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Plötzlich Titelkandidat

Nach dem 2:0 beim FC Schalke 04 steht Borussia Mönchengladbach auf Rang zwei

Meisterschaft - Borussia Dortmund gegen den FC Bayern? Von wegen! Ins Titelrennen der Fußball-Bundesliga hat sich nun auch das Team von Borussia Mönchengladbach eingemischt.

Gelsenkirchen Wenn man in den 90 Minuten zuvor auf dem Rasen einige Gründe dafür liefert, dass die eigene Mannschaft nun tatsächlich mitmischen kann im Rennen um den Titel in der Fußball-Bundesliga, dann ist es nicht ganz leicht, das hinterher verbal wieder einzufangen. Aber: Versuchen kann man es ja mal. Also sagte Matthias Ginter: „Es würde mich wundern, wenn Borussia Dortmund nicht Meister wird.“ Lars Stindl meinte: „Es lohnt sich noch nicht, sich damit zu beschäftigen, was im Sommer sein wird.“ Christoph Kramer ergänzte: „Wir sehen uns nicht als Dortmund-Jäger.“ Und Dieter Hecking, der Trainer von ­Borussia Mönchengladbach, fügte an: „Es nutzt nichts, auf die anderen zu schauen. Ab morgen liegt unser Fokus wieder auf dem nächsten Spiel.“ Zuvor hatte sein Team beim FC Schalke 04 2:0 gewonnen – und Rang zwei erobert.

Platz zwei, vor dem FC Bayern, auf sieben Punkte dran an Borussia Dortmund – „das hätten wir uns vor der Saison nicht erträumen können“, sagte Florian Neuhaus, neben Kramer Torschütze beim Sieg in Gelsenkirchen, der schon der dritte in drei Spielen der Rückrunde war. Doch die Realität entspricht genau jener Tatsache, dass das Titelrennen dank der Gladbacher nun ein Dreikampf ist. „Darüber freuen wir uns auch“, sagte Spielführer Stindl immerhin. Schließlich sei dies „absolut nicht zu Unrecht“ der Fall, ergänzte Kramer.

Der Weltmeister von 2014 lebt dabei einen der Gründe vor, weshalb sein Team nun im Konzert der Großen in die Tasten greift. Kramer ist nur Ersatzmann, könnte öffentlich grummeln oder von einem Vereinswechsel reden. Was er stattdessen macht: reinkommen, Gas geben, Tore vorbereiten oder gleich selbst erzielen. „Es bringt nichts rumzunörgeln“, findet er, das sei nicht seine Art. Die Art der Borussia ist es, in Kramer oder Neuhaus auch während des Spiels dem Team noch einmal Qualität zuführen zu können – was ein entscheidender Vorteil gegenüber der vergangenen Saison ist. Ein weiterer ist die stete Weiterentwicklung der Mannschaft, die Manager Max Eberl gemeinsam mit Trainer Dieter Hecking betreibt. Seit Dezember 2016 sitzt der 54-jährige Coach auf der Bank bei den Fohlen, bannte zunächst die Abstiegsgefahr als Nachfolger von André Schubert, erfüllte in der vergangenen Saison mit Rang neun zwar nicht gerade die Wünsche von Fans und Vereinsführung, die gemeinsame Arbeit wurde dennoch fortgeführt – gepaart mit ­einigen sinnigen Neuverpflichtungen, von denen der Franzose Alassane Pléa die auffälligste ist. Kurz vor dem Jahreswechsel wurde denn auch Heckings Vertrag vorzeitig bis 2020 verlängert.

Das Gebilde der Vorgesetzten ist also stabil, das Team ist es mittlerweile ebenso. Es spielt zwar keinen Hurrafußball, hat aber eine sehr vernünftige Balance gefunden zwischen offensiver Wucht und defensiver Souveränität. Auf Schalke wahrte die Borussia zudem die Geduld, nachdem der Gegner in Unterzahl geriet (S04-Keeper Alexander Nübel sah Rot), spielte ruhig weiter und erhöhte nach und nach den Druck. Irgendwann waren die Lücken dann da. „Wir haben unser Ding durchgezogen und immer weitergearbeitet“, lobte Kapitän Stindl sein Team. „Wir haben ein sehr facettenreiches Spiel“, ergänzte Kramer. Das zu einer historisch guten Zwischenbilanz führte.

Seit 42 Jahren war die Borussia nach 20 Spieltagen nicht mehr so gut wie in dieser Saison. Das Thema Meisterschaft – es wäre die erste seit 1977 – wird zwar bislang ausgeklammert, die Qualifikation für die Champions League darf nun aber sicher als Ziel gelten. „Natürlich sind wir ambitioniert“, versichert Coach Hecking, der beste Voraussetzungen geschaffen hat, dass die Sache mit dem Titel doch noch ernst werden könnte.

Durch die Erfolge in Leverkusen und auf Schalke hat sein Team zum Rückrundenauftakt (Ginter: „Es war ein perfekter Start“) die kleine Auswärtsschwäche der Hinrunde abgelegt, schon zehnmal blieben die Gladbacher in dieser Saison bereits ohne Gegentor, und im heimischen Borussia-Park hat Heckings Team in dieser Saison bisher alle Spiele gewonnen. Was deshalb nicht unwichtig ist, weil alle Spitzenteams – Borussia Dortmund, FC Bayern, RB Leipzig – noch zu Gast sein werden in Mönchengladbach. Hält die Serie auch dann? Versuchen kann man es ja mal.

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Erstellt:
5. Februar 2019, 10:44 Uhr

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