfang an war auch klar, dass es bei den freitäglichen Begegnungen nicht bleiben sollte. Aufgabe der 26-jährigen Sozialarbeiterin war es vielmehr, zusätzliche Angebote zu entwickeln, Projekte aufzusetzen, Kooperationspartner zu finden, die nötigen Gelder aufzutreiben und die Programme letztlich auch in Gang zu bringen. Eines dieser Projekte war der Bau von XXL-Liegen aus Holz zusammen mit Jugendlichen während der Sommerferien im Backnanger Freibad. Das Wonnemar wurde dazu als Partner ins Boot geholt (wir berichteten).

Daneben hat Riekert auch noch einige andere Angebote zum Laufen gebracht, von der Erwachsenenzeit, in der Ratsuchende konkrete Hilfe beim ganzen Papierkrieg mit Behörden oder bei der Stellensuche erhalten, bis zum jüngst gestarteten Chorprojekt, bei dem zurzeit schon acht Mädchen zwischen fünf und acht Jahren begeistert mitmachen. Zwischen 25 und 50 Teilnehmer kommen jeweils ins Begegnungscafé, zieht Riekert eine Zwischenbilanz, 15 bis 20 Personen, darunter auch Deutsche, sind es pro Termin in der Erwachsenenzeit. Überhaupt, so die Fachkraft, richten sich die Angebote nicht ausschließlich an Geflüchtete. Im Gegenteil: Gerade das Begegnungscafé biete Gelegenheit zum ungezwungenen Austausch und Kennenlernen – bei einer Vielfalt an kulinarischen Kostproben.

Finanziert wird das Gesamtprojekt Weltcafé zu 80 Prozent über Zuwendungen aus der Fernsehlotterie, hinter der wiederum die Stiftung Deutsches Hilfswerk steht. Den Rest gilt es durch Spenden und Fundraising aufzubringen. Die Förderung ist auf drei Jahre begrenzt, danach soll die Plattform für Begegnungen selbstständig laufen oder aus anderen Fördertöpfen unterstützt werden.

Das einzige Projekt im Kreis mit fünf Trägern unter einem Dach

Mit im Boot sind neben dem Verein Kinder- und Jugendhilfe der Kreisdiakonieverband, die Caritas, der Kreisjugendring und die Stadt Backnang. „Es ist das einzige Projekt im Rems-Murr-Kreis mit fünf Trägern unter einem Dach“, unterstreicht Tatjana Riekert. Die Beteiligten betreiben eine enge Zusammenarbeit: Alle vier bis sechs Wochen trifft sich eine Steuerungsgruppe, die kontinuierlich den Bedarf analysiert und sondiert, welche Themen möglicherweise aufgegriffen werden können. Weiter greifende Entscheidungen werden vom Trägerkreis getroffen, der alle sechs Monate tagt.

Der große Trägerkreis soll, so Marc Hinderer – Migrationsberatung der Caritas in Backnang und Servicestelle Ehrenamt Asyl –, Signalwirkung nach außen haben und zeigen, dass Vielfalt gesellschaftlich gewünscht ist. Gleichzeitig bilden die großen Organisationen, so Marion Scheffler-Duncker, Flüchtlingskoordinatorin beim Kreisdiakonieverband, eine Grundlage für ein breites Netzwerk – und das erweitert sich stetig, wie Tatjana Riekert mit Blick auf die Wonnemar-Aktion anfügt. Auch der Kreisjugendring ist, wie die Projektreferentin für Vielfalt und Inklusion Melanie Rautscher unterstreicht, auf diesem Gebiet tätig und bietet beispielsweise Schulungen für ehrenamtliche Helfer in der Flüchtlingsarbeit an: „Wir können Referenten stellen“, erklärt sie etwa mit Blick darauf, dass es ein Wunsch ist, die Arbeit mit Jungen im Weltcafé zu verstärken. Sandra Amofah, städtische Referentin für Migration und Flucht, wirbt gleichfalls für die Aktivitäten im Weltcafé. Sie ist überzeugt, dass es für jeden eine Nische gibt, um seine Stärken einzubringen – so auch ihre Erfahrungen beim Stammtisch Asyl, der sich an Engagierte und Interessierte wendet und dem Austausch dient.

