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Plaudern hinter Plexiglas: Pflegeheime lockern Besuchsverbot

dpa/lsw Isny. Das Land lockert am Montag die Besuchsverbote in Pflegeheimen. Für viele Menschen bedeutet das: endlich ein Wiedersehen mit den Angehörigen. Für die Einrichtungen ist es eine organisatorische Herausforderung.

Ein Pfleger schiebt eine Bewohnerin mit einem Rollstuhl. Foto: Tom Weller/dpa/Symbolbild

Ein Pfleger schiebt eine Bewohnerin mit einem Rollstuhl. Foto: Tom Weller/dpa/Symbolbild

Begegnungen in Zelten, Zimmern oder im Freien: Um Besuche auch in Corona-Zeiten zu ermöglichen, haben sich Pflegeheime im Südwesten einiges einfallen lassen. Im Altenhilfezentrum in Isny im Allgäu zum Beispiel haben die Betreiber ein Besuchszelt aufgebaut. „So verhindern wir, dass es im Haus selbst ein großes Menschenaufkommen gibt“, sagte der Leiter der Einrichtung, Frank Höfle. Die Angehörigen seien durch eine Plexiglasscheibe voneinander getrennt. Abstand müssten sie trotzdem halten. „Die Besucher tragen auch einen Mundschutz“, sagte Höfle.

Um den Ausbruch von Corona-Infektionen in Pflegeheimen zu verhindern, waren Mitte März Besuchsverbote ausgesprochen worden. Nur in Ausnahmefällen wie etwa zur Sterbebegleitung durften pflegebedürftige Angehörige besucht werden. Von diesem Montag an dürfen nahestehende Personen ihre Angehörigen in Pflegeheimen und Krankenhäusern wieder regelmäßig besuchen. Abstandsreglen und Hygienevorschriften müssen nach Angaben des Gesundheitsministeriums eingehalten werden.

Wie der Besuch im Detail gestaltet wird, entscheiden die Einrichtungen. Einschränkungen gelten aber weiterhin. Ein Bewohner darf nicht mehr als einmal pro Tag Besuch empfangen. Pro Treffen sind maximal zwei Besucher zugelassen.

Pflegeheimleiter Höfle ist für 68 Bewohner verantwortlich, das Durchschnittsalter beträgt 83 Jahre. An die neue Normalität in Zeiten der Corona-Pandemie hätten sich die Menschen ziemlich schnell gewöhnt. Mit dem Zelt wolle man für die Senioren nach einsamen Wochen ein Wiedersehen ermöglichen. Besucher müssten sich zuerst anmelden. „Um das Ganze gemütlicher zu machen, haben wir das Zelt ein bisschen dekoriert“, erläutert Höfle. Das Angebot werde gut genutzt.

Im Seniorenzentrum Carl-Joseph in der Nachbarstadt Leutkirch wurde extra ein spezielles Besuchszimmer eingerichtet, wie eine Sprecherin erklärte. Ein Treffen im Garten sei auch möglich. Besucher müssen sich auch hier vorher anmelden, Abstand halten und Schutzmasken tragen. Organisiert und überwacht werde alles von den Pflegekräften. Das sei natürlich ein Mehraufwand.

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) mahnt mit Blick auf die Lockerung zur Vorsicht. „Wir dürfen es nicht riskieren, dass es in den Heimen neue Ausbrüche von Infektionen gibt, die von außen eingetragen werden“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das Ziel müsse sein, bei allen berechtigten Wünschen nach Lockerungen, die alten Menschen zu schützen.

Lucha appellierte an die Einrichtungen, so viel Besuch zuzulassen, wie unter den vorgegebenen strengen Hygienevorschriften vertretbar sei. Gleichzeitig forderte er von Angehörigen und Freunden Verständnis für die Situation der Pflegeheime. „Dazu gehört auch, zu akzeptieren, dass gerade in der ersten Phase der Öffnung voraussichtlich nicht jedem Besuchswunsch zum Wunschtermin entsprochen werden kann.“

Das neuartige Coronavirus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion und kann die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen. Vor allem für ältere und vorerkrankte Menschen kann eine Infektion lebensgefährlich werden. Sie gehören zur sogenannten Risikogruppe.

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Erstellt:
16. Mai 2020, 09:12 Uhr

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