Polizei lauert mit Laserpistole in 200 Metern Entfernung

Zum Abschluss des europaweiten Blitzermarathons hat die Stuttgarter Polizei am Pragsattel die Geschwindigkeit von Verkehrsteilnehmern gemessen.

1,5 Kilometer Reichweite hat die Laserpistole zur Tempomessung.

© Sebastian Steegmüller

1,5 Kilometer Reichweite hat die Laserpistole zur Tempomessung.

Von Sebastian Steegmüller

Klick, klick, klick. Innerhalb weniger Sekunden hat Vassilios Lagomatis in der Heilbronner Straße die Geschwindigkeit von drei Autos gemessen, die aus Richtung Zuffenhausen hoch zum Pragsattel fahren. Der Erste Polizeihauptkommissar blickt dazu durch eine Laserpistole und zielt aus rund 200 Metern Entfernung – bis zu 1500 sind problemlos möglich – mit einem kleinen roten Kreuz auf die reflektierenden Nummernschilder der Fahrzeuge. Ausgenommen sind Motorräder, die vorne keine Kennzeichen haben. „Bei ihnen visiere ich die Scheinwerfer an.“ Sobald er den Abzug seines Handmessgeräts drückt, bekommt er im Display angezeigt, wie schnell der jeweilige Verkehrsteilnehmer unterwegs ist.

Im Rahmen der europaweiten Aktionswoche „Operation Speed“ (Blitzermarathon) an der sich in Deutschland viele Bundesländer beteiligen, haben sich auch in Stuttgart rund 40 Polizeibeamte zu verschiedenen Uhrzeiten an acht unterschiedlichen Standorten auf die Lauer gelegt. „Wir beteiligen uns an der Aktion, weil zu schnelles Fahren eine der Hauptursachen für Unfälle ist“, sagt Alexander Lörcher, der stellvertretende Leiter der Verkehrspolizei. „Wir wollen auf die Gefahr hinweisen. Die Woche dient der Sensibilisierung.“ Bis Freitag, 16 Uhr, wurden 74 Verstöße, 24 davon im Fahrverbotsbereich, registriert. Messungen wurden unter anderem auf der Bundesstraße 27 am Fasanenhof und auf der B 14 am Schattenring vorgenommen. An letzterer Stelle wurde ein Autofahrer mit Tempo 135 erwischt. Mehr als 50 Stundenkilometer zu viel. „Ihn erwartet ein Fahrverbot von einem Monat, zwei Punkte und eine Geldbuße von 320 Euro.“ Sollte sich herausstellen, dass er vorsätzlich gerast ist, könne sie verdoppelt werden.

Ganz so schnell sind die Verkehrsteilnehmer in der Heilbronner Straße am Freitagvormittag nicht unterwegs. Aufgrund des Streiks der Stuttgarter Straßenbahnen AG sind auf der Hauptverkehrsader deutlich mehr Autos unterwegs, häufig stockt der Verkehr. Doch auch dort halten sich viele Autofahrer nicht an das geltende Limit von 40 Kilometern pro Stunde.  Fahren  sie nur etwas zu flott, kommen sie mit einem blauen Auge davon. Vassilios Lagomatis signalisiert ihnen dann lediglich mit einer entsprechenden Geste, dass sie den Fuß vom Gas nehmen sollen. Zur Polizeikelle greift sein Kollege hinter ihm nur, wenn Autofahrer mit mindestens 64 km/h unterwegs sind. Eben ab dieser Geschwindigkeit liegt man nach Abzug der Toleranz von drei Stundenkilometern im Punktebereich. „Ansonsten müssten wir fast jeden Verkehrsteilnehmer rauswinken, dann wäre unsere Messstelle am Pragsattel wohl schnell überfüllt.“

Bei einer Audi-Fahrerin können die Verkehrspolizisten aber kein Auge mehr zudrücken. Die 30-Jährige ist mit 71 Kilometern pro Stunde in der Heilbronner Straße unterwegs. Netto bleiben 68 km/h. Die Folge: Ein Punkt und eine Geldbuße von 180 Euro, die ihr wehtun würde. „Ich habe mein Studium gerade abgeschlossen und bin auf Arbeitssuche.“ Sie sei aber froh, dass sie ihren Führerschein nicht abgeben müsse. Trotz der Belehrung durch die Beamten ist bei der jungen Frau nicht wirklich Einsicht zu erkennen. „Ich bin hier kein Rennen gefahren und habe an der Ampel normal beschleunigt“, sagt sie. In Gefahr habe sie sich nie gefühlt. „Mir war nicht wirklich bewusst, dass ich zu schnell unterwegs bin.“ Zugleich kritisiert sie, dass auf der dortigen Bundesstraße Tempo 40 gilt. „Das ist mir hier viel zu langsam.“

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Erstellt:
19. April 2024, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
20. April 2024, 21:53 Uhr

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