Polizei-Entschuldigung für Fehlverhalten

dpa/lsw Freiburg. Zwei Polizeipferde trinken aus dem Brunnen auf dem Platz der Alten Synagoge, ein Absperrband wird an einer Gedenktafel befestigt. Der Freiburger Polizeivizepräsident Matthias Zeiser hat sich in einem offenen Brief für zwei Vorfälle bei einem Einsatz am Wochenende entschuldigt. Zuerst hatte die „Badische Zeitung“ darüber berichtet.

Vier Menschen hatten demnach einen Baum am Rande des Platzes, auf dem bis zur Zerstörung in der Pogromnacht 1938 eine Synagoge stand, aus Protest gegen den Bau einer Autobahn besetzt. Die Polizei habe den Bereich abgesperrt, um eine Gefährdung auszuschließen, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Dabei wurde zunächst Flatterband eingesetzt und auch an einer Gedenktafel befestigt. An dem Einsatz seien zwei Beamte der Mannheimer Reiterstaffel beteiligt gewesen, die routinemäßig im Rahmen der Sicherheitspartnerschaft in Freiburg unterwegs war. Die beiden Polizisten ließen ihre Pferde aus dem Brunnen trinken. Ein Beobachter beschwerte sich über ein soziales Netzwerk bei der Polizei.

In dem am Montag veröffentlichten offenen Brief schrieb Zeiser: „Das hätte nicht passieren dürfen.“ Eine besondere Tragweite erhielten die Geschehnisse mit Blick auf den Jahrestag der Pogromnacht am 9. November. Die Gesellschaft dürfe vom Polizeipräsidium Freiburg erwarten, dass Respekt und Toleranz das Handeln der Beamten leiteten.

Aus Sicht der Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde Freiburg, Irina Katz, besteht ein grundsätzliches Problem auf dem Platz. Immer wieder ließen Menschen ihre Hunde in den Brunnen. Viele Passanten nähmen zu wenig Rücksicht auf den Ort der Erinnerung, es mangele häufig an Respekt. Sie wünsche sich, dass um den Bereich einzelne Glaswände aufgestellt werden mit dem Hinweis auf die Bedeutung des Ortes, an dem man sich angemessen verhalten solle. Vorbild könne das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma im Berliner Tiergarten sein.

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Erstellt:
10. November 2020, 13:26 Uhr

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