Tatjana Riekert, die vor ihrem Engagement im Weltcafé unter anderem im Brückenschlag Murrhardt tätig war, will die Programmvielfalt noch ausbauen. Neben regelmäßig stattfindenden Angeboten – geplant ist beispielsweise ein Do-it-yourself-Treffen für Jugendliche – soll es auch immer wieder befristete Projekte geben. Zugleich wünscht sie sich, dass die Reichweite noch vergrößert werden kann, dass noch mehr Besucher zu den Angeboten kommen und Leute sich finden, die Lust haben, Programme mitzugestalten – so wie die Besucherinnen der Mädchenzeit, die sich selbst überlegen, was sie sich vornehmen wollen, und dann ihre Miniprojekte auch umsetzen. Und sei es nur ein gemeinsames Kochen.

Das Weltcafé sei „total offen“, verdeutlicht Scheffler-Duncker – es richte sich an Menschen mit und ohne Fluchterfahrung. Integration verlange, mahnt Hinderer, „dass beide Seiten sich bewegen“. Der Zugang übers Begegnungscafé sei offen und niederschwellig, bekräftigt Rautscher: „Einfacher geht’s eigentlich gar nicht.“ Das sieht auch Scheffler-Duncker so: „Man kann reinschnuppern, ohne sich auf was einlassen zu müssen, man kann ein Feeling aufnehmen und Berührungsängste abbauen.“

Um die Anliegen des Weltcafés sinnbildlich darzustellen, veranstalteten die Träger einen Logowettbewerb. 172 Teilnehmer unterschiedlichsten Alters haben mitgemacht, vier Gewinner in verschiedenen Kategorien wurden ermittelt. Sieger wurde ein Motiv, das die Erdteile in verschiedenen Farben zeigt, stilisiert dargestellt in betont weichen Konturen. Gewinner ist Markus Wülbeck von der Gewerblichen Schule Backnang. Er hat ehrenamtlich auch noch ein passendes Design fürs Monatsprogramm erstellt.

Info
Vielfältige Angebote im Weltcafé Backnang

Das Begegnungscafé ist ein Angebot für Einzelpersonen und Familien – immer freitags von 16 bis 18 Uhr im Famfutur.

Die Erwachsenenzeit bietet Hilfe beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen oder auch bei Bewerbungen – im Famfutur immer dienstags von 10 bis 12 Uhr.

Die Mädchenzeit richtet sich an Mädchen und junge Frauen von 14 bis 27 Jahren mit Fluchterfahrung. Die Treffen finden im Famfutur statt, Anmeldung ist erforderlich.

Bei der Musik auf dem Aktivspielplatz werden immer am ersten Montag im Monat von 16 bis 17 Uhr selbst gebaute Rhythmusinstrumente zum Tönen gebracht.

Ein Chorprojekt bietet Kindern ab fünf Jahren die Möglichkeit, gemeinsam Lieder aus Deutschland und der ganzen Welt zu singen – alle zwei Wochen im Famfutur.

In Vorbereitung ist das Angebot DIY (Do it yourself). Es bietet Jugendlichen die Möglichkeit, aus Altem Neues zu machen. Es geht um Umwelt, Upcycling und Konsum.

Ferner gibt es besondere Einzelveranstaltungen und Aktionen. Nächster Termin ist am Mittwoch, 30. Oktober, mit einem Elternabend zum Thema „Jungen und Schule – Was brauchen Jungen, um gut durch die Schule zu kommen?“. Die Veranstaltung findet im Schulungsraum der TSG Backnang, Größeweg 20, statt und dauert von 19 bis 20.30 Uhr. Auch Ehren- und Hauptamtliche der Jugendarbeit sind eingeladen. Weitere Infos und Anmeldung bei Melanie Rautscher bis 25. Oktober per E-Mail an melanie.rautscher@jugendarbeit-rm.de.

Auskünfte zum Weltcafé bei Tatjana Riekert, E-Mail t.riekert@kinderundjugendhilfe-bk.de, Telefon 0175/9726996. Infos auch auf www.famfutur-bk.de.

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Erstellt:
19. Oktober 2019, 16:00 Uhr

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