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Prozessbeginn gegen Ex-Chef der Geno Wohnbaugenossenschaft

dpa/lsw Stuttgart. Viele Menschen träumen vom eigenem Haus. Oftmals scheitert es an der Finanzierung. Eine Genossenschaft setzte auf Mietkauf und warb um Anleger. Sie wurden wohl um Millionen geschädigt.

Eine modellhafte Nachbildung der Justitia neben Aktenordnern. Foto: Volker Hartmann/dpa/Symbolbild

Eine modellhafte Nachbildung der Justitia neben Aktenordnern. Foto: Volker Hartmann/dpa/Symbolbild

„Sicherheit ein Leben lang“ oder „Immer sicher Wohnen“: Mit diesen Slogans hat die Geno Wohnbaugenossenschaft jahrelang bundesweit um Anleger geworben, die von Eigenheim träumten. Nun muss sich seit Freitag der frühere Vorstandsvorsitzende wegen Verdachts des Millionenbetrugs vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten.

Der 52 Jahre alte gelernte Maurer habe zwischen Januar 2015 bis Mai 2018 neue Mitglieder über den finanziellen Zustand der Genossenschaft getäuscht und so zu Einlagen in Höhe von rund 2,37 Millionen Euro veranlasst, sagte der Staatsanwalt. Die Mitgliedschaft der 172 Anleger sei aber wertlos gewesen und sie hätten keine Chance gehabt, ihr Geld zurückzubekommen.

Dem Angeklagten, der während der Verlesung der Vorwürfe immer wieder lächelte, wird Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßiger Betrug und Untreue zur Last gelegt. Der Mann sitzt seit Ende November 2019 in Untersuchungshaft. Am ersten Verhandlungstag kam nur der Staatsanwalt zu Wort. Am 28. Mai will sich der mutmaßliche Millionenbetrüger zunächst zur Person äußern. Das Insolvenzverfahren der 2002 gegründeten Geno Wohnbaugenossenschaft mit Sitz in Ludwigsburg war im August 2018 eröffnet worden.

Das Geschäftsmodell der Genossenschaft mit im Schnitt 5000 Mitgliedern funktionierte so, dass die Mitglieder ähnlich wie in einem Bausparvertrag Geld einzahlten und so Bereitstellungspunkte sammelten. Ab einem bestimmten Punkt konnten sie damit eine Immobilie über die Genossenschaft erwerben und einziehen. Wer nicht in der Lage war, die Gesamtsumme sofort zu zahlen, durfte für eine günstige Miete einziehen und konnte Haus oder Wohnung weiter abstottern.

Die Genossenschaft sei seit dem Jahr 2011 in einer wirtschaftlichen Krise gewesen und habe immer Verluste in Millionenhöhe gemacht, sagte der Staatsanwalt. Spätestens Ende 2014 sei sie nicht mehr in der Lage gewesen, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Der Angeklagte habe innerhalb des Firmenkonstrukts Gelder verschoben, um die wirtschaftliche Lage zu verschleiern. Außerdem habe er sich durch seine mutmaßlichen Betrügereien eine fortlaufende Einnahmequelle schaffen wollen. Allein 2017 habe er 300 000 Euro an Bezügen kassiert.

Nach Auffassung der Anklage soll der Mann 2017 mehrere Immobilien der Genossenschaft zu günstig an eine Strohfirma verkauft haben, um an Geld zu kommen. Der Prozess ist bis Januar 2021 angesetzt.

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Erstellt:
15. Mai 2020, 01:48 Uhr

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