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Polizei will Flüchtigen von Oppenau zum Aufgeben bewegen

dpa/lsw Oppenau. Seit mehr als fünf Tagen hält sich der bewaffnete 31-Jährige im Schwarzwald versteckt. Die Polizei ändert jetzt ihre Taktik. Sie appelliert an seine Vernunft.

Ein Fahrzeug der Polizei ist mit Blaulicht im Einsatz. Foto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Ein Fahrzeug der Polizei ist mit Blaulicht im Einsatz. Foto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Die Polizei will den Polizeipistolen-Räuber von Oppenau im Schwarzwald dazu bringen, seine Flucht nach mehr als fünf Tagen zu beenden. „Nehmen Sie Kontakt zu uns auf“, sagte der Offenburger Polizeipräsident Reinhard Renter bei einer Pressekonferenz am Freitag in Oppenau und sprach den Mann damit direkt an. Das könne auch über Freunde oder die Familie geschehen. „Das ist ein Weg, gesund für alle herauszukommen.“

Die Ermittler gehen weiter davon aus, dass sich der Mann, der am Sonntag vier Polizeipistolen geraubt hatte, im Wald bei Oppenau im Ortenaukreis aufhält. Da der Ort nicht abgeriegelt oder umstellt sei, könne der Mann problemlos zu Kontaktpersonen gelangen.

Renter sprach den offensichtlich großen Freiheitsdrang des Mannes an. Die Polizeimaßnahmen dürften sich aber inzwischen auch psychisch auf ihn auswirken. „Ich hoffe und wünsche mir, dass er dieser Sache ein Ende macht.“

Auch nach fünftägiger Suche fehlte am Freitag noch jede Spur von dem vorbestraften Mann ohne festen Wohnsitz. Er war am Sonntag nach einer Polizeikontrolle in einer illegal von ihm genutzten Hütte in den Wald geflohen. Er hatte vier Beamte mit einer Waffe bedroht und ihnen die Dienstwaffen abgenommen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass er sich sehr gut in dem unwegsamen Gelände auskennt. Bei der Suche setzt die Polizei daher auch auf die Hilfe von Überlebensexperten, Polizeipsychologen und ortskundigen Förstern. Zuvor waren mehr als 270 Hinweise zu möglichen Aufenthaltsorten eingegangen. Die Suche in Höhlen, alten Bunkern und verlassene Gebäuden blieb bislang jedoch ohne Erfolg.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass der Mann als Jugendlicher unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt worden war. Er hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Alter von 15 Jahren das Schild eines Jugendwerks so verändert, dass die Aufschrift die Worte „Juden weg“ enthielt. Zudem sei eine rechtsradikale Gesinnung zum Ausdruck gekommen, unter anderem durch Verwendung von Hakenkreuzen und SS-Symbolen sowie judenfeindlicher Äußerungen.

Die Jugendstrafe von acht Monaten mit Bewährung wurde nach einer Phase ohne weitere Vorkommnisse erlassen. Später habe es keine weiteren Ermittlungen wegen politisch motivierter Straftaten mehr gegeben. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten zuvor angegeben, dass sie von keinem rechtsextremen Hintergrund ausgehen.

Die vier von der Tat des 31-Jährigen betroffenen Beamten werden nach Angaben des Polizeipräsidenten weiterhin betreut. Auch der Polizist, den der Mann aus kurzer Entfernung direkt mit einer Schusswaffe bedroht hatte, habe seinen Dienst am Freitag wieder aufgenommen.

Offenburgs Polizeipräsident Reinhard Renter spricht bei einer Pressekonferenz in Oppenau. Foto: Benedikt Spether/dpa

Offenburgs Polizeipräsident Reinhard Renter spricht bei einer Pressekonferenz in Oppenau. Foto: Benedikt Spether/dpa

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Erstellt:
17. Juli 2020, 16:16 Uhr

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