Polizeiblitzer erwischen auch 86-Jährigen

Die Woche mit verstärkten Tempokontrollen ist eröffnet. Am Montag wurden in Stuttgart die ersten Sünder des Blitzermarathons ins Visier genommen.

Von Wolf-Dieter Obst

Stuttgrat - Was soll man dazu auch schon sagen? Der Fahrer des Porsche Cayenne schaut verärgert drein. „Ich habe keine Lust, jetzt zu reden“, sagt er. „Fragen Sie die Polizei.“ Es geht knapp um ein Fahrverbot. Auch der 58-jährige Polizeihauptkommissar von der Verkehrspolizei weiß, wie man mit solchen Fällen umgeht: „Was soll man viel reden.“ 124 km/h statt Tempo 80 auf dem Schattenring. Das wird knapp.

Seit Montag läuft die europaweite Schwerpunktwoche gegen Temposünder, unter Autofahrern als Blitzermarathon oder Speedweek bekannt. Die Stuttgarter Polizei hat zum Auftakt bekannte Strecken ins Visier genommen – die Straßen rund um den Schattenring. Dort aus hatten sich erst vor ein paar Tagen drei Motorradfahrer ein waghalsiges Rennen geliefert.

Der Porsche-Fahrer mit Böblinger Kennzeichen, der am Schattenring mit einer Laserpistole gemessen worden war, hat womöglich Glück, dass vier Kilometer pro Stunde Toleranz abgezogen werden. So bleiben 120 km/h übrig – bei erlaubtem Tempo 80. Da stünde ein Fahrverbot noch unter dem Vorbehalt, dass der Fahrer nicht zweimal innerhalb eines Jahres als Schnellfahrer mit mindestens 26 km/h drüber erwischt worden wäre. Das Bußgeld betragt 228,50 Euro.

Für einen 86-Jährigen geht es glimpflicher aus. Abzüglich Toleranz mit 110 Kilometer pro Stunde erwischt – auch da droht nur ein Punkt in Flensburg. „Mit dem Punkt kann ich leben“, sagt der Mann aus Gerlingen. Es habe „halt pressiert“, weil die Ehefrau gemahnt habe, er solle baldmöglichst heimkommen. Das kostet 178,50 Euro Bußgeld. Trotzdem findet er die Tempokontrollen der Polizei gut: „Das führt dazu, dass man wieder bewusst langsamer fährt“, sagt er.

Dabei ist in Stuttgart Rasen gar nicht die Hauptursache für schwere Unfälle. In der Unfallbilanz 2025 rangiert das Thema nur an sechster Stelle. Wenn Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) von der „Unfallursache Nummer eins bei schweren und tödlichen Unfällen“ spricht, bezieht sich dies eher auf die Fläche in den Landkreisen. In der Landeshauptstadt sieht Stuttgarts Polizeipräsident Markus Eisenbraun „Unachtsamkeit und gravierende Regelverstöße wie Missachtung der Vorfahrt oder Alkohol- und Drogeneinfluss nach wie vor als Hauptursachen für schwere Unfälle“, wie er bei der Vorstellung der Unfallstatistik 2025 wissen ließ.

Trauriger Platz eins der Ursachen für Unfälle mit Verletzten: Nichtbeachten der Vorfahrt – 891 Fälle, plus 8,1 Prozent. Auf den folgenden Rängen: Fehler beim Abbiegen und Wenden, 852 Fälle, plus 10,4 Prozent; Fehler bei der Fahrbahnbenutzung, 271 Fälle, plus 28,4 Prozent; unachtsamer Fahrstreifenwechsel, 224 Fälle, plus 24,4 Prozent; Alkohol 215 Fälle, minus 7,7 Prozent.

Zum Vergleich: Geschwindigkeit steht mit 197 Karambolagen an sechster Position der Hauptunfallursachen mit Personenschaden. Allerdings mit steigender Tendenz. Deshalb sieht auch Polizeipräsident Markus Eisenbraun keinen Grund, die Tempomessgeräte einzupacken. Sein Motto lautet: „Den Kontrolldruck hochhalten, um das Bewusstsein für ein rücksichtsvolles Miteinander zu stärken.“

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Erstellt:
13. April 2026, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
13. April 2026, 23:59 Uhr

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