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Politisches Speeddating in Weissach

Kreisjugendring Rems-Murr lädt Schüler und Kommunalpolitiker zu Diskussionsrunde ein – Konkrete Fragen gestellt

Kommunalpolitikern auf den Zahn zu fühlen, war am Donnerstag im Weissacher Bildungszentrum angesagt. Im Rahmen des Projekts „Wir für Jugendbeteiligung – Partnerschaft für Demokratie Weissacher Tal und Althütte“ hatte der Kreisjugendring Rems-Murr 85 Schüler zu einem „Speeddating“ aus der Klassenstufe 10 von Realschule und Gymnasium eingeladen.

Irmgard Hestler von der SPD ist eine der Politikerinnen, die sich beim Speeddating den Fragen der Schüler stellt. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Irmgard Hestler von der SPD ist eine der Politikerinnen, die sich beim Speeddating den Fragen der Schüler stellt. Foto: A. Becher

Von Wolfgang Gleich

WEISSACH IM TAL. Beim Speeddating im Bildungszentrum Weissacher Tal (Bize) stellten sich den Jugendlichen und deren Fragen für die SPD Weissach Irmgard Hestler, für die Liste Weissacher Bürger Jan Hutzenlaub und Simon Färber, für CDU/FWV Weissach Jörg Schall, Timo Kleeh, Peter Jürgen Blessing und Günther Sanzenbacher, für die NLAH/Allmersbach Walter Wötzel, Nora Bauer und Luca Schneider und für den Ring politischer Jugend – also den Zusammenschluss der Jugendorganisationen der im Landtag vertretenen politischen Parteien– Anna Stubert, Julius Walter und Tom Lambrecht. Sie alle hatten jeweils ein paar Minuten Zeit, sich und ihre politischen Ziele den in vier Gruppen aufgeteilten Jugendlichen vorzustellen. Und die sorgten mit ihren Fragen dafür, dass es nicht bei Politikermonologen blieb, sondern konkret zur Sache ging.

Auf die „Fridays for Future“-Bewegung angesprochen sagte Walter, seiner Ansicht nach würden die Jugendlichen angesichts des Klimawandels noch viel zu wenig demonstrieren. Die Entwicklung weg von der Kohle und hin zu mehr Klimaschutz lasse sich weltweit nicht aufhalten. Die Frage sei lediglich, ob man zu den Vorreitern gehöre, die die Zukunft aktiv gestalten und die Richtung mitbestimmen – oder ob man sich, wie in der Automobilindustrie, ein Jahrzehnt lang dagegen sträube und dann das von anderen entwickelte Know-how für teures Geld kaufen müsse, weil man zu lange geschlafen habe.

Auf die Frage, ob es nicht besser wäre, am Unterricht teilzunehmen, anstatt ihn für Demonstrationen zu schwänzen, hielt Walter dagegen, dass statistisch hochgerechnet bei dreizehn Schuljahren sowieso eins durch Krankheit und Unterrichtsausfall verloren gehe. Da falle ein weiterer Tag nicht ins Gewicht.

„Die Zukunft liegt in euren Händen“

Tom Lambrecht begrüßte die von der Schülermitverwaltung des Bize für den gestrigen Freitag organisierte Kundgebung in der Weissacher Ortsmitte. Sie stelle eine „wichtige und richtige Aktion“ dar. Hätte man die Schülerdemonstrationen auf den unterrichtsfreien Samstag verlegt, wären sie niemals in diesem Umfang öffentlich wahrgenommen worden, so seine Einschätzung. Viel wichtiger sei allerdings die vom EU-Parlament beschlossene Urheberrechtsreform. Sie stelle einen Riesenfehler dar und es sei nur zu hoffen, dass in den zwei Jahren, die nun zur Verfügung stünden, um sie in nationales Recht umzusetzen, eine Lösung gefunden werde, bei der man auf Uploadfilter verzichten könnte. „Ob ich alle eure Anliegen verstehe oder nicht, ist nicht das Entscheidende“, gab das politische Urgestein Günther Sanzenbacher mit auf den Weg, „wir Alten sind nicht die Zukunft. Die Zukunft liegt in euren Händen, ihr müsst sie gestalten.“

Einig waren sich die Vertreter aller Fraktionen, dass gerade den Kommunalwahlen eine besondere Bedeutung zukomme. Schließlich entscheide sich gerade durch sie, wer die politischen Entscheidungen treffe, die unmittelbar den Alltag, wie den öffentlichen Personennahverkehr, Bau und Ausstattung von Schulen, Jugendhäusern, Kindergärten und Sporthallen, das Markieren von Radwegen, über neue Wohn- und Gewerbegebiete und auch die Unterbringung von Flüchtlingen und deren Angehörigen betreffe. Fraktionsübergreifend kamen die Vorschläge, sich selbst politisch einzubringen, die Infostände der Parteien oder auch einmal eine öffentliche Gemeinderatssitzung zu besuchen. Und, gab Luca Schneider zu bedenken: „Je größer der Prozentsatz der 16- bis 18-Jährigen, die an den Wahlen teilnehmen, desto mehr sind die Gemeinderäte gezwungen, deren Interessen zu berücksichtigen.“

Rundum zufrieden zeigten sich die Organisatorinnen Angelika Roth, Melanie Rautscher und Tabea Lüders vom Kreisjugendring. Für Roth handelte es sich um eine gelungene Fortsetzung des im November 2017 veranstalteten Jugendhearings und eine in Zusammenarbeit mit den Schulen gelungene Aufarbeitung des Themas Kommunalwahlen.

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Erstellt:
13. April 2019, 06:00 Uhr

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