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Qualmende Reifen und Heavy Metal

Der MC Trailhof hat am Wochenende zu seinem 16. Motoradtreff geladen  –  Rund 2000 Besucher an drei Tagen

Hunderte Motorradfahrer verwandelten am Wochenende die Wiese am Ortsrand vom Trailhof in eine bunte Zeltstadt und ein PS-starkes Zweiradmekka. Der MC Trailhof hatte in seinem Jubiläumsjahr zum 16. Motorradtreff eingeladen:„25 Jahre“ ist auf den T-Shirt-Ärmeln der MC’ler zu lesen.

Zahlreiche Besucher aus Nah und Fern fanden den Weg zum Trailhof, wo der Motorradclub zum 16. Motorradtreffen eingeladen hatte. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Zahlreiche Besucher aus Nah und Fern fanden den Weg zum Trailhof, wo der Motorradclub zum 16. Motorradtreffen eingeladen hatte. Fotos: J. Fiedler

Von Heidrun Gehrke

AUENWALD. An den Nummernschildern ist der weite Kreis ablesbar, den das Motorradtreffen des MC Trailhof zieht: Außer aus der Region auch aus mehreren Bundesländern und aus der französischen Partnerstadt Beaurepaire kommen Motorradfreunde die schmalen Sträßchen ins Auenwälder „Bergdorf“ Trailhof hinaufgefahren. Ein Begrüßungsschnäpsle ist ihnen sicher, gesichert ist auch das Ziel der Zweiradlenker: „Geile Bands, geile Leute, schöne Location“, sagen Kerstin Kühner und ihr Partner, den alle nur als „Bärle“ kennen. Gleichgesinnte treffen und feiern. Party, Motorräder anschauen, PS-Gespräche über Umbauten und Auspuffe – dafür nehmen sie bereits zum achten Mal gut und gerne mehrere hundert Kilometer aus Germersheim Rheinland-Pfalz in Kauf.

Gemeinsam mit dem Sporttourer und der Chopper unterwegs zu sein, sei immer ein Vergnügen, das „Warm-up für ein tolles Wochenende“, wie Kumpel Andreas Dörzapf es nennt. Sobald er sein Zelt aufgeschlagen hat, wisse er, warum er hier sei: „Ab jetzt ist Urlaub, egal bei welchem Wetter“, sagt er. Seine 17-jährige Tochter Chiara ist reingewachsen, sie teilt die Leidenschaft fürs „Teilzeit-Aussteigen“ aus dem Alltag vom Soziussitz aus. „Alles von daheim fällt ab und ich habe den Kopf frei“, sagt sie. Zum Duschen und um sich eine Runde frisch zu schwimmen, fahren sie ins Hallenbad.

Zwischen den Zeltreihen stehen Motorräder, einige kosten mit Camper und Wohnmobil zwei Tage Festivalstimmung aus. So wie die weit gereisten Gäste haben es nach Information von MC-Vorstand Raphael Gruber früher viele gemacht. In den letzten Jahren sei die Zahl der Tagesgäste gestiegen, immer weniger verbringen das gesamte Wochenende im Zelt- und Campermodus.

Geblieben ist die einmalige Stimmung. Die Motorrad-Festmeile erstreckt sich über die gesamte Wiese. Ausrangierte Sofas sind um eine Feuerstelle gruppiert, an der abends ein Lagerfeuer zum gemütlichen Verweilen einlädt. Heiß und feurig wird es auf der „Burnout-Platte“, als bei einsetzender Dunkelheit die durchdrehenden Reifen qualmen und Motorräder zu den sprichwörtlichen Feuerstühlen werden. Tagsüber halten sportliche Biker-Spiele die Fahrer bei Laune, bevor es abends mit Heavy-Metal-Gitarren und harten Akkorden abgeht. Die Band „Extasy“ aus der Heilbronner Gegend, die ihr 25-jähriges Bandjubiläum begeht, reißt am Freitag das Publikum mit. Am Samstag präsentiert „Unzensiert“ aus der Region selbstkomponierte Songs, bevor mit Metal-Covers der aus dem Fränkischen stammenden Band „Audio Gun“ akustisch ein Hauch von Wacken über den Trailhof-Berg wummert.

Am Sonntagvormittag verbreitet sich Abbau- und Aufbruchstimmung bei den Weitangereisten. Gemütlich wird es für Tagesausflügler mit der lässig-legeren Musik von „Grooveteeth“ und einem Weißwurstfrühstück. „Am Sonntag kommen die Trailhofer, auch viele Wanderer und Radfahrer lassen sich sehen“, so Gruber. Ehrenpräsident Ulrich Schulz vergleicht die Sogwirkung des Festes mit dem Backnanger Straßenfest: „Man sieht hier Leute, die man woanders nie trifft.“ Sein Sohn Tobias war bei der Gründung zehn Jahre alt, heute hat er selbst seinen Sohn dabei. „Die ganze Familie ist Mitglied, quasi von Geburt an“, witzelt Tobias Schulz. Die Familienmitgliedschaft erklärt, warum der Verein nicht überaltert und der Gast beim Wurstkauf und am Bierzapf in viele jüngere Gesichter blickt. Rund 2000 Besucher an drei Tagen zu stemmen, alles ohne Eintritt zu verlangen – für den Kraftakt seien 150 Helfer eingespannt. „Bei vielen gehen zwei Wochen Urlaub komplett drauf“, sagt Andreas Werner.

„Immer mehr und immer größer“ sei alles geworden, sagt Ulrich Schulz und erinnert sich an die Anfänge im Jahr 1987. „Ein Zelt, kleine Feuerstelle, Bierwagen, lokale Bands, auf einer Wiese in Bruch“. Auch die Anekdote vom Fest in Wattenweiler ist präsent: „Dort sind wir wegen des Lärms weggejagt worden“, berichtet der Ehrenpräsident grinsend. Im Trailhof könnten sie aber auf einen guten Zusammenhalt bauen.

Unter den Motorradfans finden sich auch viele junge Leute.

© Jörg Fiedler

Unter den Motorradfans finden sich auch viele junge Leute.

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Erstellt:
26. August 2019, 06:00 Uhr

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