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Püttmer geißelt „Desinteresse der Stadt“

Riva-Chef provoziert mit Traueranzeige für den Masterplan zum Kaelble-Areal – OB Nopper fordert Zugeständnisse bei den Planungen

Unternehmer Hermann Püttmer, der auf dem Backnanger Kaelble-Areal ein neues Stadtquartier bauen möchte, geißelt jetzt via Traueranzeige das Desinteresse der Stadtverwaltung. Diese habe ein Leichentuch aus Rathauspapier über seine Vision gelegt. Oberbürgermeister Frank Nopper und die Mehrzahl der Stadträte sind indes verwundert über die makabre Anklage, denn noch sei überhaupt nichts entschieden.

Die Variante, mit einer Traueranzeige den Riva-Standpunkt klarzustellen, sorgte zwar für viel Aufmerksamkeit, kam aber nicht überall gut an.

Die Variante, mit einer Traueranzeige den Riva-Standpunkt klarzustellen, sorgte zwar für viel Aufmerksamkeit, kam aber nicht überall gut an.

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Die Traueranzeige am Samstag in unserer Zeitung war nicht zu übersehen. Unter der Überschrift „Tod einer Vision“ beschrieb Riva-Chef Hermann Püttmer seine „stadtplanerische Vision mit Wahrzeichen, Kunsthalle, Wohnungen und Piazza-Atmosphäre“, die er auf der derzeitigen Industriebrache realisieren möchte. Damit wollte der Kirchberger die Murr-Metropole bereichern. Doch die Stadtverwaltung blockiere das Mammutprojekt und hülle es „in ein Leichentuch aus Rathauspapier“.

Die Vorwürfe überraschten Backnangs Oberbürgermeister Frank Nopper sehr, besonders nach den ersten Gesprächen, die in den vergangenen Monaten geführt worden sind. Schließlich seien die Verhandlungen erst „in einem Vor-vor-vor-Stadium“, es gebe noch längst keinen Bebauungsplan.

Eben dies scheint Püttmer zu ärgern, für den 79-Jährigen geht das Bearbeitungsverfahren bei der Stadt offensichtlich zu langsam. In einer Pressemitteilung legte er gestern nach: „Die Große Kreisstadt Backnang befindet sich mit der Firma Riva GmbH Engineering im Dialog über den Masterplan für das Kaelble-Areal. Leider laufen die Prozesse schleppend.“ Püttmer erinnerte nochmals daran, dass sein Unternehmen „den weltbekannten Architekten Helmut Jahn“ mit dem Entwurf eines Masterplans für die Brachfläche beauftragt habe. Jahn habe viel Erfahrung als Stadtplaner. Püttmer: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und Entwürfe geliefert. Jetzt wünschen wir uns von der Stadt ein proaktives Verhalten und weniger Passivität.“

Zweimal schon, nämlich am 11. Oktober vergangenen Jahres sowie am 8. März, seien die Entwürfe unter Beisein des Stararchitekten der Verwaltung und den Stadträten vorgestellt worden. „Mit unserem Masterplan, mit dem Engagement des Architekten sowie der schnellen Bereitstellung von Informationen wollten wir Begeisterung bei der Stadt wecken. Wir wollten gemeinsam Veränderungen zum Positiven initiieren“, so Püttmer. „Leider ist uns das bis jetzt nicht gelungen. Wir empfinden das Verhalten der Stadt als Desinteresse. Wir sind enttäuscht.“ Riva hofft, dass die Prüfung der Pläne durch die zuständige Stelle bei der Stadt Backnang weitergehe. „Ob bei der Bearbeitungsgeschwindigkeit jemals ein Ergebnis zustande kommen wird, ist unklar.“

Weil Püttmer in seiner Traueranzeige Friedrich Schiller zitierte („Ewig jung ist nur die Phantasie“), konterte OB Frank Nopper zweimal mit Schillers Wallenstein. Nopper zur Anzeige: „Dies war kein Heldenstück.“ Und: „Wenn man für jeden Donner und Blitz, den ihr losbrennt mit eurer Zungenspitz, die Glocken müsst läuten im Land umher, es wär bald kein Mesner zu finden mehr.“ Nopper kritisierte: „Wir wollen eine Aufwertung des Kaelble-Areals, aber wir wollen eine Lösung, die für Backnang passt und keine solche, die eher für Chicago passt. Und wir wollen auch keine Luftschlösser mit der Anmutung der Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Aber: Wir haben das Projekt nicht versenkt. Wenn der Bauherr mit der Anzeige möglicherweise sagen möchte, ,alles oder nichts‘, dann muss ihm klar sein, alles wird es nicht geben können.“

