Seltene Laune der Natur

Woher hat Panda Qizai seinen Kakao-Look?

Vertraute Form, völlig falsche Farbe: Wer zum ersten Mal das Foto eines kakaobraun gefleckten Pandas sieht, hält es vermutlich für ein Fake-Bild. Doch solche Tiere gibt es wirklich – und Forscher wissen inzwischen auch, warum.

Qizai ist der einzige derzeit in Gefangenschaft lebende Große Panda mit braun-weißer statt mit schwarz-weißer Färbung. Er stammt aus dem Naturschutzgebiet Foping in der Provinz Shaanxi.

© Wenliang Zhou/Eurekalert/dpa

Qizai ist der einzige derzeit in Gefangenschaft lebende Große Panda mit braun-weißer statt mit schwarz-weißer Färbung. Er stammt aus dem Naturschutzgebiet Foping in der Provinz Shaanxi.

Von Markus Brauer/dpa

Kühe mit braunen statt schwarzen Flecken gibt es viele, aber wohl kaum jemand weiß: Es gibt auch Kakao-Pandas - also Tiere mit hellbraunen statt der üblicherweise schwarz-weiß gefärbten Fellteilen. Sie seien so selten, dass sie zweifelsohne als nationale Schätze zu betrachten seien, erklären chinesische Wissenschaftler.

Derzeit gibt es nur einen einzigen in Gefangenschaft lebenden braunen Panda, Qizai genannt. Ziel soll es nun sein, die Tiere mit der seltenen Färbung gezielt zu züchten.

 

 

Erstmals 1985 weiß-brauner Panda entdeckt

Der Große Panda (Ailuropoda melanoleuca) mit seinem unverwechselbaren schwarz-weißen Fell ist eine Ikone. Im Jahr 1985 wurde erstmals ein weiblicher Panda mit braun-weißem Fell in den chinesischen Qinling-Bergen entdeckt, wie das Forschungsteam um Fuwen Wei von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften mitgeteilt hat. In der vergangenen vier Jahrzehnten sei nur etwa eine Handvoll weiterer Kakao-Pandas in dieser Region gefunden worden. In anderen Gebieten Chinas kommen sie demnach nicht vor.

Große Pandas leben als Einzelgänger in lichten Laub- und Nadelwäldern mit Bambus als Unterwuchs in Bergregionen im Südwesten Chinas. Der Bestand in der Wildnis wird auf unter 2000 Tiere geschätzt. Die bis zu etwa 180 Zentimeter großen und 120 Kilogramm schweren Bären ernähren sich fast ausschließlich von Bambus.

Verändertes Gen verursacht Braun-Färbung

Die Wissenschaftler analysierten anhand von Proben 225 normal gefärbter und zwei brauner Pandas, worauf die ungewöhnliche Färbung zurückgeht. Demzufolge ist wahrscheinlich ein einzelnes verändertes Gen – Bace2 genannt - für den hellbraunen Look verantwortlich.

Wurde die Mutation mittels der Genschere Crispr bei schwarzen Mäusen eingebracht, veränderte sich auch bei ihnen die Fellfärbung zu hellbraun, wie das Team im Fachjournal „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) berichtet. Wahrscheinlich verringere sich durch die Mutation die Zahl und Größere der sogenannten Melanosomen, spezialisierter Bestandteile von Zellen, die das Pigment Melanin bilden, speichern und transportieren.

Hat die Mutation negative Folgen für Pandas?

Ob diese Annahme tatsächlich zutrifft, müsse jedoch erst durch Analysen von Proben weiterer braun gefärbter Pandas geklärt werden, geben die Forscher zu bedenken. Es wird vermutet, dass die Mutation bei Pandas deshalb so selten sein könnte, weil sie neben der veränderten Farbe noch weitere, schädliche Folgen für die Tiere hat.

Bei Qizai und einem weiteren Tier, Dandan, seien allerdings keine Auswirkungen etwa auf die Größe oder die Fortpflanzungsfähigkeit festgestellt worden, berichten die Wissenschaftler.

Info: Warum lieben Große Pandas Pferdemist?

Panda Pandas wälzen sich gern in Pferdeäpfeln. Doch was haben sie von der müffelnden Mistschicht? Die Tiere legten sich zunächst mit den Wangen hinein und schmierten sich dann gezielt am ganzen Körper mit dem Pferdekot ein, berichten chinesische Forscher im Fachjournal „Plos one“. Besonders in Kältephasen sei das der Fall. Und darin liege wohl auch die Ursache des ungewöhnlichen Verhaltens: Bestimmte Substanzen aus der Mistschicht im Pelz förderten offenbar die Fähigkeit, sich auch bei kühleren Temperaturen wohlzufühlen.

Dung Die Wissenschaftler um Fuwen Wei vom Zoologischen Institut der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking fanden heraus, dass chemische Verbindungen wie Beta-Caryophyllen und Caryophyllenoxid in frischem Mist entscheidend für die seltsame Vorliebe sind.

Chemie Bei den Pandas beeinflussen Beta-Caryophyllen und Caryophyllenoxid wohl einen bestimmten Kälterezeptor und helfen den Tieren so, mit kalten Temperaturen gut klarzukommen, schließen die Forscher. Die chemischen Substanzen blockieren den Rezeptor demnach in Nervenenden in der Haut der Pandas und vermindern so wohl unter anderem Kältegefühle.

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Erstellt:
4. März 2024, 21:16 Uhr
Aktualisiert:
5. März 2024, 07:37 Uhr

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