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Proteste: Landesregierung prüft Ladenöffnung an Karfreitag

dpa/lsw Stuttgart. Wenn Christen kurz vor Ostern der Kreuzigung Jesu gedenken, herrscht im Südwesten eine gesetzlich vorgeschriebene Feiertagsstille. In früheren Jahren sorgte das Tanzverbot am Karfreitag für Streit. In Corona-Zeiten ist es etwas anderes.

Nach heftiger Kritik von Kirchen und Gewerkschaften stellt die Landesregierung die Öffnung von Supermärkten am Karfreitag noch einmal auf den Prüfstand. Der Lenkungskreis, in dem die wichtigsten Ministerien vertreten sind, werde sich mit dem Thema befassen, sagte ein Regierungssprecher am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

Wegen der Corona-Pandemie ist die Öffnung von lebensnotwendigen Geschäften wie Supermärkten derzeit auch an Sonn- und Feiertagen erlaubt. Dies diene dem Gesundheitsschutz und dem Ziel, die Infektionsgefahr zu senken, betonte der Regierungssprecher: „Vor einem langen Wochenende wie Ostern sind die Supermärkte sonst überfüllt. Da findet eine Gruppenbildung statt, die zu verhindern ist. Mit einer Öffnung auch am Sonntag verteilt sich das besser.“

Der Karfreitag ist ein rechtlich besonders geschützter „stiller Feiertag“, an dem die Christen des Kreuzestodes Jesu gedenken. „Es ist unvorstellbar, dass die Menschen an diesem Tag einkaufen gehen, aber nicht in den Gottesdienst dürfen“, betonten die evangelischen Landesbischöfe Jochen Cornelius-Bundschuh (Baden) und Frank Otfried July (Württemberg). „Wir fordern die umgehende Rücknahme der Ladenöffnungsmöglichkeit am Karfreitag.“

Die Landesregierung habe ihre Entscheidung ohne die vorgeschriebene vorherige Anhörung der Kirchen getroffen. „Es gibt überhaupt keinen Grund dafür, am Karfreitag einkaufen zu gehen“, erklärten die Landesbischöfe. Auch die katholischen Bischöfe von Rottenburg-Stuttgart und Freiburg, Gebhard Fürst und Stephan Burger, sprachen sich dagegen aus: Es reiche vollauf, am Gründonnerstag und Ostersamstag einkaufen zu können. Notfalls denkbar sei höchstens eine Öffnung der Läden am Ostermontag.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Gewerkschaft Verdi bezeichneten die Freigabe der Ladenöffnungszeiten an Ostern als „völlig überflüssig“ und „skandalös“. Bereits jetzt verzichteten die meisten Lebensmittelläden darauf, an Sonntagen zu öffnen, weil es keinen zusätzlichen Bedarf gebe, teilte Verdi mit. Die Beschäftigten im Einzelhandel dürften nicht um die verdiente Osterpause gebracht werden, kritisierte der DGB.

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Erstellt:
3. April 2020, 16:04 Uhr

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