Nopper wehrte sich gegen den Vorwurf, die Stadtverwaltung würde Projekte zu langsam umsetzen. „Wir haben einen engen Kontakt und einen kurzen Draht zu den Bauherren und den Behörden, das gilt ganz generell und ist nicht nur auf das Riva-Projekt bezogen. Unsere Genehmigungszeiten sind relativ kurz.“ Aber bei einem Projekt von der Dimension des Kaelble-Areals müsse man die Auswirkungen auf die gesamte Stadt berücksichtigen. „Es geht nicht nur darum, Gebäude hinzustellen. Ein solches Stadtquartier hat Auswirkungen auf das gesamte Umfeld, den Einzelhandel, den Verkehr, die Infrastruktur generell mit Schulen und Kindergärten.

Laut Nopper kann das Projekt in einer anderen Dimensionierung gebaut werden. Aber Püttmer müsse Zugeständnisse machen, damit das neue Stadtquartier auch zu Backnang passt. Eine Auffassung, die die Mehrzahl der Stadträte teilt. Auch Heinz Franke war von der Anzeige völlig überrascht, weil seit der Präsentation des Masterplans nichts vorgefallen ist, was den Schluss nahelegt, in diesem Gebiet geht nichts. Allerdings macht auch der SPD-Fraktionschef klar, „das Projekt ist nicht 1:1 umsetzbar“. Franke: „Dass aber der Eindruck erweckt wird, wir würden das Projekt beerdigen, ist so nicht richtig.“ Die Größe der Anzeige und das Stilmittel des Protests macht laut Franke jedoch deutlich, „wie verärgert und enttäuscht Püttmer von der Verwaltung ist“. CDU-Fraktionschefin Ute Ulfert stimmt bei: „Mir ist nicht bekannt, dass das Projekt begraben ist.“ Sie fragt sich, was Püttmer mit der Anzeige bewirken möchte. Und sie spekuliert: „Vielleicht will er sich auch als Investor von dem Projekt verabschieden. Womöglich liegen andere Gründe vor wie in der Anzeige genannt.“ Über den Stil der Kritik zeigte sich die Christdemokratin erschrocken, „das ist Kommunikation à la Trump, das ist der gleiche Stil“. Willy Härtner (Grüne) glaubt, dass der Entwurf ohne das Hochhaus als Diskussionsgrundlage dienen könnte. Für ihn ist aber auch wichtig, dass die Belange der Anwohner und des Städtebaus berücksichtigt und Straßenschluchten vermieden werden. Ein Verkehrsexperte müsse die Verkehrsströme simulieren.

BfB-Sprecherin Charlotte Klinghoffer zeigte indes Verständnis für Püttmers Ärger. Sie nannte es ein Drama, dass die Verwaltung zu aggressiv auf den Bauherr zuginge. Sie erwarte „von den oberen Riegen der Verwaltung“, dass diese auch konstruktiv mit Menschen, die ihnen nicht passen, umgehen, „Befindlichkeiten sollten zurückgestellt werden“. Die BfB-Rätin hofft, dass das Projekt weiterverfolgt wird, „und zwar zügiger als bisher“.

„Wir wollen eine Lösung, die für Backnang passt und keine solche, die eher für Chicago passt.“Frank NopperOberbürgermeister, Backnang

© Pressefotografie Alexander Beche

„Wir wollen eine Lösung, die für Backnang passt und keine solche, die eher für Chicago passt.“ Frank Nopper Oberbürgermeister, Backnang

„Ob bei der Bearbeitungsgeschwindigkeit jemals ein Ergebnis zustande kommen wird, ist unklar.“Hermann PüttmerGeschäftsführer Riva-Engineering

© Edgar Layher

„Ob bei der Bearbeitungsgeschwindigkeit jemals ein Ergebnis zustande kommen wird, ist unklar.“ Hermann Püttmer Geschäftsführer Riva-Engineering

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Erstellt:
19. Juni 2018, 06:00 Uhr

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